Tierschutzverein schlägt Alarm: Wer trägt die Kosten?

Landratsamt: Wir übernehmen die Kosten

Eine der Ziegen, die nun beim Paradieshof untergebracht sind. Foto: pm

Auch der Schram­ber­ger Tier­schutz­ver­ein ist wegen des  Fal­les von Tier­hor­tung im Kreis Rott­weil aktiv gewor­den. Wie berich­tet wur­den ver­gan­ge­nen Diens­tag 160 Tie­re aus einem Haus beschlag­nahmt. 70 Kat­zen wur­den auf die Tier­schutz­ver­ei­ne Rott­weil, Sulz und Obern­dorf ver­teilt.

Der Rest, dar­un­ter fast 30 Hasen, 19 Scha­fe und Zie­gen, vie­le Hüh­ner, Enten und Wach­teln, kamen beim Tier­schutz­ver­ein Schram­berg unter, heißt es in einer Mit­tei­luing des Ver­eins. Des­sen Vor­sit­zen­der, Clau­dio Di Simio, schlägt nun Alarm und for­dert vom Land­kreis und vom Vete­ri­när­amt im Gegen­zug finan­zi­el­le Unter­stüt­zung: „Die Ver­ei­ne stan­den der Behör­de schnell und unkom­pli­ziert zur Sei­te, haben eine unglaub­li­che Zahl von Tie­ren abge­holt, um sie in ihren Tier­hei­men und Pfle­ge­stel­len zu ver­sor­gen. Jetzt dür­fen sie mit die­ser Mam­mut­auf­ga­be nicht im Regen ste­hen gelas­sen wer­den.“

Für die Ver­ei­ne bedeu­te eine so gro­ße Zahl an Tie­ren eine enor­me Belas­tung. Allein die vom Tier­schutz­ver­ein Schram­berg auf einen Schlag auf­ge­nom­me­nen über 90 Tie­re ent­sprä­chen der Men­ge, die der Ver­ein nor­ma­ler­wei­se im Lau­fe eines gan­ze Jah­res zu ver­sor­gen habe. Für die Zie­gen und Scha­fe wur­de am Para­dies­hof, dem ver­eins­ei­ge­nen Tier­heim, auf die Schnel­le eigens ein Stall mit Aus­lauf her­ge­rich­tet.

Um alle Tie­re zu ver­sor­gen, schie­ben sowohl Frei­wil­li­ge, als auch das Per­so­nal in den Tier­hei­men, Son­der­schich­ten. So gut wie alle Tie­re tra­gen Spu­ren der mise­ra­blen Tier­hal­tung davon und müs­sen tier­ärzt­lich ver­sorgt und wie­der gesund­ge­pflegt wer­den. Eini­ge haben die Stra­pa­zen der Akti­on nicht über­lebt. Die übri­gen Tie­re könn­ten wohl eine Wei­le die Auf­nah­me­ka­pa­zi­tä­ten der Tier­schutz­ver­ei­ne blo­ckie­ren, wodurch die­se nicht mehr hand­lungs­fä­hig wären, bei der Auf­nah­me von Fund­tie­ren und bei wei­te­ren Not­fäl­len.

Auch des­halb hat Di Simio, eben­falls zwei­ter Vor­sit­zen­der des Lan­des­tier­schutz­ver­ban­des, den Kon­takt zu ande­ren Tier­hei­men im Land ver­mit­telt, die sich sofort bereit erklärt haben, Tie­re auf­zu­neh­men und so die erst­auf­neh­men­den Ver­ei­ne zu ent­las­ten: “Wich­tig ist es nun, die Last auf meh­re­re Schul­tern zu ver­tei­len.“

Zur gro­ßen Last wer­den auch die finan­zi­el­len Fol­gen der Tier­un­ter­brin­gung. Die Ver­ei­ne haben unvor­her­ge­se­he­ne, zusätz­li­che Kos­ten für Tier­ärz­te, Fut­ter und Per­so­nal zu stem­men, für die eigent­lich das Vete­ri­när­amt, als voll­zie­hen­de Behör­de auf­kom­men müss­te. Doch Di Simio ist skep­tisch: „seit eini­gen Jah­ren pran­gern wir die Pra­xis des Vete­ri­när­am­tes im Kreis Rott­weil an, weg­ge­nom­me­ne Tie­re bei den Tier­schutz­ver­ei­nen abzu­la­den und dann die­se auf den Kos­ten sit­zen zu las­sen.“ Bei einem Fall in der aktu­el­len Grö­ßen­ord­nung, kön­ne manch ein klei­ne­rer Ver­ein, der in bes­ter Absicht gehol­fen habe, in erheb­li­che finan­zi­el­le Schief­la­ge gera­ten.

Di Simio for­dert des­halb, allen Ver­ei­nen die Kos­ten, die durch die Tie­re aus der Beschlag­nah­mung ent­stan­den sind, zu erset­zen, auch für zukünf­ti­ge Fäl­le. Der Land­kreis müs­se dem Vete­ri­när­amt für Tier­weg­nah­men und Ver­wah­run­gen auf­grund einer behörd­li­chen Anord­nung aus­rei­chen­de Mit­tel bereit­stel­len, um die Tier­schutz­ver­ei­ne zu ent­schä­di­gen. „Von jedem Tier­hal­ter erwar­ten wir, dass er sei­ne Tier­hal­ter­pflich­ten wahr­nimmt. Von einer Behör­de erwar­ten wir das erst recht. Die Tier­schutz­ver­ei­ne dür­fen nicht immer wie­der zum Aus­put­zer für behörd­li­ches Ver­sa­gen wer­den.“

Auf­ggrund die­ser Pres­se­mit­tei­lung hat die NRWZ das Land­rats­amt um eine Stel­lung­nah­me gebe­ten, die wir hier im Wort­laut wie­der­ge­ben:

Wir ste­hen in engem Kon­takt zu allen Tier­schutz­ver­ei­nen und Pfle­ge­stel­len und ver­su­chen die best­mög­li­che Lösung für die Betei­li­gen zu fin­den – ins­be­son­de­re für die Tie­re.

Die­ses Mam­mut­pro­jekt zu stem­men stellt für alle Betei­lig­ten eine Her­aus­for­de­rung dar. Das Aus­maß die­ses Fal­les war im Vor­feld so nicht zu erah­nen. Die gesam­te Beschlag­nah­me­ak­ti­on dau­er­te ins­ge­samt drei Tage. Eine Men­ge Nach­ar­beit kommt noch auf uns und alle Fall­be­tei­lig­ten zu. Des­halb sind wir beson­ders froh, dass die Ver­sor­gung und Unter­brin­gung der Tie­re so schnell und unbü­ro­kra­tisch funk­tio­niert hat. Nicht nur die Tier­schutz­ver­ei­ne, auch Pri­vat­per­so­nen und Mit­ar­bei­ter des Vete­ri­när- und Ver­brau­cher­schutz­am­tes haben Tie­re in ihre Obhut genom­men.

Dabei sind teil­wei­se erheb­li­che Kos­ten ent­stan­den. Die­se wer­den selbst­ver­ständ­lich über­nom­men. Dies wur­de so auch mit den Betei­lig­ten kom­mu­ni­ziert.

Daher ist es beson­ders bedau­er­lich, dass laut Bericht­erstat­tung die gute Zusam­men­ar­beit  zwi­schen der Behör­de und den Tier­schutz­ver­ei­nen jetzt in Fra­ge gestellt wird.

Ein Fall die­ser Grö­ßen­ord­nung for­dert gro­ßes Enga­ge­ment, Zusam­men­ar­beit, Kraft und Auf­op­fe­rungs­be­reit­schaft aller Betei­lig­ten. Wir sind froh, dass es den Tie­ren den Umstän­den ent­spre­chend gut geht.”