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Schuler Präzisionstechnik – Tag der Ausbildung am Freitag, 10. Juli 2020 und am Samstag, 11. Juli 2020

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Lieber zum Sachverständigen gehen als vor Gericht ziehen

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Dienstag, 7. Juli 2020
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    Jürgen Grässlin: „Heckler und Koch höhlt eigene Vorgaben aus“ (NRWZ.de+)

    Heckler-und-Koch-Kritiker nimmt Stellung zu Interview mit HK-Sprecher Marco Seliger

    Es war eine ungewöhnliche Premiere, als vor einigen Wochen der neue Sprecher von Heckler- und-Koch, Marco Seliger, sich mit der NRWZ zum Gespräch traf und unserem Medium ein ausführliches Interview gab. Darin gab es sogar Lob für die Kritischen Aktionäre, die den Vorstand zum Umdenken und zur Einführung der „Grüne-Länder-Strategie“ beim Oberndorfer Rüstungshersteller gebracht hätten.

    Seit  Jahrzehnten beschäftigt sich Jürgen Grässlin mit Heckler und Koch. Er hat mehrere Bücher zum Thema, etwa das „Schwarzbuch Waffenhandel“ geschrieben und ist einer der „Kritischen Aktionär*innen Heckler & Koch“ und Vorsitzender RüstungsInformationsBüro. Die NRWZ hat ihn zum Thema Wandel bei HK befragt.

    Herr Grässlin, wie schätzen Sie die Umkehr mit der Grünen-Länder-Strategie bei H&K ein?

    Jürgen Grässlin: Anfangs hatte ich den Eindruck, die Grüne-Länder-Strategie werde seitens der H&K-Geschäftsführung konsequent umgesetzt. Doch die strategische Zielvorgabe seit den beiden Hauptversammlungen 2019 erinnert eher an einen Schweizer Käse. Denn dort, wo sich neue Absatzmärkte auftun, höhlt H&K eigene restriktive Vorgaben aus. Kriegswaffen außerhalb von NATO und EU – zum Beispiel nach an menschenrechtsverletzende Staaten wie Indonesien, Malaysia und andere – werden durch die Hintertür wieder salonfähig. Damit würde die selbstgesetzte Grüne-Länder-Strategie ad absurdum geführt werden.

    Aber die Grüne-Länder-Strategie als solche haben die Kritischen Aktionär*innen H&K doch von Anfang an befürwortet?

    Entscheidend ist nicht die Frage, welcher Organisation – NATO oder EU – das Empfängerland von Waffen angehört. Wichtig ist, ob dort demokratische Rechte gelten, ob die Menschenrechte gewahrt und Kriege vermieden werden. In diesem Sinne sind Kleinwaffenexporte von H&K und anderen Rüstungsexporteuren nach Frankreich, Ungarn und in die USA äußerst kritisch zu hinterfragen. Lobend sei gesagt: Wenn H&K zur Zeit keine Waffen an den NATO-Partner Türkei liefert, begrüße ich das ausdrücklich. Das weltweite Massenmorden mit H&K-Waffen muss ein Ende finden.

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    Ist es nicht richtig, wenn Seliger argumentiert, wir wollen doch dasselbe: Sicherheit?

    Die Waffenexporte an Kriegsparteien in Afghanistan, Syrien, dem Irak und dem Jemen haben keinesfalls Sicherheit geschafft. Sie haben vielmehr zur Gewalteskalation beigetragen. Sicherheit wird allen voran geschaffen durch sinnvolle Arbeit und umfassende Bildung, durch Gesundheit und Wohlstand für alle Menschen. Wer Sicherheit will, muss ziviles Knowhow, in Notsituationen Nahrungsmittel und Medikamente liefern, nicht aber Waffen.

    Demnach sollte H&K keinerlei Waffen mehr exportieren?

    Polizeieinheiten, die einen Rechtsstaat mit rechtsstaatlichen Mitteln sichern, benötigen Bewaffnung, durchaus auch mit H&K-Pistolen oder -Maschinenpistolen. Doch angesichts der rassistischen Morde durch Polizisten in den USA und in anderen Ländern muss sich die H&K-Führung fragen lassen, in welchen vermeintlich ‚guten‘ Staaten H&K-Waffen bereits im Einsatz sind und ob weitere Waffentransfers in derlei Länder noch moralisch und ethisch verantwortbar sind.

    Kommen wir zur wirtschaftlichen Lage. Schafft H&K den Schuldenabbau?

    Jahrzehntelang hat die H&K-Führung den Beton angemischt und ebenso hemmungs- wie skrupellos auf Gewehr- und Pistolenproduktion für den Export in Krisen- und Kriegsgebiete gesetzt. Dieser Irrweg hat H&K an den Rand des Konkurses geführt. Der Vorsitzende Jens Bodo Koch gehört zur neuen Managergeneration, mit der man durchaus reden kann. Allerdings müssen sich Vorstand und Aufsichtsrat endlich öffnen für die Rüstungskonversion, also die schrittweise Umstellung der Rüstungsproduktion auf eine nachhaltige zivile Fertigung. Die Welt braucht Produkte für den ökologischen Umbau, für die Gesundheit der Menschen – hier ließen sich nicht nur Schulden abbauen sondern richtig Geld verdienen.

    HK-Sprecher Seliger sagt, die kritischen Aktionäre haben uns auf den richtigen Weg gebracht. Wir machen wieder Gewinn. Danke dafür! Gut so oder, so war das nicht gedacht?

    Anders als bei SIG Sauer, hat unsere Strafanzeige gegen H&K und die folgende Verurteilung durch das Landgericht Stuttgart die neue strategische Ausrichtung befördert. SIG Sauer dagegen hat trotz des ersten verlorenen Strafprozesses in Kiel weiterhin Abertausende Pistolen nicht nur nach Kolumbien, sondern jetzt auch nach Mexiko und Nicaragua geliefert. Aktuell haben wir erneut Strafanzeige gestellt. Ja, das ist gut, wenn wir als Kritische Aktionär*innen H&K unseren Beitrag leisten können – gegen widerrechtlichen Waffenhandel, für eine transparente und offene Unternehmenskultur.

    In den letzten Monaten kann man bei HK einen erbitterten Streit  zwischen dem seitherigen Hauptanteilseigner Andreas Heeschen und dem französischen Milliardär Nicolas Walewski beobachten. Heeschen solle ein Gutteil seiner Aktien an Walewski verpfändet haben und das HK-Management setzt wohl auf ihn. Ist Herr Walewski Hoffnungsträger oder gar gefährlich?

    Womöglich entpuppt sich Nicolas Walewski als eine der Heuschrecken, die ein Unternehmen aufkaufen, sich lukrative Geschäftsfelder herauspicken, andere Bereiche zerschlagen und dabei rücksichtslos Arbeitsplätze vernichten. Das wäre für H&K ein Rückschritt ohnegleichen. Wir setzen auf den Unternehmenswandel durch einen konstruktiven demokratischen Dialog mit einer sinnhaften Zielrichtung in der Geschäftspolitik.

    Die Fragen stellte NRWZ-Redakteur Martin Himmelheber

     

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