Evangelische Kirche in Schramerg hat Kantor in Probezeit entlassen

Mitglieder Kantorei wollen ihn behalten

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Für Kantor Jan-Piet Knijff stand Anfang September 2025 die Kirchentür weit offen. Nun hat sie der Kirchengemeinderat zugeschlagen. Archiv-Foto: him

Schramberg. Sehr hoffnungsvoll hatte es mit dem neuen Kantor der evangelischen Kirchengemeinde in Schramberg begonnen. Jan-Piet Knijff kam Anfang September in die Stadt und hatte große Pläne. Doch jetzt hat ihm der Kirchengemeinderat den Stuhl vor die Türe gesetzt. Während der Probezeit ist das ohne Begründung möglich.

In der Kantorei und unter den Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern stößt die Entscheidung auf Unverständnis. „Es sei doch ‚wunderbar, dass er da ist‘“, sagt eine Kirchgängerin, die von der Nachricht überrascht wird. Sie könne es gar nicht glauben.

Die Mitglieder der Kantorei seien begeistert von seiner Art gewesen. Knijff habe mit seiner Musik und seinen Aktionen dafür gesorgt, dass deutlich mehr Menschen in die Kirche gekommen seien.

Über die Gründe ist wenig zu erfahren. Es ist von persönlichen Differenzen zwischen ihm und dem Kirchengemeinderat die Rede.

Kantorei ist entsetzt

Die Unruhe in der Kantorei ist groß. Der NRWZ liegen Stimmen etlicher Kantoreimitglieder vor und wir haben mit Sängerinnen und Sängern gesprochen. „Mit Entsetzen“ habe man von der Kündigung erfahren, eine andere Sängerin ist „einfach nur geschockt“. Der Chor stehe geschlossen hinter dem Kantor und werde für ihn kämpfen, versichert eine Sängerin. Knijff sei ein „Super-Chorleiter“ und ein „Hauptgewinn für die Kantorei“. Wenn Knijff gehen müsse, sei die evangelische Kirchengemeinde „praktisch tot“, bedauert ein Mitglied der Kantorei. Diese sei doch der letzte noch aktive Teil der Gemeinde.

Viele in der Kantorei hoffen, dass sich die Kirchenleitung noch umstimmen lässt. Aus der Kirchenleitung heißt es, der Kirchengemeinderat habe sich „schweren Herzens“ entschieden, sich von Knijff zu trennen.

Kantorei hofft auf Rücknahme der Kündigung

Für Dienstag ist ein Gespräch mit den Sängerinnen und Sängern angekündigt. Da möchte die Kirchenleitung eine Lösung vorschlagen, meldet der Schwarzwälder Bote. Demnach soll die Leitung der Kantorei übergangsweise von einem anderen Kirchenbezirk übernommen werden.

Aus der Kantorei ist dazu zu hören, dass man vielmehr auf „ein Zurück auf dem eingeschlagenen Weg“ hoffe, und Knijff weitermachen kann. Er wolle „mit allen Mitteln dafür kämpfen, dass die Kündigung zurückgenommen wird“, kündigt ein Kantoreimitglied an.

Frischer Wind und neue Ideen

Knijff hatte nach seinem Einstieg im September begonnen, immer wieder Musikerinnen und Musiker zum Musizieren im Gottesdienst einzuladen. Auf diese Weise waren sehr viel mehr Menschen in die evangelische Stadtkirche gekommen. Das sollte ja alle Beteiligten freuen. Tat es aber offenbar nicht.

Klarinettistin Marlene Hug und Jan-Piet Knijff bei der Probe. Foto: Andreae

Schon Wurzeln geschlagen

Ein Gespräch zwischen Kantor, dem stellvertretenden Pfarrer und  einem Vertreter des Kirchengemeinderats am vergangenen Dienstag verlief dem Vernehmen nach unerfreulich und nicht lösungsorientiert. Knijff ist seit Dienstag freigestellt.

Kantor Knijff ist nach Schramberg gezogen und hat hier schon viele Freundschaften geknüpft. An der Volkshochschule hat er im Wintersemester einen Sprachkurs Niederländisch angeboten und auch unterrichtet. Das Gymnasium hat mit ihm ebenfalls Kontakte aufgenommen. Knijff unterstützt Schülerinnen und Schüler bei der Abiturvorbereitung, indem er mit ihnen kleine Auftritte im Gottesdienst organisiert.

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