Freitag, 19. April 2024

Deißlingen: Investor gibt auf, „Ochsen“ bleibt – vorerst

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Seit Jahren versucht die Gemeinde Deißlingen, das „Ochsen-Areal“ neu zu entwickeln. Nun scheitert die angekündigte Neubebauung an der Realisierbarkeit, der designierte Investor gibt auf. Das gab Bürgermeister Ulbrich bekannt.

(Deißlingen). „Der Letzte macht die Türe zu“, steht auf einem Bretterverschlag, der den Eingang zum ehemaligen „Ochsen“ derzeit schützt. Schon lange hätte das Gebäude abgerissen werden sollen, schon im vergangenen Jahr die Bauarbeiten starten. Daraus wurde nichts und wird es auch nicht werden, wie Bürgermeister Ralf Ulbrich jetzt bekanntgab.

„Die ACTIV-GROUP aus Schemmerhofen wird das Ochsen-Areal in Deißlingen nicht realisieren“, ließ Ulbrich am Mittwoch wissen. Seit dem Zuschlag im Rahmen einer Investorenausschreibung im Herbst 2022 habe das Unternehmen versucht, die Projektentwicklung erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Das gelang nicht.

Für den Rückzug gibt es laut Ulbrich mehrere Gründe:
„Zum einen sind es die altbekannten Themen, welche gerade viele Projekte zum Scheitern bringen, nämlich die unvermindert hohen Baukosten sowie das hohe Zinsniveau“, schreibt der Bürgermeister. Hinzu kämen projektspezifisch höhere Kosten. So sehe die städtebauliche Vorgabe drei Solitärgebäude vor, welche jeweils mit einer separaten Aufzugsanlage erschlossen werden müssen. Zudem sei die Umsetzung der erforderlichen Tiefgarage sehr aufwendig.

Um das Projekt wirtschaftlicher planen zu können, hatte ACTIV eine Planskizze vorgelegt, deren Umsetzung eine Änderung des Bebauungsplanes zur Folge gehabt hätte. Dies hat der Gemeinderat in der Sitzung im Januar abgelehnt. Das berichtet Ulbrich weiter.

Das endgültige Aus: Der Investor habe auf Basis der aktuellen Planung Kaufpreise für die Wohnungen zwischen 5500 und 6000 Euro pro Quadratmeter ermittelt. Eine bespielhafte Wohnung mit einer Größe von 100 Quadratmetern hätte danach mehr als eine halbe Million Euro gekostet. „Dieses Preisniveau hält das Unternehmen in Deißlingen für nicht durchsetzbar“, so Ulbrich.

Also bleibt der „Ochsen“ – jedenfalls vorerst. „Ob, beziehungsweise wie lange der Ochsen bleibt, wird der Gemeinderat voraussichtlich im April entscheiden“, sagt Bürgermeister Ulbrich dazu. Im Haushalt seien für das Jahr 2025 Mittel für den Abbruch eingestellt, „womöglich entscheidet sich der Gemeinderat schon für einen früheren Abbruch“, so der Bürgermeister weiter. Hintergrund hierfür seien die Fördermittel, die für einen Abbruch gewährt werden. „Die möchte die Gemeinde natürlich nicht verfallen lassen, auch wenn noch kein Investor für die Neubebauung in Sicht ist.“

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NRWZ-Redaktion
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