„Kein Fußbreit den Faschisten“? AfD-Sänze schlägt zurück

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„Kein Fußbreit den Faschisten.“ Das ist die Antwort von Mirko Witkowski auf eine mögliche Zusammenarbeit seiner Partei mit der AfD, wie der Rottweiler SPD-Kreisvorsitzende vor einigen Tagen erklärte. In dieser Erklärung unterstellte Witkowski dem AfD-Landtagsabgeordneten Emil Sänze vor allem, Hass zu säen. Nun schlägt der Gescholtene zurück.

In einem Schreiben an die Presse hatte Witkowski nach eigenen Angaben auf einen Facebookbeitrag von Emil Sänze reagiert, in der dieser von einer „entarteten Hypermoral“ geschrieben hatte. Hintergrund ist dass es der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Andy Stoch, demnach im Namen der Fraktion abgelehnt hatte, mit der AfD gemeinsam einen Untersuchungsausschuss gegen Minister Lucha zu beantragen. „Äußerungen, wie von Emil Sänze, sind voller Hass. Und Hass kann töten, wie wir dieser Tage wieder erleben mussten. Einmal mehr ist es die von der AfD verwendete Sprache, die als Gift gegen unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt eingesetzt wird“, schrieb Witkowski.

Der AfD-Landtagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Rottweil, Sänze, hat am Montag reagiert. Die NRWZ bringt seine Zuschrift im Wortlaut. Sie sind ein teils sehr persönlicher Angriff und betitelt mit:

Emil Sänze MdL über die Lebensäußerungen der SPD Rottweil und Möchtegern-Antifaschisten

Der SPD-Ortsverein Rottweil ist ein lebendiger Ortsverein – so kann es auf deren Homepage jeder lesen, der das wirklich wissen will. In der vergangenen Woche hatte der Stellvertretende Vorsitzende der AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag und deren Pressepolitischer Sprecher, Emil Sänze MdL, im Namen der Fraktion den Fraktionsvorsitzenden und Landesvorsitzenden der SPD, Herrn Stoch, um Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Untersuchungsausschuss in der Affäre Lucha-Sonntag angefragt, wo es um die mutmaßliche Fehlverwendung öffentlicher Mittel durch eine gGmbH des bekannten Establishment-Komödianten geht. Volksvertreter Stoch hatte den Aufklärungswunsch der AfD mit der drolligen Tirade „Kein Fußbreit den Faschisten!“ verweigert. Ins gleiche Horn stößt nun der Schramberger / Rottweiler SPD-Vorsitzende Witkowski, dessen Pressemitteilung die NRWZ am 27.2. immerhin als nützlich zur Füllung ihres Nachrichtenformats befand. Darin unterstellt der als Redakteur arbeitende Witkowkski, nebenbei auch AWO-Vorsitzender im Kreis Rottweil, in das Horn seines Genossen „Andy“ (Zitat: Witkowski) Stoch: Bei der AfD handle es sich um „Faschisten“, Sänze verwende bei dem Begriff „entartet“ Nazisprache, Höcke sei Faschist, die AfD vergifte den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sei angeblich so wenig demokratisch wie die historischen Nationalsozialisten, und stehe auch in irgendeinem diffusen Zusammenhang mit dem Massenmord des Psychopathen in Hanau: Denn Hass könne töten usw. usw.. Das könnte man als bizarren Geifer abtun – jedoch wird die Rottweiler Stadtverwaltung vom SPD-Ortsverband mehr oder minder offen demokratiefeindlich aufgefordert, den gewählten Volksvertretern der AfD öffentliche Veranstaltungen zu verweigern.

Dazu Emil Sänze:

„1. Herrschaften Stoch und sein Schwarzwälder Witkowski versteigen sich zu einer Wortwahl, die ihren kognitiven Horizont übersteigt, ihr Geschichtswissen sowieso – der Mantel der Geschichte ist zu groß für sie. Man muss über die heutige SPD ein wenig ausholen. Sie leben von den aus der Zeit gefallenen Schauergeschichten einer noch Respekt verdienenden Genossen-Generation der 1930er Jahre, die nun einmal ausgestorben ist, aber in der DDR von Sowjetgnaden noch eine handfeste Diktatur schaffen durfte. Das ist der Mythos, in den sie verliebt sind. Von Menschen, die heute „Kein Fußbreit den Faschisten!“ verkünden, erwarte ich, dass sie a) wissen, was Faschismus ist, und dass sie b) unter ihrem Bauch ihre eigenen Füße noch sehen können. Faschismus: Das war General Franco, oder irgendwelche Bananenstaaten-Diktatoren. Antifaschisten – das waren die abgehärteten, körperlich zähen (ist das jetzt schon ein NS-Wort?), leidensfähigen und verschwiegenen Idealisten der Sozialistischen Internationale aus ganz Europa, die unter Lebensgefahr an die Front gingen. Antifaschisten – das waren damals reale Leute, die wirklich unter Unrecht zu leiden hatten, die Exilbiographien oder Verschleppung riskierten. Auch wenn ich ihre kommunistischen Utopien, die die DDR-Bevölkerung ausbaden mußte, gewiß nicht teile. Sie waren immerhin Kämpfer ihrer Sache – nicht ein Epigonen-Kaliber, das beim Zeitung holen über seinen eigenen Fußabtreter stolpert und sich dann bei der Verwaltung beschwert. Den Leuten, die sich heute in SPD-Vorständen ‚Antifaschisten‘ nennen wollen, empfehle ich einen Blick in den Spiegel. Sind sie überhaupt real? Sie scheinen mir rundäugiges, komfortfreudiges Wohlstandspersonal und schöne Gefühle liebende Hausfrauen. Die anderen heutigen, sich ebenfalls ohne jede Rechtfertigung ‚Antifaschisten‘ nennenden kriminellen Straßenschläger und Terroristen romantisieren sie. Bei deren „Antifa“-Angriffen auf Eigentum und Leben demokratischer Andersdenkender sehen die SPD-Genossen systematisch weg, weil sie selbst in ihrer eigenen verpeilten Gegenwart alle so gerne romantisch-revolutionäre Ché Guevaras wären, aber ihre Pantoffeln und ihre Sozialprivilegien und ihre Wohlstandsbäuche so lieben und sich reale linksextremistische Menschenhasser aus Prinzip nicht vorstellen wollen. Sonst wäre ihr Mythos ja tot. Das Bild der SPD ist heute bis zur Selbstabwicklung post-arriviert. Die SPD hat mit der legitimen Partei der sozialrevolutionären Idealisten und den Rechte-Erkämpfern für die lohnabhängig Beschäftigten nichts mehr zu tun, sondern hat eine selbstreferentielle Verwaltungsmoloch-Sozialgeschwulst geschaffen, die mehr Probleme schafft, als sie löst. Man könnte sagen: Sie ist ideell völlig degeneriert (entartet soll ich ja nicht sagen!) und personell Lichtjahre vom intellektuellen Spitzen-Niveau der Schmidts, Wischnewskis oder Bahrs entfernt. Sie hat keine Staatsmänner mehr.“

„2. SPD-Genosse Witkowski arbeitet als Redakteur, seine Frau als Grundschulleiterin – ein solcher Mann weiß genau, dass er hier als Schreibtischtäter hetzt und die Demokratie mitsamt den Rechten demokratischer Andersdenkender mit Füßen tritt: Sein Zündeln gar mit Hanau ist sittlich jämmerlich, und er weiß es. Zunächst einmal – natürlich haben wir die SPD in der Lucha-Sonntag-Affäre angefragt, um sie vor der Bevölkerung als Demokratieverweigerer und Arbeitsverweigerer bloßzustellen. Sie haben uns den Gefallen ja auch getan: Es war uns klar, dass der mit gut 23 Tsd. monatlich dotierte Fraktionsvorsitzende Stoch seine Verantwortung als Interessenvertreter seiner Wähler, Bürger und Steuerzahler verweigern würde. Herr Witkowski hört den Ruf seines Herrn und plappert dessen Duktus nach. Vielleicht hat er Hoffnung, in seiner abgelebten Partei etwas zu werden. Aber die moralische Pose, in die er sich wie in schönen Zwirn werfen will, kneift an allen Enden.“

„3. Ich schaue mir, wie gesagt, das Personal der SPD gut an. Wer braucht heute die SPD? Wer z.B. ist im Schramberger Vorstand unter 40, ist augenscheinlich tätowierter Punk oder Türke – was über Rekrutierung und Zielgruppen von Herrn Witkowskis Antifa-Show alles sagt. Das, mitsamt der AWO und ihren Flüchtlingsgeschäften (s. Landtagsdrucksache 16/7638, https://www.landtag-bw.de/…/…/Drucksachen/7000/16_7638_D.pdf), ist wohl die sogenannte Zivilgesellschaft, für die Herr Witkowski sprechen will. Um sich über die eigene gesellschaftliche Irrelevanz hinweg zu täuschen, muss das SPD-Volksfront-Theater den Popanz des vermeintlichen großen Demokratie-Endkampfes über die Bühne pfuschen. So wollen sie heute ihre durch Fehlleistung verdienten Wahlschlappen vorbeugend als einen Fehler eines vermeintlich von Extremisten verführten Volkes darstellen und sich zu Märtyrern inszenieren. Natürlich will die SPD überall ‚Brandmauern‘ errichten und unsere AfD aus der Öffentlichkeit drängen, die sich in demokratischen Prozessen mit demokratischen Programmen durchgesetzt hat und die der ideell entleerten SPD und ihren Pfründen Konkurrenz und Angst macht. Dazu werden wir eben von Berufsschreibern in der übelsten Weise diffamiert, aber wir kennen es schon, und es ficht uns nicht an. Die Genossen, die hier so gerne von Faschismus schwadronieren, haben wohl zu viel Hemingway-Romantik gelesen – oder zu wenig davon. Herr Witkowski, selbsternannter ‚Antifaschist‘ unterstellt mir öffentlich ‚Hass‘. Er möchte sicher gerne wichtig genug sein, um gehasst zu werden. Dazu fehlt ihm das Kaliber. Mein Mitleid kann er immerhin haben.“

NRWZ-Redaktion
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