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Rottweil
Samstag, 7. Dezember 2019
Start Kul­tur Tri­umph der lie­bens­wer­ten Lau­se­ben­gel

Triumph der liebenswerten Lausebengel

”Emil und die Detek­ti­ve” am Rott­wei­ler Zim­mer­thea­ter

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Als mit­rei­ßen­des Mut­­mach-Stück setzt das Rott­wei­ler Zim­mer­thea­ter Erich Käst­ners Kin­­der­buch-Klas­­si­ker ”Emil und die Detek­ti­ve” in Sze­ne. Gute Lau­ne ist bei der sprit­zi­gen Insze­nie­rung mit viel Musik, die am Sonn­tag Pre­mie­re hat­te, garan­tiert.

Eigent­lich ist Emil am Anfang schon am Ende: Er fährt zum ers­ten Mal nach Ber­lin, im Jacket Geld­schei­ne für sei­nen Groß­va­ter, der jeden Pfen­nig zwei­mal umdre­hen muss. Aber im Zug beklaut ihn der Fies­ling Grund­eis.

Emil frei­lich lässt sich nicht unter­krie­gen. Sein Kampf­geist ist geweckt, auf­ge­ben kommt nicht in die Tüte. Zum Glück fin­det er rasch Mit­strei­ter, die sich mit ihm in eine wil­de Ver­fol­gungs­jagd stür­zen, quer durch Ber­lin, immer hin­ter dem Böse­wicht her.

Das Team des Zim­mer­thea­ters voll­bringt in der Pro­duk­ti­on wah­re Wun­der. Zum einen, indem es den Groß­­stadt-Figu­­ren der Zwan­zi­ger­jah­re pfif­fig Prä­senz ver­leiht. Zum andern, indem fünf rea­le Per­so­nen durch flot­te Wech­sel 14 Roman­fi­gu­ren auf die Büh­ne zau­bern – da sage noch einer, hier wer­de nicht mus­ter­gül­tig gewirt­schaf­tet!

Lukas Kient­z­ler etwa stackst als Emils Groß­va­ter über die Büh­ne, gibt aber auch einen Rei­sen­den, einen Wacht­meis­ter und vor allem den tat­kräf­ti­gen Gus­tav – einen Freund, wie man ihn sich nur wün­schen kann. Fran­ce­s­ca Men­ges schafft es, von Pony Hüt­chen bis zum Bank­kas­sie­rer gleich fünf Figu­ren je eige­nes Kolo­rit zu ver­lei­hen.

Nora Back­haus kann ihre Ener­gie auf Emils Mut­ter und die cle­ve­re ”Pro­fes­so­rin” im Ermit­t­­ler-Team bün­deln. Ähn­lich Frank Deesz, der sowohl dem ver­schla­ge­nen Grund­eis wie auch – welch hüb­scher Kon­trast – einem Wacht­meis­ter äußerst drah­tig und ver­schmitzt Kon­tur ver­leiht. Ein­zig Nora Kühn­lein kann sich ganz einer Gestalt wid­men, dem Titel­hel­den – und sie macht mit gro­ßer Fri­sche und sym­pa­thi­sche Wär­me aus Emil einen rund­um lie­bens­wer­ten Lau­se­ben­gel.

Das gut auf­ge­leg­te Ensem­ble bekommt von Peter Staats­mann etli­che Regie­im­pul­se, die Schwung und Charme des Abends befeu­ern – von flott cho­reo­gra­fier­ten Tanz­se­quen­zen bis zu Slow-Moti­on-Effe­k­­ten und pan­to­mi­mi­schem Kla­mauk, der die Kin­der im Publi­kum zu wah­ren Lach­sal­ven ver­an­lasst.

Ein Puls­ge­ber der Insze­nie­rung ist zudem die Musik, die Dorin Gram­ma
(Akkor­de­on) sehr wen­dig ein­bringt. Viel zur Atmo­sphä­re tagen dies­mal auch die Kos­tü­me bei, für die Bet­ti­na Schült­ke ver­ant­wort­lich zeich­net. Sie dürf­ten nicht nur Nos­t­al­gie-Fans erfreu­en – echt knor­ke!

Ins­ge­samt gelingt eine wun­der­bar leben­di­ge Pro­duk­ti­on für die gan­ze Fami­lie, die zeigt, was Freund­schaft und Soli­da­ri­tät Wert sin, die aber lei­der nur bis Ende Dezem­ber auf dem Spiel­plan steht.

Info: Wei­te­re Auf­füh­run­gen am 8. Dezem­ber, 16 Uhr. 15. Dezem­ber, 11 Uhr, 26.
Dezem­ber, 16 Uhr, 29. und 31. Dezem­ber, 16 Uhr. Die 30 Vor­stel­lun­gen für Schul­klas­sen sind bereits fast aus­ver­kauft. Wei­te­re Infos unter:
www.zimmertheater-rottweil.de.

 

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