Rémy Trevisan: Loslassen ist wichtig

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Nach 34 Jahren Schramberg zog der Künstler Rémy Trevisan mit seinem Atelier nach Lauterbach um. Wie es ihm da geht und was er plant, erzählt er im Gespräch mit der NRWZ.

Sein altes Atelier musste Rémy Trevisan innerhalb von drei Monaten räumen. „Es war in der Oberndorfer Straße, die Abgase waren furchtbar – aber das Ende kam spontan, es musste schnell gehen, und ich hatte Angst, so schnell nichts Neues zu finden“, erzählt er. Doch dann ergaben sich Räumlichkeiten im ehemaligen „mittleren Schulgebäude“ in Lauterbach – mit extra Lagerraum und viel Platz im Luftkurort – „das ist jetzt ein wunderbares Arbeiten, es ist schön leise, und der Kinderlärm stört mich überhaupt nicht“, schwärmt Trevisan.

Rémy Trevisan. Foto: Sonja Rajsp-Lauer

Neue Räume, neue Pläne

Seinen neuen Wirkungsort will der Maler auch der Öffentlichkeit zugänglich machen, und das am liebsten im Verbund mit anderen Künstlerinnen und Künstlern aus der Region: Da gibt es schon Pläne: „Wir wollen einen Tag des offenen Ateliers im Kreis machen, zusammen mit Podium Kunst: Eine Rallye zwischen den verschiedenen Künstlern. So wollen wir unsere Ateliers erlebbar machen!“

Lebendiges Lauterbach: Kunst in Lauterbachs Schaufenster?

Im neuen Wirkungsort sieht Trevisan viele leere Schaufenster. „Das ist mir sofort aufgefallen“, meint er, und „da könnte man doch was tun“: Leere Schaufenster wiederbeleben, mit Kunst aus der Region könnte das Dorf viel lebendiger machen – „Ein Weg durch Lauterbach, um die Schaufenster zu bestaunen“ ist seine Idee. Da gab es doch schon was? Für Kunst in Lauterbachs Schaufenstern gab es schon eine Initiative aus dem Gemeinderat, es wurden sogar bereits Kontakte zur Furtwanger Hochschule geknüpft. Leider verfolgte die Gemeinde das Projekt damals nicht weiter. „Vielleicht ist es jetzt Zeit für Kunst in Lauterbachs Schaufenstern?“, fragt Trevisan.

Aktuelle und kommende Ausstellungen: Emmendingen, Donaueschingen, Lauterbach, Königsfeld

Derzeit läuft die Ausstellung „Galerie im Tor“ in Emmendingen bis 29. Mai, parallel dazu die Donaueschinger Regionale bis 5. Juni, bei der Rémy Trevisan mit zwei großen Arbeiten vertreten ist. Außerdem plant Trevisan eine Ausstellung in der Galerie Wilhelm Kimmich Oktober 2022 – Februar 2023 und eine Ausstellung im KunstRaum Königsfeld im Frühjahr 2023 mit aktuellen Arbeiten: „Kunst wieder präsent machen“ – Portraits von Künstlerinnen und Künstlern. Diese Portratis sind eine Hommage an verstorbene, aber auch an lebende Künstlerinnen und Künstler.

Wie arbeitet Rémy Tresisan?

„Ich meditiere und arbeite kontemplativ“, erzählt er. „Ich sammle Fundstücke, die bei kontemplativen Spaziergängen auftauchen, dann entwickle ich aus der Kommunikation zwischen mir und dem Objekt intuitiv ein Aquarell. Ich bewege mich zwischen Figuration und Abstraktion.“

Seminar „Heilsames intuitives Malen“

Rémy Trevisan leitet auch Seminare – demnächst wieder eines auf dem Benediktushof in Holzkirchen (Bayern). Vom 12. – 16. Juni unterrichtet er intuitives Malen – und das möchte er gerne auch in Lauterbach anbieten. In Überlegung ist auch ein regelmäßiger Malkurs für Menschen, die schon in dem Bereich arbeiten. „Es geht darum, eine Gruppe von sieben bis acht Menschen aufzubauen, die schon Erfahrung haben und gern malen“, so Trevisan.

Rémy vor dem Robert Motherwell Portrait. Foto: Sonja Rajsp-Lauer

Worum geht es in Trevisans Kunst?

„Ich vermittle zwischen Figuration, Abstraktion und Gegenständlichkeit“, erklärt Trevisan. Wichtig sei ihm die Reflexion der Worte. „Ich lese viel Literatur und Philosophie, und es gibt viele interessante Künstler, die auch darüber berichtet haben, dass eine Interaktion zwischen mir und dem Publikum stattfinden soll“. Auf seinen Aquarellen findet man Zitate von Künstlerinnen und Künstlern, „diese sollen für die Betrachter Anstoß sein, um zu Hause nachzuforschen und sich weiter damit zu beschäftigen“, erklärt er.

Besonders viel liegt Trevisan offensichtlich an Robert Motherwell. „Er war sich sicher, dass neue Dinge nur aus der Kenntnis des Alten entstehen können. Jedermann sollte die Kultur des Alten im Kopf haben“, sinniert Trevisan. „Und so arbeite ich“, stellt er fest. Und hat Motherwell gleich portraitiert. Für sein Schaffen sei Meditation wichtig. „Und das Loslassen. Das hat der Tod mich gelehrt.“

Dass aus Verlust und Loslassen Neues und Gutes entstehen kann, das erlebte Trevisan nicht nur beim Wechsel des Ateliers. Der Verlust des langjährigen Lebenspartners 2014 hat eine Veränderung im Werk bewirkt: In seinen Bildern tauchen Figuren auf – vorher malte Trevisan abstrakter. „Da sein, im Augenblick sein, loslassen und trotzdem alles mitbekommen“ – Das sucht und findet Rémy Trevisan in seinen kontemplativen Spaziergängen, und das möchte er an die Menschen weitergeben, denn: „Künstlerisches Schaffen ist eine Kraftquelle für die Gesellschaft. Ohne Künstler würde es einen großen Teil der Lebenskultur nicht geben.“

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