Rottweil. Der Gemeinderat hat den Haushaltsplan für das jetzt laufende Jahr beschlossen. Die Haushaltsreden der fünf Fraktionen machten zuvor deutlich, woran es fehlt – und was die Sprecherinnen und Sprecher für bedeutsam halten. Die Einlassungen eines Stadtrats wollen die beiden Vorsitzenden des Rottweiler Geschichts- und Altertumsvereins nicht so stehen lassen.
Das Dominikanermuseum, das Stadtmuseum und die Lorenzkapelle sind als Orte, an denen die Rottweiler Geschichte bewahrt und vermittelt wird, unverzichtbar. Das Team der Städtischen Museen um Museumsleiterin Martina Meyr leistet seit Jahren hervorragende Arbeit, gestaltet Ausstellungen mit kleinem Budget und hat mehrfach erfolgreich Drittmittel eingeworben. Trotzdem stellt Dr. Peter Schellenberg, Fraktionssprecher der Freien Wähler, das Dominikanermuseum als „Heilige Kuh“ in Frage.
In seiner jüngsten Haushaltsrede operierte er dabei mit fragwürdigen Zahlen. Schellenberg erwähnte zwar rund 4.000 zahlende Besucher (tatsächlich sind es 4.137), unterschlug jedoch, dass daneben gut 8.000 freie Eintritte gezählt wurden – darunter 164 Schulklassen und 141 Workshops. Schülerinnen und Schüler haben im Dominikanermuseum zu Recht freien Eintritt! Unerwähnt gelassen hat Schellenberg auch die rund 3.000 Touristen, die das Dominikanermuseum im Rahmen von Stadtführungen besuchten. Ebenso wenig ging Schellenberg auf die gut 7.000 Besucher des Stadtmuseums ein, zu denen nochmals rund 2.300 im Rahmen von Stadtführungen und 729 Besucher des Herrenkramer’schen Kripple kommen.
Zusammengerechnet – das weist der städtische Haushaltsplan penibel aus – haben die Museen der Stadt im Jahr 2024 mehr als 25.000 Besucherinnen und Besucher angezogen. Während andere Museen mit Besucherrückgängen kämpfen, haben sich die Besucherzahlen in Rottweil – auch im Vergleich zur Vorcoronazeit – verbessert. Zu diesen herausragenden Zahlen gilt es, dem Team der Städtischen Museen zu gratulieren und nicht dessen Arbeit in Frage zu stellen!
Das Dominikanermuseum ist ein Aushängeschild der Rottweiler Geschichte! Was wäre denn die Alternative? Orpheusmosaik und die der Stadt vom Geschichts- und Altertumsverein überlassene Römersammlung in ein Depot abschieben? Die Sammlung Dursch verscherbeln? Stadtmuseum schließen? Kleidle einmotten? Kripple stilllegen Angebote für Schulen einstellen? All dies wird mit dem von Schellenberg angesprochenen jährlichen Defizit geleistet.
Kultur gehört zur Daseinsvorsorge – wie Kindergärten oder Schwimmbäder! Das Dominikanermuseum und die Städtischen Museen sind kein „Millionengrab“, sondern leisten wertvolle Arbeit. Rottweil rühmt sich als „älteste Stadt Baden-Württembergs“. Dazu passt es nicht, ein erfolgreiches Museum infragezustellen. Die von Schellenberg immer wieder geäußerte Idee, das Museum „ans Land zurückzugeben“, funktioniert nicht. Dem Land gehört das Gebäude – und es unterhält es –; es wird aber kein Museum betreiben: In Aulendorf und Leinfelden-Echterdingen wurden die „Zweigmuseen des Landesmuseums“ geschlossen, als die Kommunen diese nicht mehr mitfinanzieren wollten. Wer Schellenbergs Idee folgt, der stellt das Dominikanermuseum in seiner Existenz in Frage: Es gilt dem OB, der Mehrheit des Gemeinderats und vermutlich selbst Teilen von Schellenbergs Fraktion zu danken, dass sie dies erkennen und das Dominikanermuseum in seiner Arbeit unterstützen. Wir begrüßen ausdrücklich alle Ideen, die dazu beitragen, die Attraktivität der Rottweiler Museen zu steigern. Das Dominikanermuseum mit fragwürdigen Zahlen in Frage zu stellen, wirkt allerdings eher wie ein persönlicher Kreuzzug.
Dr. Harald Sellner, 1. Vorsitzender Rottweiler Geschichts- und Altertumsverein
Johannes Waldschütz, 2. Vorsitzender Rottweiler Geschichts- und Altertumsverein



