OneCoin-Juristin Dilkinska muss vier Jahre in Haft

Geldwäscher Morro bekennt sich schuldig / Alexander Q. in Stuttgart vor Gericht

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Die nächste OneCoin-Führungsfigur muss ins Gefängnis.  In New York hat Richter Edgardo Ramos am Donnerstag, 3. Mai die bulgarische Rechtsanwältin Irina Dilkinska zu 48 Monaten Gefängnis nun rechtskräftig verurteilt.  Ein weiterer Geldwäscher aus dem  Umfeld von Ruja Ignatova, William Morro, sitzt seit Ende April in Untersuchungshaft. Und in Stuttgart muss sich Alexander Q. vor dem Oberlandesgericht wegen des mutmaßlichen Reichsbürgerputsches verantworten. Q.  hatte bis 2020 immer wieder für OneCoin geworben.

New York. Dilkinska war die Chefin der „Rechtsabteilung“ bei OneCoin, und ironischerweise dafür zuständig, dass die Geschäfte sauber liefen („Compliance“). Tatsächlich habe sie dafür gesorgt, dass die OneCoin-Einnahmen „gewaschen“ wurden. So habe sie „geholfen, Millionen Opfer auszubeuten“, wie US-Staatsanwalt Damian Williams das Urteil kommentiert. 

110 Millionen Dollar verschoben

So habe sie unter anderem dafür gesorgt, dass etwa 110 Millionen US-Dollar aus den OneCoin-Einnahmen bei einer Firma auf den Cayman Islands landeten. Neben der vierjährigen Haftstrafe hat Richter Ramos die 42-Jährige verurteilt, 111.440.000 Dollar an die US-Regierung abzutreten.

Dilkinska galt als die rechte Hand von Ruja Ignatova, der „Kryptoqueen“. Bulgarische Behörden hatten sie 2021 festgenommen und vor gut einem Jahr an die US-Behörden ausgeliefert. In US-Gewahrsam hatte sich sie bald schuldig bekannt und so einen Prozess vermieden.

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Die Kryptoqueen Ruja Ignatova mit Sebastian Greenwood, ihrem Geliebten und OneCoin-Miterfinder im Sommer 2016. Foto aus facebook.

Nach Sebastian Greenwood (20 Jahre) Mark Scott (zehn Jahre) Gilbert Armenta (fünf Jahre) und Konstantin Ignatov (Strafe verbüßt) ist Irina Dilkinska nun die fünfte OneCoin-Führungsfigur, die US-Richter Ramos im Zusammenhang mit der Schwindelwährung OneCoin verurteilt hat.

Staatsanwalt Williams schreibt dazu, Dilkinska habe erfahren müssen, dass seine Behörde all diejenigen zur Verantwortung ziehen werde, die sich im Zusammenhang mit OneCoin-Schwindel strafbar gemacht haben, „egal, wie sie sich verstecken“. („As Dilkinska learned today, this Office will hold accountable every perpetrator of the OneCoin scheme, no matter where they may hide.”

William Morro

Und da hat die Polizei am 24. April einen weiteren OneCoin-Geldwäscher, William Morro verhaftet. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, im Frühjahr 2016 35 Millionen Dollar aus OneCoin-Einnahmen von China nach Hongkong transferiert zu haben. Später soll er weitere, 6,25 Millionen auf ein Bankkonto in den USA, das er kontrollierte, überwiesen haben, berichtet der New Yorker Gerichtsreporter Matthew R. Lee.

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William Morro. Foto aus behindMLM

Morro habe mit Armenta, Rujas Ex-Geliebtem und Geldwäscher und Mark Scott in Verbindung gestanden haben. Bereits einen Tag nach seiner Festnahme hat sich Morro schuldig bekannt, Bankbetrug begangen zu haben.

Alexander Q.

Ebenfalls in Haft sitzt Alexander Q., allerdings wegen wesentlich schwerwiegenderer Vorwürfe als Bankbetrug und Geldwäsche. Q. soll für die Reichsbürger, die die Bundesregierung wegputschen wollten, als späterer Propagandachef vorgesehen gewesen sein. Seit Montag sitzt er in Stuttgart-Stammheim auf der Anklagebank.

Der „Coach“ und Unternehmensberater hatte in den Jahren vor Frühjahr 2020 in verschiedenen Videos Werbung für OneCoin gemacht und zusammen mit Martin Mayer, einem anderen OneCoin-Werber gemeinsam ein Buch mit dem Titel „Cash-Killer“ herausgebracht. Darin beschreiben die beiden OneCoin als eine „Kryptoweltwährung“, die die Lösung für den Finanzcrash darstellen sollte.

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Alexander Q. mit Martin Mayer (rechts) in einem Video von Martin Mayer. Screenshot: him

Von OneCoin über QAnon zu den Reichsbürgerputschisten

Mit Nelia Müller, die ebenfalls für OneCoin geworben hatte, betrieb Q. damals auch einen YouTube-Kanal, auf dem er krude Verschwörungserzählungen und QAnon-Geschichten von im Untergrund versteckten Kindern verbreitete. Von da ging es mutmaßlich weiter zu Prinz Reuss und seiner Putschistentruppe.

Laut Generalbundesanwalt soll Q. „spätestens seit August 2022“ Mitglied der Vereinigung gewesen sein. Er soll als ihr „Sprachrohr“ fungiert haben, „indem er über einen von ihm betriebenen Telegram-Kanal … verschwörungstheoretische Inhalte im Internet verbreitete“.

Mit seiner sanften Stimme und seiner Erfahrung als OneCoin-Werber war Alexander Q. aus Sicht der mutmaßlichen Möchtegern-Putschisten keine schlechte Wahl.

Martin Himmelheber (him)
Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.