Ein NRWZ-Fasnetsgutsle :-)

Unter diesem Titel veröffentlichen wir Beiträge zur Fasnet 2026.
Frei nach dem Motto: Niemand zu Leid, jedem zur Freud.

Wahlchaos im Ländle: Kleinstparteien zwischen Hochturm und Fünf Tälern

Ein NRWZ-Fasnetsgutsle.

In Rottweils historischer Innenstadt, irgendwo zwischen Hochbrücke und Münster, gründet sich gerade die „Partei zum Schutz der Pflastersteine (PSP)“. Ihr Programm: Tempo 5 in der Innenstadt, Stöckelschuhverbot auf dem Kopfsteinpflaster und eine „Laufsteuer“ für auswärtige Touristen, die mehr als dreimal täglich stehen bleiben, um Fotos zu machen. Ortsverbandssitz ist natürlich dort, wo es am meisten holpert.

Am Nägelesgraben formiert sich der Jugendableger, die „Generation Parkhaus“. Sie fordert das bedingungslose Dauerparkrecht im Parkhaus umsonst – aber nur für Leute, die „wirklich wichtig“ sind. Also für sie selbst.

In Göllsdorf und Hausen ob Rottweil tritt die „Schwarzwald-Panoramafront (SPF)“ an, deren einziges Ziel es ist, jeden neuen Baukran sofort per Bürgerentscheid wieder abzuwählen, sofern er die Sicht auf den Albtrauf stört. Wer für die Partei kandidieren will, muss mindestens 50 Handyfotos von Sonnenuntergängen über dem Neckartal vorweisen.

Zimmern ob Rottweil schickt die bereits berüchtigte „Alternative für alles (AfA)“ ins Rennen, die auf keinem Wahlplakat eine konkrete Forderung nennt. Stattdessen stehen dort nur Sätze wie: „Man wird ja wohl noch fragen dürfen?“ und „Kommt drauf an.“ Politische Inhalte sollen dann „im Gespräch vor dem Netto“ geklärt werden.

Im Neckartal, wo früher Industriewerke rauchten, steht die „Partei der sentimentalen Pendler (PSP2.0)“ in den Startlöchern: Sie will einen Rechtsanspruch auf nostalgische Erzählungen älterer Kollegen über „früher im Werk“ im Landesrecht verankern. Pflichtfach in allen Schulen: „Früher war mehr Schicht.“

Schramberg wäre nicht Schramberg ohne seine fünf Täler – und genauso zerklüftet präsentiert sich die neue Parteienlandschaft. In der Talstadt gründet sich die „Partei zur Entschleunigung der Talstadt (PET)“, die fordert, dass jede Ampel länger Rot zeigen muss, „damit die Leute endlich mal runterkommen“. Konsequent: Ihr Wahlkampfbus steht seit Wochen mit Warnblinker in der Fußgängerzone, weil „Hektik unsexy“ ist.

Auf Sulgen, oben auf der Hochebene, tritt die „Berg- und Tal-Ausgleichspartei (BETA)“ an. Sie will einen gesetzlich verankerten „Talstadt-Tag“ für alle Sulgener und einen „Sulgen-Tag“ für alle aus der Talstadt, damit sich endlich jeder mal in die Lebensrealität des anderen hineinfühlen muss. Wer den Berg hinunterläuft, bekommt eine Aufwandsentschädigung in Form von „Höhengeld“.

In Tennenbronn formiert sich die „Wald- und Wiesen-Wählerschaft (WWW)“, deren zentrales Anliegen darin besteht, jedes Gesetz erst nach Rücksprache mit dem örtlichen Rehbestand zu verabschieden. Abstimmungen finden bei Sonnenaufgang auf einer Lichtung statt, Stimmzettel sind aus recycelter Rinde.

Waldmössingen wiederum schickt die „Museums- und Dinosaurierunion (MDU)“ ins Rennen. Sie fordert, dass jede größere Landesentscheidung zuerst einem Gremium aus Fossilien vorgelegt wird, „weil die schon alles kommen und gehen gesehen haben“. Wer gegen die Partei argumentiert, bekommt die Antwort: „Wir sind halt besser versteinert als ihr.“

In Rottweil trommelt derweil der „Narrensprung Reformbund (NRB)“ für eine völlige Neuordnung des Wahlkalenders: Landtagswahl nur noch am Fasnetssonntag, Stimmzettel gibt es als Wurfzettel, und wer in vollem Häs wählen geht, bekommt zwei Kreuze – eins fürs Gewissen und eins fürs Kostüm.

Und irgendwo zwischen Deißlingen, Dietingen und Oberndorf entsteht gerade die „Regionalexpress-Partei Mitte (RPM)“, die nur ein Ziel hat: dass der Zug pünktlich ist, wenn der Abgeordnete mal mitfährt. In ihrem Grundsatzprogramm steht nur ein Satz: „Der Fahrplan ist das Grundgesetz der Pendler.“

Am Ende wird sich zeigen, welche dieser Kleinstparteien die Fünf-Prozent-Hürde verfehlt, dafür aber immerhin die Fünf-Leute-Stammtischhürde locker nimmt. Sicher ist nur: In den Wahlkabinen von Rottweil und Schramberg wird es so voll, dass selbst das Kreuzle überlegt, ob es nicht doch lieber Briefwahl machen soll.

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