OneCoin-Sicherheitsschef Frank Schneider untergetaucht

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Der Luxemburger Ex-Geheimdienstler Frank Schneider ist spurlos verschwunden. Schneider war mehrere Jahre Ruja Ignatovas Mann für Sicherheitsfragen. Er soll der OneCoin-Gründerin die entscheidenden Tipps aus Sicherheitskreisen gegeben haben, sodass sie vor dem Zugriff der Behörden am 25. Oktober 2017 untergetaucht ist.

Schneider hatten die französischen Behörden in einer spektakulären Aktion vor gut zwei Jahren festgenommen, weil gegen ihn ein Haftbefehl der USA vorliegt.  Nach sieben Monaten in Auslieferungshaft entließen die französischen Behörden Schneider im Herbst 2021 in den Hausarrest. Dort in seinem Landhaus in Joudreville saß er mit einer elektronischen Fußfessel und wartete auf die Entscheidung der französischen Regierung zu seiner Auslieferung an die USA.

Frank Schneider in seinem Haus in Frankreich. Screenshot aus einem Video: him

Schneider der Insider: „Ich war der letzte, der mit Ruja sprach“

In seinem Haus gab Schneider bereitwillig Interviews und erzählte seine Geschichte. Auch für die ARTE/WDR-Produktion „Die Kryptoqueen“ stand er Rede und Antwort.

So erzählte der Ex-Geheimdienstler, er habe mit Ruja Ignatova in der Nacht des 25. Oktober noch in Thessaloniki telefoniert. Sie habe ihm erzählt, sie werde von Männern über die Grüne Grenze zurück nach Bulgarien gebracht. Irgendwann in der Nacht habe Ignatova noch eine SMS an ihn geschickt: „Home safe“. Das sei ihr letztes Lebenszeichen gewesen. Schneider hat sich im Fernsehinterview gewundert, weil sie sonst immer auf Deutsch kommuniziert hätten.

Schneider hatte immer wieder an die Luxemburgischen Behörden appelliert, dass sie doch seine Auslieferung fordern und ihn in Luxemburg vor Gericht stellen sollten. In den USA drohten ihm 40 Jahre Haft, für einen Mann mit 53 Jahren sei das „ein Todesurteil“.  In Luxemburg käme r mit vier oder fünf Jahren davon. Aber in Luxemburg stießen seine Forderungen auf taube Ohren.

Seit dem 16. Mai verschwunden

Doch nun melden verschiedene Medien aus Luxemburg, dass Schneider abgetaucht sei. Und zwar schon seit mindestens dem 16. Mai, denn seither fahnden die Franzosen nach ihm, berichtet Radio 100,7. Als erstes hatte Guy Kaiser in seinem Blog am 26. Mai über Schneiders Flucht berichtet: „Gone with the wind“. Kaiser ist sicher, dass Schneider schon lange einen „Plan B“ hatte, falls die französische Regierung seiner Auslieferung an die USA zustimmen sollte. Diesen Plan B habe er nun umgesetzt.

Jean Claude Franck berichtet auf Radio 100,7, Schneiders Familie könne nicht sagen, wo Schneider sich aufhalte. Es sei nicht möglich, ihm eine Nachricht zu hinterlassen. Einer der Schneider-Anwälte, Pol Urbany, habe ihm gesagt, er wisse nicht, wo Schneider sei. Das Luxemburger Tageblatt schreibt, wähle man Schneiders Nummer in Frankreich, melde eine Stimme: „Die Gewählte Nummer existiert nicht.“ Seit vier Wochen seien in Luxemburg Gerüchte herumgegangen, dass Schneider abgetaucht sei.

Schneider hatte in mehreren Interviews immer wieder versichert, er werde nicht davonlaufen. Der BBC erklärte er im Dezember 2022: „Diese Schlacht ist noch nicht beendet.“

Wie Wahr: „Immer mal wieder steht jeder vor einzigartigen  Problemen und Herausforderungen, bei denen die Risiken hoch und traditionelles Denken und Handeln nicht weiter führen. Dafür wurde Sandstone gegründet.“ Werbeaussage der Sicherheitsfirma Sandstone, die Frank Schneider nach seinem ausscheiden aus dem Luxemburger Geheimdienst gründete – und die Ruja Ignatova für ihre OneCoin-Zwecke anheuerte. Screenshot: Melanie from Germany

Wer hat Schneider geholfen?

Die Staatsanwaltschaft in Nancy habe einen Haftbefehl erlassen, weil sich Schneider seiner elektronischen Fußfessel entledigt habe. Nach Schneiders Verschwinden schießen die Spekulationen ins Kraut: Wie kann Schneider trotz Fußfessel und strenger Überwachung spurlos verschwinden?

Ein luxemburgischer Insider meint laut Tageblatt, Schneider befinde sich „in den sicheren Händen eines anderen Justizapparats“. Es sei schwer vorstellbar, dass Schneider ohne Wissen der Franzosen sein Anwesen habe verlassen können. Vielleicht hätten ihn doch die Luxemburgischen Behörden heimgeholt. Insbesondere konservative Parteien hätten Schneider nahegestanden und seine Auslieferung an die USA verhindern wollen. Von seinem Haus in Nordfrankreich bis Luxemburg sind es gerade mal 30 Minuten Fahrtzeit.

Frank Schneider vor seinem Haus in Frankreich. Screenshot aus einem Video: him

Haben ihn die Amis umgedreht?

Eine andere Idee: Schneider hat sich, wie schon Konstantin Ignatov und Sebastian Greenwood doch noch auf einen Deal mit den US-Behörden eingelassen und sitzt inzwischen in den USA unter Hausarrest.  Weitere Vermutungen: Schneider könnte seine alten Geheimdienstkontakte nach Israel oder Großbritannien genutzt haben und hat dort Unterschlupf gefunden. Auf Behind MLM wird vermutet, Schneider könne sich nach Dubai abgesetzt haben. Die Vereinigten Emirate seien ein „sicherer Hafen“ für alle möglichen Kriminellen.

Bereits am 15. Februar hatte die französische Ministerpräsidentin Elisabeth Borne den Beschluss für Schneiders Auslieferung an die USA unterschrieben. Seine letzte Chance bestand in einem Appell an den französischen Verfassungsrat gegen die Auslieferungsentscheidung der Regierung. Diese Entscheidung hat er nun nicht abgewartet.

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