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    Eisenlohr hier, Eisenlohr da – ein Zufall ist das nicht

    Warum Schrambergs Oberbürgermeisterin so oft in den Lokalnachrichten auftaucht

    (Meinung). Kennen Sie Dorothee Eisenlohr? „Geboren am 11. März 1982 in Hechingen, sie ist eine deutsche parteilose Kommunalpolitikerin. Seit Oktober 2019 ist sie Oberbürgermeisterin von Schramberg.“ Das weiß Wikipedia. Und Sie liebe Leser, werden wissen: schwarz-braune Haare*, Seitenscheitel, gewinnendes Lächeln, das die obere Zahnreihe zeigt. Vielleicht können Sie Frau Eisenlohr malen, wenn man Sie nachts um drei weckt und Ihnen einen Satz Stifte und ein Blatt Papier in die Hand drückt – kräftiges Blau und Grün werden Sie vor allem für die Kleidung brauchen. Denn die Dame ist wirklich oft irgendwo abgebildet und kommt ständig in den Lokalnachrichten. Wie die NRWZ nun herausgefunden hat: Das ist kein Zufall.

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    Die Zeit ist günstig. Der NRWZ-Redakteur für Schramberg, Martin Himmelheber, weilt im Engadin im Urlaub. Er hat keinen Zugriff auf das NRWZ.de-Redaktionssystem – mit diesem alten Nokia-Brikett, das er da mutmaßlich für den äußersten Fall des Falles dabei hat. Er kann diesen Artikel daher weder verändern noch löschen. Bitte lassen Sie ihn sich später nicht dafür rechtfertigen, er kann für das, was hier folgt, nichts.

    Auch der NRWZ-Redakteur für Schramberg II, Mirko Witkowski, ist mit anderen Dingen beschäftigt. Er wird, das darf man hier vielleicht ausplaudern, bald einen neuen Job haben. In einer Partei, der er nahe steht, deren Mitglied er ist. Sie wissen schon. Er wird der NRWZ aber als Autor verbunden bleiben, Räte und Verwaltung sollten sich hier nicht zu früh freuen. Jedoch: Auch er kann für die folgenden Zeilen nichts.

    Das Bömblein

    Also: In dieses Vakuum hinein möchte ich als Rottweiler Beobachter mal ein Bömblein werfen. Man möge es mir verzeihen. Eigentlich mag ich Schramberg sehr, Wiege meiner Familie, Geburtsstadt meines Vaters und größte Stadt in Baden-Württemberg – ohne Bahnhof. Aber ich schweife ab.

    Was mir in den vergangenen Monaten aufgefallen ist: Eisenlohr hier, Eisenlohr da – die Dame ist ständig, ist omnipräsent in den Medien. Im „Schwarzwälder Boten“ ebenso wie bei uns, hier in der NRWZ. Lokalzeitungen haben das so an sich, dass sie immer die Großkopfeten aus den Städtchen und Dörfern präsentieren. Die sind zugleich ja auch immer die Macher. Das passt schon.

    Aber Frau Eisenlohr – nun sie ist wirklich oft „im Blatt“, wie wir von der Journaille sagen. Beispiel „Schwarzwälder Bote“, dem die Schramberger OBin – eine Abkürzung für Oberbürgermeisterin, die mir eigens für Eisenlohr erfunden scheint – bekanntermaßen nahesteht. Mit dem Blatt hat die Dame schon ein Video-Kulturformat ausgeheckt – das, was ein Zufall aber auch, sie selbst mit in Szene setzte.

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    Kurzer Check der Nachrichtenlage

    Also: Beispiel „Schwarzwälder Bote“. Sucht man nach „Eisenlohr Schramberg“, liefert einem „schwarzwaelder-bote.de“ 145 Treffer allein 2020. Bislang hatte 2020 192 Tage. Es gab also quasi nur rund 50 Tage ohne – und davon sollten wir die Sonntage noch abziehen. Gegenversuch mit „Broß Rottweil“ – bezogen auf den Oberbürgermeister einer der wichtigsten Kleinstädte des Universums – 92 Treffer im gleichen Zeitraum. Rund ein Drittel weniger.

    Das macht nachdenklich. Gibt es etwa aus Schramberg so viel mehr zu berichten als aus der Stadt mit Testturm, mit Landesgartenschau, mit Bahnhof und bald mit Rudolf Mager? Nennen Sie mich ruhig einen arroganten Sack, aber lassen Sie mich kurz lachen. Nein, natürlich gibt es aus Schramberg nicht mehr zu berichten als aus Rottweil.

    Aber es gibt einen sehr entscheidenden Unterschied. In Schramberg veranstaltet die Chefin nicht nur gerne Pressetermine, sie drängt sich tatsächlich in die Nachrichten. Ganz im Ernst. Und zwar in die städtischen. Die NRWZ kann’s beweisen.

    Betreff: Mehr positive Nachrichten & diese mehr „zelebrieren“

    Mit dieser Zeile beginnt eine Mail vom Samstag, 2. Mai 2020. Gesendet wurde sie um 5.53 Uhr (!) an „MG-Alle“, also das gesamte Rathauspersonal, an die komplette Schramberger Stadtverwaltung. Die Mail liegt der NRWZ verbotenerweise vor, eine Indiskretion, unentschuldbar. Aber doch auch so schön.

    Sie wollen wissen, was die OBin Eisenlohr an jenem Samstag in aller Herrgottsfrühe beschäftigt hat? Ihre eigene Präsenz in den Nachrichten. Ja, wirklich. Ich zitiere jetzt mal. Und kommentier‘ das.

    wir wissen es alle: ‚Schlechte‘ Presse und Resonanz in den sozialen Medien und aus der Bürgerschaft kriegen wir von allein, dafür müssen wir nichts tun. Wir können allenfalls entscheiden, ob und wie wir reagieren und damit gegebenenfalls ‚Schaden begrenzen‘ oder öffentliche Meinung durch Informationen und einfühlsames Reagieren noch einmal ‚drehen‘.

    Das ist schon mal geschickt begonnen, „wir“ als Einstieg schließt alle ein, jede(n) der Adressatinnen und Adressaten. Teambuilding. Clever, Frau Eisenlohr. Auch der Ton: freundlich, freundschaftlich. Seitenscheitel, gewinnendes Lächeln, das die obere Zahnreihe zeigt. Und weiter:

    Was wir aber jederzeit in der Hand haben, sind die positiven Nachrichten, die wir ’nach außen‘ / an unsere Bürgerschaft geben!

    Wir haben das in der Hand. Lasst uns zusammenhalten. Wir gegen die. Nicht schlecht.

    Hier möchte ich sensibilisieren und bei ‚guten Nachrichten‘ auch um Einbeziehung meiner Person bitten.

    Da ist es, sie kann es zur Vermeidung des „Ichs“ umschreiben, sie kann es mit dem substantivierten „Einbeziehung“ sogar etwas hölzern klingen lassen. Dennoch steht da: Frau Eisenlohr möchte genannt werden, möchte zitiert werden. Aber nur bei guten Nachrichten, bitteschön!

    Die OBin saß an jenem Samstag frühmorgens wohl schon etwas länger dran (oder hat die Mail auf den Versand am Samstagmorgen terminiert, was ich allerdings für den unwahrscheinlicheren Fall halte). Denn sie hat einige mögliche Vorkommnisse gesammelt, die ihr als gute Nachrichten gelten:

    Wenn wir… ein jahrelang gefordertes Wohngebiet endlich erschließen, ein neues Unternehmen oder einen neuen Laden für uns gewinnen können, Blumensamen verschenken, klimafeste Bäume pflanzen, ein neues Angebot in einer unserer Kultur- oder Bildungseinrichtungen entwickelt haben und an den Markt bringen (und diese Beispiele sind rein zufällig gewählt), als Arbeitgeber etwas Neues bieten, zum Beispiel einen ÖPNV-Zuschuss einführen, dann sollten wir stolz darauf sein, und dann will ich dazu Öffentlichkeitsarbeit haben!

    Man sieht sie mit dem Fuß aufstampfen: „Ich will Öffentlichkeitsarbeit haben!“ Das ist keine Anregung, das ist ein Befehl. Eine Dienstanweisung mit Ausrufezeichen. In Schramberg solle man also nicht nur ordentliche Verwaltungsarbeit machen, sondern diese auch vermarkten – was zusätzliche Arbeitszeit kosten wird, denn die Liste der OBin bezüglich möglicher Lobhudeleitermine und -maßnahmen ist lang:

    Ortstermin (Spatenstich, Besuch zur Eröffnung, Rundgang,…), Pressemitteilung, Nachricht in unseren ‚Ortsteilblättle‘, Fotos online in unserem Facebook-Account, kleines Video (damit haben wir noch nicht so viel Erfahrung, ich fände es aber toll, wenn jemand die mal sammeln könnte), oder was auch immer Ihnen einfällt!

    Und niemals die Chefin vergessen, die sich doch jeden Tag schick macht für die kleine Stadt:

    Und ich wünsche mir, dass ich informiert werde, und dass zum Beispiel in Pressemitteilungen auch immer mal wieder mal ein Zitat von mir drin steht: ‚Ich freue mich, dass…, sagt Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr.‘ (Nicht bei jeder Baustelleninfo, natürlich! Aber bei erfreulichen, schönen Ereignissen.)

    Nur, damit ich das richtig verstehe: Baustellendreck ist keine Chefinnensache? Egal. Sie schreibt weiter:

    Ich möchte unseren, Ihren Projekten damit meine Wertschätzung entgegenbringen und die Aufmerksamkeit, die mir aufgrund meiner Funktion aus der Bürgerschaft und der Presse zuteil wird, nutzen, um den Ruf unseres Teams, der Stadtverwaltung hochzuhalten! Das dürfte uns allen dienen. 

    Oha! Und ich dachte tatsächlich, sie tut das für sich! Mein Fehler ;-) Es folgt ein Lob für die Facebookredaktion und für das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Schwabo. Und die Aufforderung, beim nächsten städtischen Beet, das die Bauhofmitarbeiter im Schweiße ihres Angesichts und mit den Händen im Dreck angelegt haben, doch bitte noch ein Facebookposting anzufertigen. Wobei: von Schweiß und Dreck schreibt sie nicht, das stammt von mir.

    Ihr ist das wohl auch bewusst geworden, dass manche in der Verwaltung schaffen müssen und nicht nur an die positive Presse denken können. Sie schreibt:

    Und natürlich sollen Sie auch noch ‚was arbeiten‘, und nicht nur darüber berichten… :-) Aber das ist ja selbstverständlich :-).

    Die Anführungszeichen bei „was arbeiten“ stammen wiederum von Frau Eisenlohr. Man sieht sie mit zwei erhobenen Händen und winkenden Fingern. Wenn sie vom Arbeiten schreibt.

    Und? Wirkt’s? Diese Mail vom 2. Mai?

    Tatsächlich, die Mail zeigt Wirkung. Ich habe mal kurz die Schramberger Stadtnachrichten gecheckt. Es gibt Meldungen, die nicht so schön klingen – etwa die, in der von Einschränkungen in der Mediathek berichtet wird. Von Frau Eisenlohr? Kein Wort. Abbau von Straßenbeleuchtung, Absage eines Marktes – pure Nachrichten, die kommen gut ohne eine Stellungnahme der OBin aus. Ganz wunschgemäß: kein Zitat bei jeder Baustelleninfo.

    Aber wenn es eine neue Wanderkarte von der Tourist-Information Tennenbronn gibt, ein Text mit drei Absätzen, dann gehört einer ihr alleine: „Gerade jetzt ist Wandern eine tolle und gesunde Freizeitbeschäftigung“, sagt Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir bei uns in der Gesamtstadt Schramberg so tolle Wege haben.“ Oder hier, es gibt ein neues Stickerheft: „Ich freue mich, dass wir mit dem Stickerheft etwas für Kinder tun und gleichzeitig auf tolle Attraktionen in unseren Stadtteilen aufmerksam machen können“, sagt Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr, und verspricht: „Ab fünf Stickern gibt es ein kleines Geschenk.“

    Wir sehen: In Schramberg hat das Zelebrieren von positiven Nachrichten Methode. Und immer taucht Frau Eisenlohr auf. Ein Zufall ist das nicht.

    *Frau Eisenlohr bezeichnet die ursprüngliche Aussage, sie habe schwarze Haare, als falsch. Aus den vielen Fotos geht das nicht eindeutig hervor, wechselt offenbar auch. Wir haben ein „schwarz-braun“ daraus gemacht.

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    5 Kommentare

    1. Ergänzung: An der Lautstärke und Menge des Gegenwindes auf Facebook merkt man erst so richtig, wie gut die Positiv-Publicity durch die OBin funktioniert. Nahezu ausschließlich Fans, die den Kern des Textes nicht einmal verstehen wollen. Schade.

    2. Gut bemerkt.

      Was mir schon lange aufgefallen ist: Die Dame braucht offensichtlich dringend einen Orthopädietermin. Auf jedem, wirklich jedem, Bild steht die gute Frau schräg da. Ein Bein hinter dem anderen.

      Beide Beine nebeneinander, so wie man das für den Menschen vorgesehen hat – bei ihr unmöglich.

      Ich wage aus der Ferne die Diagnose: Sie leidet unter massiver Instagram-Beinfehlstellung. Gesund ist das nicht. Bitte dringend behandeln lassen, Frau OBin.

      • Herr Arnegger, wo ist hier die Nachricht? Als Ihr Leser fühle ich mich um meine Zeit betrogen. Sie sprechen hier von einem „Bömbchen“, wohl ahnend, dass es hier kaum etwa zu berichten gibt, suggerieren Sie doch ihren Lesern tatsächlichen Content – investigativ und aus internen Quellen. Clickbait nennt man das und da Sie sich nach eigener Aussage des Öfteren auf den Seiten des Schwarzwälder Boten herumtreiben, sind Ihnen diese inhaltsleeren Werbeeinblendungen mit dem reißerischen Aufmacher unter den eigentlichen Artikeln sicher ein Begriff.
        Stattdessen schreiben Sie in einem süffisanten Ton, der Ihnen leider gar nicht steht, von einer Stadtverwaltung die positive Presse haben möchte. Dazu macht sie positive PR und branded diese Nachrichten mit ihrer obersten Repräsentantin.
        „Ist nicht wahr! Ruft die Zeitung!“ möchte man hier sarkastisch entgegnen, aber das ist zum einen ja tatsächlich geschehen und zum anderen fand sich mit der NRWZ ja tatsächlich eine Redaktion, die sich für eine Berichtserstattung nicht, bitte verzeihen Sie den Ausdruck, zu dumm war.
        „Sicherlich war das ein übereifriger Volontär der feixend vor dem Bildschirm daraus einen Artikel gestrickt hat!“, so meine erste Hypothese, die nach einem kurzen Realitätscheck mit Google leider auch schon wieder zu Grabe getragen werden musste. Stattdessen bekommt man, aber das wissen Sie sicher, einen mittelalten Herrn mit einem, bitte gestatten Sie, beneidenswerten Bartwuchs präsentiert. Doch während ich so über Ihren Bart sinnierte, fiel es mir wie Schuppen wie von den Augen. Ihre Wortmeldung hier ist von einem Generationenkonflikt getrieben. Frau Eisenlohr, Generation Y und digital Native, hat offensichtlich ein anderes Medienverständnis als Sie, Angehöriger der Generation X. Frau Eisenlohr geht in einer Art und Weise mit den Medien um, die Sie nicht nachvollziehen können. Sie nutzt die Medien und Sie werden, getrieben von Ihrem Selbstverständnis als vierte Gewalt, nicht gerne ausgenutzt.

        • Die Nachricht lautet: „GG“ hat sich in Szene gesetzt. Das gelingt ihm allerdings nicht halb so gut wie der von ihm kritisierten Oberbürgermeisterin. Woran das liegen mag?

      • Aber, aber, Sie sollten in dem Fall ihr Licht nicht so unter den Scheffel stellen, Hr. Dr. Wagner, Orthopäde ist doch ein höchst ehrenwerter Beruf.
        Ferndiagnosen, ohne persönliche Kunsultation des Patienten durch den behandelnden Arzt, werden ja in Fachkreisen unterschiedlich beurteilt, aber was soll ich sagen, ich bin ja keiner Ihrer Kollegen.

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