Gegenwind aus Gosheim

Gewerbesteuerdiskussion beeinflusst Standortentwicklung der Hermle AG in Zimmern

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Mischt sich von Gosheim aus ein: die Hermle AG. Foto: pm

Uner­war­te­ter Gegen­wind aus Gos­heim: Der Maschi­nen­bau­er Bert­hold Herm­le ver­mel­det am Mit­tag, die Gewer­be­steu­er­dis­kus­si­on um das Inkom beein­flus­se sei­ne Stand­ort­ent­wick­lung in Zim­mern. Hin­ter­grund ist ein Wunsch dern Stadt Rott­weil., künf­tig mehr vom Inkom-Kuchen haben und zugleich den Gewer­be­steu­er­satz aufs städ­ti­sche Niveau anhe­ben zu wol­len. Zugleich will Rott­weil auch mehr von den lau­fen­den Kos­ten über­neh­men.

Die Maschi­nen­fa­brik Herm­le AG, eines der erfolg­reichs­ten Unter­neh­men in Baden-Würt­tem­berg, hat bei ihrer Expan­si­on auf einen zwei­ten Stand­ort neben dem Stamm­sitz Gos­heim gesetzt: Zim­mern. Das dor­ti­ge Gewer­be­ge­biet Inkom. Mit vier Hekt­ar, das ent­spricht etwa der Grö­ße von sechs Sport­plät­zen, war Herm­le die bis­her größ­te Ansied­lung im Inter­kom­mu­na­len Gewer­be­ge­biet.

Doch jetzt kommt Sand ins gut geöl­te Metall­bau­er­ge­trie­be. Die inzwi­schen öffent­lich geführ­te Dis­kus­si­on um die künf­ti­ge Gewer­be­steu­er für die Inkom-Unter­neh­men lässt die Gos­hei­mer offen­bar auf­mer­ken. Sie mel­de­ten sich am Mon­tag zu Wort, kurz bevor der Zim­mer­ner Gemein­de­rat am Diens­tag und der Rott­wei­ler am Mitt­woch über das The­ma bera­ten wird.

Die Rott­wei­ler wol­len jeden­falls mehr. Sie wol­len sich den Inkom-Ver­bands­vor­sitz jetzt mit Zim­mern tei­len, bis­lang lag der immer beim dor­ti­gen Bür­ger­meis­ter. Ein ers­ter Ver­such, nach dem Abgang des Bür­ger­meis­ters Emil Maser, mehr Macht zu bekom­men. Außer­dem wol­len die Rott­wei­ler mehr vom Gewer­be­steu­er­ku­chen, künf­tig 60 statt 50 Pro­zent. Und sie wol­len eine Anhe­bung des Gewer­be­steu­er­he­be­sat­zes von 340 auf 370 Pro­zent­punk­te.

Das, die Anhe­bung um rund zehn Pro­zent ist für die Herm­le AG aus Gos­heim nun nach Unter­neh­mens­an­ga­ben der Knack­punkt. „Die Dis­kus­si­on über eine geplan­te Erhö­hung des Gewer­be­steu­er­he­be­sat­zes in Zim­mern ob Rott­weil könn­te mög­li­cher­wei­se künf­ti­ge Inves­ti­tio­nen der Maschi­nen­fa­brik Bert­hold Herm­le AG beein­flus­sen”, heißt es in einer am Mon­tag ver­schick­ten Pres­se­mit­tei­lung. Eine kla­re Ein­fluss­nah­me.

Der Werk­zeug­ma­schi­nen­her­stel­ler mit Sitz in Gos­heim betreibt in Zim­mern seit 2017 eine nach eige­nen Anga­ben hoch­mo­der­ne Pro­duk­ti­on für Maschi­nen­grund­ge­stel­le. „Ein höhe­rer Steu­er­satz wür­de die Wirt­schaft­lich­keit des Stand­orts für Herm­le und damit auch die Attrak­ti­vi­tät wei­te­rer Inves­ti­tio­nen beein­träch­ti­gen”, macht der Maschi­nen­bau­er nun Poli­tik.

Aktu­ell anste­hen­de Ent­schei­dun­gen über zusätz­li­che Inves­ti­tio­nen auf dem ins­ge­samt etwa vier Hekt­ar gro­ßen Grund­stück des Unter­neh­mens in Zim­mern wür­den nun infra­ge gestellt, heißt es wei­ter.

Auf­grund der aktu­el­len Dis­kus­si­on habe der Auf­sichts­rat der Herm­le AG das The­ma Stand­ort­ent­wick­lung in Zim­mern außer­plan­mä­ßig auf die Tages­ord­nung der für kom­men­den Mitt­woch anbe­raum­ten Auf­sichts­rats­sit­zung gesetzt.
 
Die Maschi­nen­fa­brik Bert­hold Herm­le AG zählt nach eige­nen Anga­ben zu den welt­weit füh­ren­den Her­stel­lern von Fräs­ma­schi­nen und Bear­bei­tungs­zen­tren. Herm­le-Werk­zeug­ma­schi­nen kämen in High­tech-Bran­chen wie dem Werk­zeug- und For­men­bau, der Medi­zin­tech­nik, opti­schen Indus­trie, Ener­gie­tech­nik, Luft­fahrt-, Auto­mo­bil- und Motor­sport­in­dust-rie sowie bei deren Zulie­fe­rern zum Ein­satz. Herm­le-Akti­en wer­den im Regu­lier­ten Markt der Bör­sen Stutt­gart und Frank­furt am Main gehan­delt.

Pro­test­pla­kat aus Zim­mern.

In Zim­mern wächst zugleich der Wider­stand gegen die Ver­su­che aus Rott­weil, mehr Ein­fluss aus­zu­üben und mehr Gewer­be­steu­er abzu­schöp­fen. Ein Bür­ger hat schon ein Pla­kat gefer­tigt, das er ab mor­gen in der Rat­haus­stra­ße auf­stel­len will. Es soll aus­sa­gen, man habe schon Die­ter E. Albrecht als Bür­ger­meis­ter­kan­di­dat über­stan­den, der bekannt­lich Zim­mern hat­te nach Rott­weil ein­ge­mein­den wol­len, zudem Rott­weils OB Ralf Broß. Nun sei es an der aktu­el­len Bür­ger­meis­te­rin, Car­men Merz, ihrem Amts­kol­le­gen aus der gro­ßen Kreis­stadt die Stirn zu bie­ten. Unver­hoh­len wird ihr auch ange­droht, ein­fach gestri­chen zu wer­den.

Klei­nes Gegen­ar­gu­ment, aller­dings: Ohne die Mit­hil­fe Rott­weils könn­te das Inkom nicht wei­ter wach­sen, wür­de das Regie­rungs­prä­si­di­um kei­ne wei­te­re Aus­deh­nung erlau­ben. Und am Ende könn­te Zim­mern natür­lich eben­falls von stei­gen­den Gewer­be­steu­er- und zugleich gerin­ge­ren Unter­hal­tungs­kos­ten pro­fi­tie­ren.