Weil er in Vil­lin­gen­dorf drei Men­schen ermor­det hat, dar­un­ter sei­nen sechs­jäh­ri­gen Sohn, ist der Kroa­te Dra­zen Dakic (41) am Diens­tag in Rott­weil zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt wor­den. Das Land­ge­richt stell­te die „beson­de­re Schwe­re der Schuld” fest. Eine Aus­set­zung der Stra­fe nach 15 Jah­ren gilt damit als unan­ge­mes­sen. Das Gericht erklär­te ihn für gefähr­lich. Zudem ist Dakic zur Zah­lung von meh­re­ren zehn­tau­send Euro Scha­dens­er­satz ver­ur­teilt wor­den. Das Urteil ist rechts­kräf­tig, Dakic erklär­te den Ver­zicht auf Rechts­mit­tel.

Das Gericht sah es als erwie­sen an, dass Dra­zen Dakic am Abend des 14. Sep­tem­bers 2017 in ein Haus in Vil­lin­gen­dorf ein­ge­drun­gen ist, in dem sei­ne Ex-Part­ne­rin und der gemein­sa­me Sohn (6) leb­ten. Es war der Abend der Ein­schu­lungs­fei­er des klei­nen Jun­gen. Die­sen, sowie den neu­en Freund der Ex-Lebens­ge­fähr­tin (34) und des­sen Cou­si­ne (29) hat er dort erschos­sen. Die Mor­de sei­en aus Heim­tü­cke und mit nie­de­ren Beweg­grün­den gesche­hen.

Die Kam­mer hat für jeden der drei Mor­de, recht­lich selbst­stän­di­ge Han­dun­gen, auf „Lebens­läng­lich” erkannt. Die Gesamt­frei­heits­stra­fe damit: „Lebens­läng­lich.”

Das Gericht geht in sei­nem Urteil davon aus, dass Dakic sei­ner Ex-Part­ne­rin Leid antun woll­te, weil er die Tren­nung vom Febru­ar 2017 nicht akzep­tier­te. Die Frau sol er bewusst ver­schont haben – um sie mit dem Tod ihrer Ange­hö­ri­gen größt­mög­li­ches Leid zuzu­fü­gen. Denn: „Einen Dra­zen Dakic ver­lässt man nicht.”

Für die Tat hat Dakic ein ser­bi­sches Sturm­ge­wehr benutzt. Nach fünf­tä­gi­ger Flucht war er schließ­lich in Neuf­ra gefasst wor­den. Nach ihm war inten­siv mit einem Groß­auf­ge­bot der Poli­zei gefahn­det wor­den. 

Ein Ver­bre­chen in die­ser Dimen­si­on muss in einer Haupt­ver­hand­lung sorg­fäl­tig auf­ge­klärt wer­den”, so der vor­sit­zen­de Rich­ter, Karl­heinz Mün­zer, ein­gangs der Urteils­be­grün­dung. Das sei gesche­hen. Die Poli­zei habe detail­lier­te Ermitt­lungs­ar­beit geleis­tet. Es sei deut­lich gewor­den, dass die Tat eine wochen­lan­ge Vor­ge­schich­te gehabt hat, den Waf­fen­kauf, die Kün­di­gung beim Arbeit­ge­ber „um fami­liä­re Din­ge zu regeln”, sogar eine ein­deu­ti­ge Tatan­kün­di­gung bei einem zufäl­li­gen Auf­ein­an­der­tref­fen von Dakic und sei­ner Ex-Part­ne­rin im „real”-Markt in Sin­gen und das Aus­kunftschaf­ten des Tat­orts in Vil­lin­gen­dorf.

Wich­tig sei aber auch gewe­sen, die „sub­jek­ti­ven Tat­merk­ma­le”, die per­sön­li­chen Hin­ter­grün­de der Tat auf­zu­ar­bei­ten. Das habe erge­ben, dass etwa kei­ne hirn­or­ga­ni­sche Erkran­kung des Täters vor­ge­le­gen habe. Eine wich­ti­ge Grund­la­ge für das Urteil, so Mün­zer.

Auch habe sich Dakic an der Auf­ar­bei­tung sei­nes Ver­bre­chens betei­ligt. Aller­dings: „Reue oder Empa­thie für die Opfer”, sei­en laut Urteils­be­grün­dung nicht erkenn­bar gewe­sen. Viel­mehr eine gro­ße Aggres­si­ons­be­reit­schaft, ein narr­ziss­ti­sches Selbst­bild. Ein Mann mit einer sehr aus­ge­präg­ten Per­sön­lich­keits­stö­rung. „See­lisch stark abar­tig”, ein Rechts­be­griff. Aber kei­ne krank­haf­te see­lisch Stö­rung. Und kei­ne Min­de­rung der Steue­rungs­fä­hig­keit. „Das haben wir sehr aus­führ­lich her­aus gear­bei­tet”, so Mün­zer. Der Täter sei emo­tio­nal auf­ge­wühlt gewe­sen. Er habe aber die Situa­ti­on klar erfas­sen und sein Ver­hal­ten kon­trol­lie­ren kön­nen.

Mün­zer sprach vom „Respekt gegen­über dem Ver­hal­ten der Opfer.” Deren Aus­sa­gen hät­te sie enorm viel Kraft gekos­tet, den­noch hät­ten sie zur Auf­klä­rung des Ver­bre­chens einen wich­ti­gen Bei­trag geleis­tet. Vor allem die Ex-Part­ne­rin Dakics. Die­se wohn­te der Urteils­ver­kün­dung bei. Wei­nend.

Die Beweis­auf­nah­me habe ein kla­res Motiv erge­ben: Wut und „abgrund­tie­fen Hass.” Die Schuld für die Tat habe er vor­nehm­lich bei ande­ren gesucht. Bei sei­ner Ex-Part­ne­rin. Die­se soll­te lei­den. Mit­leid habe der Täter erst im Lau­fe des Pro­zes­ses und nur für die Ange­hö­ri­gen ent­wi­ckelt. Nicht für sei­ne Ex-Lebens­ge­fähr­tin. 

Die Tat selbst sei für die Opfer voll­kom­men über­ra­schend gekom­men. Er habe sich in Vil­lin­gen­dorf auf das Grund­stück der Woh­nung geschli­chen, sei ins Licht getre­ten und habe nur „Schö­nen Abend” gesagt. Und dann mit dem Töten begon­nen. Mit allei­ne drei Schüs­sen am Ende sei­nen eige­nen Sohn. Wie der Staats­an­walt sag­te: „Er kam, um zu töten, nicht, um zu reden.”

Das Gericht nahm Schuld von den Jugend­amts-Mit­ar­bei­tern in Tutt­lin­gen. Es sei dem Ange­klag­ten ein Leich­tes gewe­sen, die neue Wohn­adres­se sei­ner klei­nen Fami­lie zu erfah­ren. Es hat­te im Lau­fe des Pro­zes­ses vor allem von­sei­ten der Neben­kla­ge Kri­tik an der Behör­de gege­ben.

Der Staats­an­walt, aber auch die Neben­klä­ger und die bei­den Ver­tei­di­ger Dakics hat­ten auf eine lebens­lan­ge Frei­heits­stra­fe plä­diert

Mit dem Urteils­spruch geht ein Pro­zess zu Ende, der bereits am 16. März begon­nen hat­te und über 18 Pro­zess­ta­ge lief. Ver­han­delt wur­de vor der Schwur­ge­richts­kam­mer des Land­ge­richts Rott­weil. Den Umfang der Beweis­auf­nah­me begrün­de­te der vor­sit­zen­de Rich­ter etwa damit, dass es die Kam­mer zunächst mit einem schwei­gen­den Ange­klag­ten zu tun gehabt habe. Und einem, der sich spä­ter in Schutz­be­haup­tun­gen flüch­te­te. Wich­tig und ent­schei­dend für das Urteil sei auch die Fra­ge nach der Schuld­fä­hig­keit Dakics gewe­sen. Die­se sei nicht ein­ge­schränkt, so das Urteil.

Wir berich­ten über die­sen letz­ten Pro­zess­tag noch aus­führ­lich.

Hin­weis: Hier fin­den Sie unse­re Bericht­erstat­tung über den Drei­fach­mord von Vil­lin­gen­dorf.