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Nach Denkingens Ausstieg: Nachhaltigkeits-Gemeinden reagieren überrascht und verwundert

Denkingen hat den Austritt aus der Nachhaltigkeitsregion beschlossen, die es bislang mit Aldingen, Deißlingen, Frittlingen und Wellendingen bildet. Ab 2027 möchte die Gemeinde dem Verbund nicht mehr angehören. Es handelt sich laut einer Pressemitteilung um eine Sparmaßnahme. Auf die zunächst von der NRWZ verbreiteten Meldung reagieren die Bürgermeister der verbliebenen Gemeinden überrascht. Sie haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht.

Der Gemeinderat Denkingen hat am 9. Oktober in öffentlicher Sitzung mit deutlicher Mehrheit den Austritt aus der „N! Region Fünf G“ beschlossen. Das geht aus einer Pressemitteilung aus dem Denkinger Rathaus hervor. Der Austritt werde gemäß Gesellschaftsvertrag zum 1. Januar 2027 erfolgen.

Auf diese Mitteilung reagieren die verbliebenen vier Gemeinden der Nachhaltigkeitsregion überrascht. In einer am Mittwochmorgen von Frank Nann, dem Geschäftsführer der N!-Region 5 G und früherer Hauptamtsleiter in Denkingen, versandten Mitteilung zeigen sich die Bürgermeister verwundert. Und zwar vom gewählten Zeitpunkt, da doch in dieser Woche die Abschlussveranstaltung der gemeinsam erstellten Biotopverbundplanung auf der Agenda steht. Für November war die Vorstellung des fortgeschriebenen Nachhaltigkeitsplans geplant. Und mitten in die eigentlich positive Entwicklung platzt der Denkinger Ausstieg aus dem Verbund.

Außerdem fühlt man sich ausgeschlossen. So hätten es die Bürgermeister Thomas Albrecht (Wellendingen), Dominic Butz (Frittlingen), Ralf Ulbrich (Deißlingen) und Ralf Sulzmann (Aldingen) nach eigenen Angaben begrüßt, wenn sie durch ihren Denkinger Amtskollegen Fabian Biselli in die Sitzung dessen gemeinderats am vergangenen Donnerstag eingebunden gewesen wären. „Gerne hätten wir als Kollegen nochmals explizit für die Nachhaltigkeitsregion geworben und die gemeinsamen Termine in den nächsten Wochen mit unseren Gemeinderäten für den Dialog genutzt“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der vier verbliebenen Verbund-Bürgermeister.

Hintergrund der Entscheidung in Denkingen seien vor allem Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung, also der Kostenersparnis, hieß es aus dem dortigen Rathaus. „In Zeiten knapper werdender öffentlicher Mittel ist es aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit unsere Pflicht, unsere Dienstleistungen auf den Prüfstand zu stellen. Dazu zählen vor allen Dingen diejenigen, die wir freiwillig erbringen“, teilte Denkingens Bürgermeister Fabian Biselli mit. Das sei man den Steuerzahlern schuldig. „Auch wenn uns dieser Schritt alles andere als leicht fällt, sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass nahezu alle Maßnahmen und Projekte der N! Region, die so auch in ihrem Nachhaltigkeitsbericht vorgestellt werden, alleine, interkommunal oder über die Verwaltungsgemeinschaft Spaichingen ermöglicht werden können“, so der Bürgermeister. 

„Dass der Gemeinderat Denkingen mehrheitlich entschieden hat, aus finanziellen Gründen aus der N!-Region auszutreten, bedauern wir sehr“, antworten darauf Albrecht, Butz, Ulbrich und Sulzmann. „Auch unsere kommunalen Haushalte sind stark unter Druck. Daher haben wir Verständnis dafür, dass deswegen freiwillige Aufgaben auf den Prüfstand kommen“, ergänzen sie. Doch dürfe Nachhaltigkeit keine Frage der Kassenlage sein. „Sie lebt von der langfristigen Ausrichtung, was die N!-Region in den bisherigen zehn Jahren Ihres Bestehens deutlich gemacht hat“. In Zeiten knapper Kassen und der weltpolitisch kritischen Lage sei es wichtig, „über den eigenen Kirchturm hinauszublicken und die interkommunale Kooperation zu suchen“, schreiben die vier ihrem scheidenden Denkinger Kollegen ins Stammbuch. „Nur so sind wichtige Synergieeffekte bei verschiedensten Themen – gerade im Energie- und Klimaschutz – zu realisieren.“

In ihrem offenen Brief, der am Mittwochmorgen versandt wurde, werben Albrecht & Co. um neue Interessenten: „Nach wie vor sind wir als Region offen für weitere Gemeinden als Partner. Diese haben wir bei der gemeinsamen Biotopverbundplanung sehr gut demonstriert. So waren die Stadt Spaichingen sowie die Gemeinden Balgheim, Dürbheim, Hausen ob Verena, Mahlstetten für eine begrenzte Projektlaufzeit zum Verbund hinzugekommen, um sich der Thematik gemeinsam zu stellen.

Eines der größten N!-Projekte der vergangenen Jahre war die Biotopverbundplanung, deren Abschlussbericht am 17. Oktober 2025 im Dorfgemeinschaftshaus Frittlingen im Rahmen einer Abschlussveranstaltung vorgestellt werden soll. Mit Beginn der Biotopverbundplanung, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen vernetzen soll, um die biologische Vielfalt zu erhalten, haben sich die Gemeinden Balgheim, Dürbheim, Hausen o. V., Mahlstetten sowie die Stadt Spaichingen angeschlossen, das Projekt über die N!-Region mitzutragen und mitzufinanzieren.

Im Vorfeld des nun erfolgten Ausstiegsbeschlusses des Gemeinderats Denkingen haben die Stadt Spaichingen sowie die Gemeinde Dürbheim bereits eine öffentliche Erklärung abgegeben, dass sie mit Wirkung vom 1. Januar 2026 als erweiterte Mitglieder aus der N!-Region ausscheiden werden, ebenfalls vor allen Dingen aus Gründen der Haushaltskonsolidierung. 

„Neben knappen finanziellen Ressourcen, sind wir auch personell am Rande unserer Leistungsfähigkeit“, fügt Deningens Bürgermeister Biselli als Begründung mit an. „Mit der Erweiterung der Grundschule, dem Anbau an die Krippe Villa Sonnenschein, der geplanten Sanierung und barrierefreien Umgestaltung des Rathauses sowie der Modernisierung des katholischen Kindergartens St. Paul haben wir bereits jetzt und in den kommenden Jahre zahlreiche Vorhaben, die unsere ganze Kraft erfordern werden.“ Er dankt den beteiligten Gemeinden – vor allem allen engagierten haupt- und ehrenamtlichen Akteuren – für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, so Biselli, der dem auseinanderbrechenden Verbund „weiterhin viel Erfolg und alles Gute“ wünscht.

Der landkreisübergreifende Verbund nachhaltiger Kommunen, zu denen neben der Gemeinde Denkingen Aldingen, Deißlingen, Frittlingen und Wellendingen gehören, feierte im Jahr 2025 sein zehnjähriges Bestehen. 

Mehr zur bislang aus fünf Gemeinden bestehenden Nachhaltigkeitsregion unter www.n-region-5g.de




NRWZ-Redaktion

Unter dem Label NRWZ-Redaktion beziehungsweise NRWZ-Redaktion Schramberg veröffentlichen wir Beiträge aus der Feder eines der Redakteure der NRWZ. Sie sind von allgemeiner, nachrichtlicher Natur und keine Autorenbeiträge im eigentlichen Sinne.Die Redaktion erreichen Sie unter redaktion@NRWZ.de beziehungsweise schramberg@NRWZ.de
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