Bei der Fasnet geht’s ums große Ganze, es geht aber auch um die Details. Eines dieser Details sind die Sprungbändel. Es lohnt sich, einen – wenn auch nicht allzu ernsten – Blick auf sie zu werfen. Denn sie erzählen eine ganz eigene Geschichte.
Meist ist es die, dass das Narrenkleidle, welches sie am Kopfteil trägt, an einem Narrensprung im auf dem Bändel aufgedruckten Jahr teilgenommen hat. Oje, sagen wir lieber: D’Stadt nab g’jukt isch. Wobei es der Begriff „Jucken“ bekanntlich mal mehr, mal weniger trifft. Was wiederum nur manche juckt, andere weniger.
Aber zurück zum Bändel. Der zeigt über die reine Teilnahme hinaus zunächst einmal, dass alles seine Ordnung hat. Dass ein registriertes Narrenkleidle den von der Narrenzunft dekretierten Regeln entsprechend zum Sprung zugelassen wurde. Nachdem entsprechender Beitrags-Zahlung an die Zunft. Und nachdem die Beschränkungen gemeistert wurden, die die Fasnet ja zunehmend prägen.

Neudeutsch ist bei den Entscheidungswegen, wer mitmachen darf und wer nicht, von Management die Rede. Oder auch von Ticketing – strukturierter Verwaltung von Kundenwünschen. Früher sprach man, wenn es um das Sortierten, Reinwinken und Raushalten ging, etwas griffiger von Privilegien.
Jedenfalls: Glücklich ist, wer einen hat – einen Sprungbändel. Dieser lässt auch auf Alter und Ehrwürdigkeit des jeweiligen Kleidles schließen. Vielleicht auch auf die Verbundenheit der Familie, die es besitzt, mit der Fasnet. Bändel als Jahresringe sozusagen, die zeigen, dass da etwas gewachsen ist. Allerdings kommt man auch im Internet an Bändel heran.
Vor allem sind die Bändel Spuren in die Geschichte hinein – die Geschichte der Fasnet und die allgemeine, in die das bunte Treiben eingebettet ist. Fasnet folgt eigenen Logiken, sie spiegelt aber immer auch Zeitumstände. Am stärksten in Erinnerung dürfte in dieser Hinsicht noch das Pandemie-Jahr 2021 sein, in dem die offizielle Fasnet ausfiel. Was die Altstädter Kabis-Zunft mit einem Sonder-Bändel dokumentierte.

Ähnlich 1991: Wenige Wochen, nachdem eine US-geführte Koalition den Irak angriff, der im Vorjahr seinerseits Kuwait an sich gerissen hatte, votierte die Narrenzunft gegen den Sprung. Eine Lücke in der Bändel-Abfolge wollte man damals freilich vermeiden – was tief in manchen Bändel-Büschen bis heute an einem Sonder-Druck abzulesen ist.
Vor 35 Jahren wurde der kriegsbedingte Ausfall kontrovers diskutiert. Nicht unwichtig war damals das Argument, dass man auch früher bereits auf Umstände mit Fasnetsausfall reagiert hatte – teils unfreiwillig, teils aber auch aus einer Haltung heraus.

Ein Bezugspunkt war bei den Überlegungen das Jahr 1923. Wenige Wochen vor der Fasnet hatten damals französische und belgische Truppen das gesamte Ruhrgebiet besetzt – worauf ein Generalstreik und scharfe Repressionen der Besatzer folgten.
Zur Gegenwehr, die auch Rottweil erfasste, gehörten Sammel- und Solidaritätsaktionen, die breite Unterstützung fanden. Unter dem Eindruck der dramatischen Situation fasste die Vorstandschaft der Narrenzunft den Beschluss, von „einer Veranstaltung der Narrensprünge“ abzusehen, wenn die Besatzung weiter andauere. Wenige Tage später stimmte dem auch Generalversammlung zu. Da sich die Lage in den besetzten Gebieten nicht entspannte, fiel die Straßenfasnet in Rottweil 1923 aus.

Auch in anderen Jahren mussten die Freunde der Fasnet verzichten – womöglich war den Menschen auch gar nicht nach Fasnet zumute, etwa während oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Meist jedoch – und davon zeugen die manchmal fast zu einer wilden Haarpracht erinnernden Bändel an älteren Kleidle – konnte man die Tradition pflegen und aus der Fasnet Freude schöpfen.



