Die Verwaltung plant, das ehemalige Gasthaus Ochsen in Deißlingens Ortsmitte abzureißen. Dagegen formiert sich Widerstand. Foto: Moni Marcel

Es ist ein mar­kan­tes Gebäu­de in Deiß­lin­gens Orts­mit­te, das ehe­ma­li­ge Gast­haus Och­sen, in dem heu­te das Kebap-Restau­rant Ori­ent unter­ge­bracht ist. Nicht ganz typisch mit sei­nem kan­ti­gen Gie­bel, der eher in die Regi­on um Hüfin­gen passt, aber ein Haus mit Geschich­te. Nun soll der Gemein­de­rat dar­über ent­schei­den, ob der Och­sen abge­ris­sen und gegen ein Ensem­ble aus drei Neu­bau­ten ersetzt wer­den soll.

Dage­gen for­miert sich seit der Ver­öf­fent­li­chung der Rats-Tages­ord­nung im ört­li­chen Anzei­ger teils sehr krea­ti­ver Wider­stand. Unter ande­rem macht ein Gedicht die Run­de, hier ein Aus­zug dar­aus:

I bi nit nu oafach a Haus
nei, I mach iser Oart doch aus,
wenn I gau moß, guckad na,
geit´s a Loch, wo nea­m­ad flicka kah.
Wor­um moß I gau, kahs it ver­stau?
Hau ni äbber äbbis dau?
In ra Zeit wo mr schwätzt über´s inte­grie­ra
will mr mich, da Orts­kearn, rui­nie­ra?
Da Ori­ent im Och­s­as­ti­b­li bes­tens inte­griert,
des woaß I weil´s schmeckt und weil mr´s spiart.
Für „Alt“ und „Jung“ scho läng­schd äbbs wert,
Schnit­zel meets Kebap, des isch it ver­kehrt!“

Eben­so kur­siert eine alte Auf­nah­me des Gebäu­des, auf der zu lesen steht: „An Ochs isch an Haga, dem das wich­tigs­te Bau­teil schon ent­nom­men wur­de. Das ist Stra­fe genug, des­halb bit­te ste­hen las­sen!“

Meh­re­re Gemein­de­rä­te haben bereits ange­kün­digt, gegen den Abriss zu stim­men, den die Ver­wal­tung vor­ge­schla­gen hat. Die­se sagt: Nach ein­ge­hen­den Unter­su­chun­gen habe man fest­ge­stellt, dass eine Sanie­rung des Gebäu­des sich nicht rech­ne. Bereits im Vor­jahr habe man Kon­takt mit einem mög­li­chen Inves­tor auf­ge­nom­men, schreibt Bür­ger­meis­ter Ralf Ulb­rich in der Sit­zungs­vor­la­ge. Ziel sei die Schaf­fung von zusätz­li­chem Wohn­raum an attrak­ti­ver Stel­le in der Orts­mit­te. Doch hät­ten meh­re­re Bau­trä­ger und Archi­tek­ten bestä­tigt, dass eine wirt­schaft­lich ver­tret­ba­re und städ­te­bau­lich attrak­ti­ve Lösung nur durch kom­plet­ten Rück­bau und Neu­be­bau­ung erfol­gen kön­ne.

So sieht das auch Tobi­as Vier­köt­ter von der SPD. „Wir haben das über Mona­te umfang­reich beleuch­tet. Ich habe gro­ßes Ver­ständ­nis für die Für­spre­cher des Erhalts, aber wir haben uns sehr sorg­fäl­tig mit allen denk­ba­ren Alter­na­ti­ven aus­ein­an­der­ge­setzt und Mei­nun­gen ein­ge­holt“, so der Gemein­de­rat. Der Abriss sei ja anfangs alles ande­re als der Plan gewe­sen, son­dern das Ergeb­nis eines Pro­zes­ses. Und nie­mand habe ein kon­kre­tes Kon­zept für eine Sanie­rung vor­ge­legt, das man zeit­nah durch­füh­ren könn­te. „Ins­ge­samt wird es die bes­te Lösung sein, hier zeit­ge­mä­ßen und bezahl­ba­ren Wohn­raum zu schaf­fen“, so Tobi­as Vier­köt­ter.

Hin­ge­gen schla­gen die Gedichts­ver­fas­ser vor: „Machad fri­days for future für´d Nach­hal­tig­keit und Zeisch­dig for Och­sa ihr lia­ba Leit.“ Also den Diens­tag für den Och­sen.