Das jüngste Projekt des Unternehmens: zwei Neubauten in der Zimmerner Ortsmitte. Foto: gg

Thier­in­ger Wohn­bau, ein Immo­bi­li­en-Unter­neh­men mit Sitz in Zim­mern, ist zah­lungs­un­fä­hig. Ende August ist der Insol­venz­an­trag öffent­lich bekannt gemacht wor­den. Offen­bar hat eine noch nicht ver­kauf­te Gewer­be­ein­heit dem Unter­neh­men das Genick gebro­chen.

Zum Insol­venz­ver­wal­ter wur­de der Stutt­gar­ter Rechts­an­walt Dr. Axel Kulas bestellt. Er gehört nach eige­ner Aus­sa­ge zu den meist­be­stell­ten Insol­venz­ver­wal­tern Baden-Würt­tem­bergs.

Ich habe in den letz­ten zehn Tagen mit Hoch­druck an dem Fall gear­bei­tet”, sagt Kulas im Gespräch mit der NRWZ. Die Thier­in­ger Wohn­bau, in Zim­mern Trä­ger je eines Pro­jekts in der Zim­mer­ner und in der Chem­nit­zer Stra­ße, habe „schö­ne, schi­cke, gut geplan­te Gebäu­de” errich­ten las­sen, so der Anwalt. Und sie habe die­se „glück­li­cher­wei­se weit vor­an gebracht”, ergänzt er.

Bau ist stehen geblieben”

Das bedeu­te, dass mit rela­tiv über­schau­ba­rem Auf­wand die vor­han­de­nen Bau­ten fer­tig­ge­stellt wer­den könn­ten. Sie befin­den sich aktu­ell im Roh­bau­zu­stand.

Der Bau ist zum Teil ste­hen geblie­ben”, bestä­tigt Insol­venz­ver­wal­ter Kulas. Seit April sei nichts mehr gegan­gen, die Bau­hand­wer­ker sei­en auf ande­re Bau­stel­len gegan­gen. „Wir müs­sen die Hand­wer­ker erneut ter­mi­nie­ren, müs­sen wie­der Zug in das Pro­jekt rein­brin­gen.”

Verhandlungen mit Handwerkern und Käufern

Kulas zeigt sich nach Sich­tung der Unter­la­gen und ers­ten Gesprä­chen mit den betei­lig­ten Kre­dit­in­sti­tu­ten, Hand­wer­kern und auch Käu­fern von noch nicht fer­tig­ge­stell­ten Wohn­ein­hei­ten sehr zuver­sicht­lich, das Pro­jekt zu Ende brin­gen zu kön­nen. Es kön­ne aber sein, dass die Käu­fer Geld nach­schie­ßen müss­ten.

Wie viel, das sei unklar. Es kön­ne sein, dass es sich nach­tei­lig aus­wir­ken kön­ne, dass die bereits beschäf­tig­ten Hand­wer­ker nun erneut enga­giert wer­den müss­ten, falls es zu Preis­än­de­run­gen kommt. „Das wird mehr kos­ten”, pro­phe­zei­te der Anwalt. Er ergänzt, dass er auch mit den Hand­wer­kern spre­chen wol­le. Und sagt: „Wir sind an vie­len Ecken sehr weit gekom­men.” Sein Büro wol­le die Käu­fer bis Ende Sep­tem­ber unter­rich­tet haben und eine gemein­sa­me Ver­an­stal­tung anbie­ten, in deren Rah­men dann alle nöti­gen Infor­ma­tio­nen flie­ßen sol­len.

Der Insol­venz­ver­wal­ter wirbt für sei­ne Posi­ti­on, er kön­ne den Käu­fern näm­lich Sicher­heit bie­ten: „Das Geld, das sie jetzt noch rein­ste­cken, lan­det zu hun­dert Pro­zent in der Immo­bi­lie.” Es sei zudem aus sei­ner Sicht mut­maß­lich leich­ter, den Bau wie geplant zen­tral gesteu­ert fer­tig zu stel­len, als dass nun jeder Woh­nungs­käu­fer die letz­ten Schrit­te selbst plant, selbst mit den noch nöti­gen Hand­wer­kern ver­han­delt.

Geschäftsführer ist krank

Thier­in­ger Wohn­bau hat­te zuletzt ein pro­mi­nent plat­zier­tes Gebäu­de in der Orts­mit­te von Zim­mern erstellt. Das Unter­neh­men selbst und sein Geschäfts­füh­rer waren nicht erreich­bar. Eine Mit­ar­bei­te­rin erklär­te am Mon­tag, Rei­ner Thier­in­ger sei krank. Laut Eigen­dar­stel­lung sind die Wohn­ein­hei­ten in der Haupt­stra­ße ver­kauft. Büro­ein­hei­ten sei­en nach Abspra­che ver­füg­bar.

Das bestä­tigt Insol­venz­ver­wal­ter Dr. Kulas. Die Woh­nun­gen sei­en ver­kauft und bezahlt. Daher habe die Thier­in­ger Wohn­bau den Bau bereits vor­an getrie­ben. Etwas zu vor­ei­lig, wie sich dann her­aus­ge­stellt hat – der vor­ge­se­he­ne Inves­tor für eine Gewer­be­ein­heit sei lei­der abge­sprun­gen. Er habe nicht mehr kau­fen, nur mie­ten wol­len.

Nichtverkaufte Einheit konnte nicht vorfinanziert werden

Das habe Thier­in­ger das Genick gebro­chen. Das ein­ge­plan­te Geld für die Gewer­be­ein­heit floss nicht wie erhofft, die Zah­lungs­un­fä­hig­keit war da. Nicht­ver­kauf­te Ein­hei­ten müss­ten vor­fi­nan­ziert wer­den. Dafür habe das vor­han­de­ne Geld aber nicht mehr gereicht. Geschäfts­füh­rer Thier­in­ger habe dann, so Kulas wei­ter, rich­tig gehan­delt und selbst die Insol­venz bean­tragt. Der Rechts­an­walt erklärt, der tat­säch­lich erkrank­te Thier­in­ger wür­de ihn bei sei­ner Arbeit nach Kräf­ten unter­stüt­zen, auch die Fami­lie brin­ge sich ent­spre­chend ein.

Dr. Kulas: „Den BER würde ich nicht fertigbauen”

Alle, mit denen er gespro­chen habe, hoff­ten nun, „dass wir wei­ter machen”, so Kulas. Archi­tekt und Bau­lei­ter sei­en eben­falls zuver­sicht­lich dass es klap­pen kön­ne. „Der gan­ze Fall ist inzwi­schen über­schau­bar”, so Kulas, der ergänzt: „Den BER wür­de ich nicht fer­tig­bau­en.”