In Schiltach braucht es keine großen Gipfel, um die Verkehrswende zu proben – ein kurzer Griff zur falschen Zapfpistole reicht. An einer Tankstelle im Städtle wurde im August ’25 aus ganz normalem Auftanken ein unfreiwilliges Reallabor für alternative Antriebe, inklusive Blaulicht-Finalisierung.
Die wahre Energiewende beginnt nicht im Bundestag, sondern an der Zapfsäule. Zumindest legt das jene Polizeimeldung nahe, in der jemand seiner Karre an der Tankstelle einen alternativen Kraftstoff gönnte, sagen wir: eher interpretativ als sachkundig. Danach war vieles möglich – nur eben kein normales Weiterfahren. Während Ministerien noch über synthetische Kraftstoffe beraten, wurde hier vor Ort kurzerhand der Praxistest gestartet: Was passiert, wenn man dem Auto etwas einfüllt, das eher in den Putzschrank als in den Tank gehört?
Jedenfalls: Ein Mann aus Spanien betankte im August sein Wohnmobil versehentlich mit Benzin statt Diesel, bemerkte den Fehler rechtzeitig, pumpte den falschen Sprit in Kanister und wollte ihn der Tankstelle zurückgeben. Dort winkte das Personal ab, es folgten hitzige Diskussionen, verschärft durch eine ordentliche Sprachbarriere. Die Polizei musste anrücken. Am Ende bezahlte der Mann den Kraftstoff, füllte ihn notdürftig in blaue Plastiktüten und zog mit seinem ganz persönlichen „Benzin-to-go“-Paket von dannen.
Die Szene an der Tankstelle muss ausgesehen haben wie ein schlecht geprobter Pilotversuch zur Mobilität der Zukunft. Erst Verwunderung („Des läuft it so richtig…“), dann ein Hauch Wissenschaft („Vielleicht braucht’s a bissle, bis des wirkt“), schließlich die Erkenntnis, dass der Motor eine andere Meinung hat. Das Ergebnis: Blaulicht statt Ladebalken, Einsatzprotokoll statt Studienbericht. Die wahre Innovation liegt dabei im Mut zur Lücke – in diesem Fall der Lücke zwischen Zapfsäule und Grundwissen.
Man könnte fast meinen, die Region wolle beweisen, dass man für Schlagzeilen zur Energiewende gar keine Konzerne brauche, sondern nur einen unaufmerksamen Moment und die falsche Pistole in der Hand. Während andernorts Reallabore eingerichtet werden, reicht hier ein kurzer Griff daneben, und schon erleben alle Beteiligten live, was „Systemversagen“ heißt. Immerhin: Emissionsfrei ist so ein liegengebliebenes Auto allemal.
Vielleicht ist das der eigentliche Masterplan: Wenn genug Leute falsch tanken, steht der Verkehr von allein. Keine Staus mehr, nur noch parkende Mahnmale fragwürdiger Zapfentscheidungen. Die Polizei schreibt Meldungen, die sich lesen wie Slapstick-Drehbücher, und wir dürfen lernen, dass die Verkehrswende manchmal genau da beginnt, wo der Blick von der Preisanzeige auf die Sortenbezeichnung rutschen sollte. Energiewende zum Mitmachen – Tankkarte nicht vergessen.



