Diese Folie erhielten die Teilnehmer der Straßenverkehrskonferenz präsentiert. Sie zeigt die Bewertung der Talumfahrung. Und ganz klein die Anmerkung zur Grundlagenermittlung.Foto: him

Die Pla­nung für das Pro­jekt der Tal­um­fah­rung Schram­berg soll vor 2025 begon­nen wer­den. Das ist das Ergeb­nis der Prio­ri­sie­rung durch das Lan­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um. Die Umfah­rung Rott­weil-Neu­kirch dage­gen ist erst nach 2025 an der Rei­he.

Am Diens­tag hat­te die Lan­des­re­gie­rung ihre Lis­te bekannt gege­ben, in der  dar­ge­stellt ist, wann die Bun­des­stra­ßen des Bun­des­ver­kehrs­we­ge­pla­nes ver­wirk­lich wer­den sol­len. In einem kom­pli­zier­ten Ver­fah­ren hat­ten die Ver­kehrs­ex­per­ten zum einen bewer­tet, bei­spiels­wei­se wie hoch der Nut­zen-Kos­ten­fak­tor ist, wel­che Ver­bes­se­rung für die Umwelt und für die Kom­mu­ne ein Pro­jekt bringt.

Sie haben außer­dem unter­sucht, wie es der­zeit um den Ver­kehrs­fluss und die Ver­kehrs­si­cher­heit steht, wie viel Lärm und Schad­stof­fe gemes­sen wer­den und wel­che Ver­bes­se­rung beim Kli­ma­schutz zu erwar­ten wären. Alles zusam­men erbräch­te einen Höchst­wert von 100 Punk­ten. Weil die Regie­rungs­prä­si­di­en die Pro­jek­te pla­nen, sind die Vor­ha­ben den jewei­li­gen Regie­rungs­prä­si­di­en zuge­ord­net

Die Orts­um­fah­rung Schram­berg ist im „Maß­nah­men­typ Orts­um­fah­rung mit Tun­nel“ und dort mit 15,3 Punk­ten im Bereich RP Frei­burg eigent­lich weit abge­schla­gen hin­ter dem Fal­ken­steig­tun­nel an der B 31 mit 32 Punk­ten, die­ses Pro­jekt steht aller­dings im Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan  erst im „Wei­te­ren Bedarf mit Pla­nungs­recht“ und kann nach 2025 geplant wer­den. Aber auch die Orts­um­fah­rung Rott­weil- Neu­kirch mit einem Tun­nel liegt mit 23, 6 Punk­ten vor Schram­berg.

Der Nutzen-Kosten-Faktor als Knackpunkt

Um die­sen Wider­spruch zu erläu­tern, heißt es denn auch  in einer Anmer­kung zu Schram­berg: „Maß­nah­me mit einem nied­ri­gen NKV (2,2) in topo­gra­fisch anspruchs­vol­len Gelän­de. Grund­la­gen­er­mitt­lung zeit­nah durch­füh­ren.“ Die­se Grund­la­gen­er­mitt­lung bedeu­tet, es muss zunächst geprüft wer­den, ob denn die Kos­ten von  116,9 Mil­lio­nen Euro, wie sie im Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan für die Tal­um­fah­rung ange­nom­men wur­den, über­haupt rea­lis­tisch sind. Stei­gen die Kos­ten, sinkt der ohne­hin schon schlech­te Nut­zen-Kos­ten­fak­tor und die Prio­ri­sie­rung wird noch­mal über­dacht wer­den, so ein Ken­ner der Mate­rie zur NRWZ.

Auf Nach­fra­ge der NRWZ erklärt die Spre­che­rin des Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums, Julia Pie­per,  was es mit der Grund­la­gen­er­mitt­lung auf sich hat: Hier ihre Ant­wort kom­plett im Wort­laut:

…zu Ihrer Fra­ge nach der Grund­la­gen­er­mitt­lung: Die Maß­nah­me stellt einen Son­der­fall als Tun­nel­maß­nah­me in beweg­tem topo­gra­fi­schem Gelän­de mit einem sehr nied­ri­gen NKV (Nut­zen-Kos­ten-Ver­hält­nis) von 2,2 dar. In der Ver­gan­gen­heit wur­de für eine drei­strei­fi­ge Lösung ein RE-Ent­wurf erstellt, der vom Bund mit der Begrün­dung der Unwirt­schaft­lich­keit nicht geneh­migt wur­de. Die Pla­nungs­tie­fe bei der Anmel­dung zum Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans ist eher grob. Bei dem aus­ge­wie­se­nen nied­ri­gen NKV-Wert ist eine Prü­fung der Basis­zah­len und Kos­ten­ri­si­ken not­wen­dig. Hier­un­ter fal­len z.B. die Prü­fung der Kos­ten­schät­zung, eine ver­tief­te Bau­grund­un­ter­su­chung und die Prü­fung kom­pen­sie­ren­der Maß­nah­men auf­grund eines Tun­nels mit beson­de­rer Cha­rak­te­ris­tik (5%-Steigung).

Die­se Schrit­te sind nicht die ers­ten Ver­fah­rens­schrit­te im Pla­nungs­pro­zess und wer­den zur Abschät­zung der Kos­ten­ri­si­ken vor­ge­zo­gen. Mit die­sen Unter­su­chun­gen wol­len wir, wie in der Lis­te dar­ge­stellt, bis 2025 begin­nen. 

Was die  NKV-Gren­ze anbe­langt: Ein Pro­jekt ist unwirt­schaft­lich, wenn das NKV unter 1 fällt.  Das NKV ist im Rah­men des Pla­nungs­pro­zes­ses bei zuneh­men­der Pla­nungs­tie­fe immer wie­der zu prü­fen.”

Pie­per stellt  im Gespräch mit der NRWZ klar, die Prio­ri­sie­rung hei­ße nicht, dass sämt­li­che Pro­jek­te auch in die­ser Rei­hen­fol­ge abge­ar­bei­tet wür­den. Es kom­me jeweils dar­auf an, ob in den Regie­rungs­prä­si­di­en die ent­spre­chen­den Pla­nungs­ka­pa­zi­tä­ten frei wür­den. Auch die bereits im Bau befind­li­chen Pro­jek­te abzu­ar­bei­ten und zu finan­zie­ren wer­de vie­le Jah­re in Anspruch neh­men: „Das ist ein Rie­sen­berg.“

Reaktionen aus der Stadt, der Region und dem Land

Die Reak­tio­nen auf die Prio­ri­sie­rung der Tal­um­fah­rung waren sehr posi­tiv. Schram­bergs Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Her­zog zeig­te sich erfreut und hofft, „dass sich freie Kapa­zi­tä­ten für einen bal­di­gen Beginn der Pla­nun­gen für die Tal­um­fah­rung bei den zustän­di­gen Stel­len auf­tun“. Damit habe sich sein per­sön­li­cher Ein­satz und das Enga­ge­ment von Gemein­de­rat, Ver­wal­tung, der Indus­trie und des Gewer­bes aus­ge­zahlt. Er sehe sich „am Ziel einer wei­te­ren Etap­pe, der Ziel­ein­lauf der letz­ten Etap­pe der Tal­um­fah­rung Schram­berg ist aber noch nicht in Sicht.“

Der CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te für den Wahl­kreis Rott­weil, Ste­fan Teu­fel, ist zufrie­den: „Dass die Tal­stadt­um­fah­rung Schram­berg unter den Maß­nah­men des Vord­ing­li­chen Bedarfs nun weit oben ein­ge­stuft wur­de, ist ein wich­ti­ges Signal für die gesam­te Raum­schaft.“ Der Regio­nal­ver­band freut sich, dass alle acht Stra­ßen­bau­pro­jek­te des Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans in der Regi­on bis 2030 geplant wer­den sol­len.

So weit waren wir noch nie“, zeigt sich Land­rat Wolf Rüdi­ger Michel (CDU) in einer pres­se­mit­tei­lung äußerst zufrie­den damit, dass die Tal­um­fah­rung Schram­berg in die zwei­te Stu­fe der Umset­zungs­kon­zep­ti­on auf­ge­nom­men wur­de und mit einem Pla­nungs­be­ginn bis 2025 eine reel­le  Umset­zungs­per­spek­ti­ve im Zeit­plan des BVWP erhal­ten hat.

IHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Albiez erklärt: „Für uns als eine der indus­trie­stärks­ten und inno­va­tivs­ten Wirt­schafts­re­gio­nen Deutsch­lands ist grund­sätz­lich posi­tiv, dass bei den meis­ten Pro­jek­ten aus der Regi­on zumin­dest vor 2025 mit den Pla­nun­gen begon­nen wird.“ 

Der Gemein­de­rat und SPD-Vor­sit­zen­de Mir­ko Wit­kow­ski sieht einen „wei­te­ren wich­ti­gen Schritt in Rich­tung Rea­li­sie­rung der Tal­um­fah­rung“. Nun hei­ße es, dran blei­ben und alles tun, damit die Pla­nung mög­lichst bald star­ten kön­ne. Der Gemein­de­rat habe hier­zu ja – obwohl die Stadt für die Finan­zie­rung nicht zustän­dig ist – auch bereits Geld bereit­ge­stellt, mit dem ein Teil der Pla­nungs­kos­ten finan­ziert wer­den kann.

Ein Ken­ner der Mate­rie gibt aller­dings zu beden­ken, dass das Pro­jekt mit den Kos­ten steht und fällt. Sän­ke der Nut­zen-Kos­ten­fak­tor – der­zeit liegt der Wert bei 2,2 – und damit die Wirt­schaft­lich­keit unter 1, dür­fe nicht gebaut wer­den. Schram­berg sei „also der­zeit weder drin noch drau­ßen“.