Situation am Kindergarten Arche Noah in Rottweil: Die Leserbriefe

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Hinweis der Redaktion: Gerne veröffentlichen wir Leserbriefe zu Artikeln, die auf NRWZ.de erschienen sind, und zu Themen, die wir aufgegriffen haben. Der Inhalt dieser Leserbriefe gibt damit nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen. Wollen Sie selbst einen Leserbrief an die Redaktion senden? Dann nutzen Sie bitte die Adresse [email protected]

In zwei Zuschriften äußern sich Leserinnen und ein Leser zur aktuellen Situation am Kindergarten Arche Noah in Rottweil, an dem wegen Personalmangels die Betreuungszeiten gekürzt werden sollen. Julian Medvedec ist es als Vorsitzender des Gesamtelternbeirats der Stadt Rottweil ein Anliegen, „die Anstrengungen und die hingebungsvolle Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher und des gesamten Personals“ hervorzuheben. Hanna Wels fragt als betroffene Mutter, „wo die notwendigen innovativen Ideen zur Personalgewinnung bleiben.“ Und Afra-Verena Mang argumentiert, es gehe um nicht weniger als die Zukunft der Gesellschaft. Die NRWZ bringt die Leserbriefe im Wortlaut.

Wertschätzung für die unermüdliche Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

mit großem Bedauern möchte ich mich zu den jüngsten Veränderungen in der Betreuungszeit im Kindergarten Arche Noah in Rottweil äußern. Die Entscheidung, aufgrund von Personalmangel die Betreuungszeit von 17.30 Uhr auf 13.30 Uhr zu reduzieren, hat für uns als Eltern bedeutende Auswirkungen.

Dennoch möchten wir an dieser Stelle betonen, wie sehr wir die Anstrengungen und die hingebungsvolle Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher und des gesamten Personals in der Arche Noah schätzen. Ihre tägliche Hingabe, Geduld und Fürsorglichkeit prägen die Kindheit unserer Kleinen und schaffen eine warme und unterstützende Umgebung.

Wir sind uns bewusst, dass Personalmangel zu organisatorischen Herausforderungen führen kann und wir möchten unser Verständnis für diese Situation ausdrücken. Es ist uns wichtig anzuerkennen, dass die Erzieherinnen und Erzieher in dieser schwierigen Zeit ihr Bestes geben, um unsere Kinder zu betreuen und zu fördern. Im Hinblick auf den aktuellen Personalmangel im Kindergarten ist es essenziell zu betonen, dass Erzieherinnen und Erzieher nicht das Problem sind, sondern vielmehr eine entscheidende Komponente der Lösung darstellen.

Auf der Suche nach neuen Erziehern hoffen wir, dass sich bald qualifizierte und engagierte Fachkräfte finden, die sich ebenso mit Herzblut um die Entwicklung und das Wohlergehen unserer Kinder kümmern. Wir möchten Sie als Leser- und Wählerschaft ermutigen, die Bedeutung der Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher in unserer Gesellschaft hervorzuheben und angemessene Ressourcen bereitzustellen, um ihre wichtige Rolle weiter zu stärken.

In Zeiten wie diesen ist Solidarität und Verständnis entscheidend. Wir sind zuversichtlich, dass gemeinsame Anstrengungen die Situation verbessern können und die Bedürfnisse unserer Kinder wieder in den Mittelpunkt stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Julian Medvedec, Vorsitzender Gesamtelternbeirat Rottweil


Träge(r) ohne Lösungsideen

Im Kindergarten Arche Noah erhielten wir die Hiobsbotschaft, dass für mehr als 40 Familien die Ganztagesbetreuung wegen des enormen Fachkräftemangels einbricht. Alle Anstrengungen, diesen zu beheben, seien unternommen worden, so der kirchliche Träger.

Ich frage mich als betroffene Mutter, wo die notwendigen innovativen Ideen zur Personalgewinnung bleiben? ‚Träge‘, das trifft vermutlich am besten auf den Träger zu, wo man selbst in einer solchen Krisensituation nach wie vor auf gesetzlich vorgeschriebene Standards pocht. Wo bleiben Sonderlösungen und kreative Ansätze in der Personalgewinnung über Social Media, Zeitarbeitsfirmen oder die Einstellung von ausländischen Fachkräften oder was spricht in so einer Situation gegen Aushilfskräfte? Mir ist persönlich ein Fall einer Frau in Rottweil bekannt, die aus dem Einzelhandel in die Kinderbetreuung wechseln will. Ihr wurde wegen einer zwanzig Jahre zurückliegenden schlechten Deutschnote die so stark umworbene Umschulung verwehrt!

Solange wir über solche Hürden nicht hinwegkommen, wird sich zukünftig bei der Personalsituation nichts bewegen.

Die Aussage des Trägers, ‚dass alle Anstrengungen unternommen wurden‘, klingt hier nur wie Hohn in meinen Ohren. Alte Strukturen müssen endlich überdacht und kreative Wege gefunden werden, die andere Kommunen nicht gehen. Das sollte im Interesse der Wirtschaft, der Gesellschaft und nicht zuletzt zum Wohle unserer Kinder sein.

Hanna Wels


 

„Die Ganztagsbetreuung bricht ein“

Dringender Appell zur Erhaltung der Ganztags-Kindergartenplätze in Rottweil

Sehr geehrte Damen und Herren, mit großem Entsetzen und tiefer Besorgnis habe ich von der Entscheidung der katholischen Gesamtkirchengemeinde erfahren, 40 Ganztagesplätze in der Kindergartenbetreuung in Rottweil zu streichen. Diese Maßnahme ist nicht nur ein Schlag für die betroffenen Familien, sondern auch ein herber Verlust für Rottweil als familienfreundliche Stadt.

Es ist unverständlich, dass trotz des tatsächlichen Bedarfs, der hohen Nachfrage und der bestehenden Auslastung eine solche Entscheidung getroffen wurde. Die Frage, die sich hier aufdrängt, ist: In was genau werden die Steuern und Abgaben investiert, wenn nicht in die Zukunft unserer Kinder? Die Bedeutung von frühkindlicher Bildung ist den für diese Entscheidung Verantwortlichen wohl nicht bekannt.

Unsere Kinder sind das kostbarste Gut und die Zukunft unserer Gesellschaft, auch die der katholischen Kirche. Kindern eine qualitativ hochwertige Betreuung und Förderung zu ermöglichen, sollte eine Priorität sein. Nur wenn diese Betreuungs- und Bildungsangebote vorhanden sind, können die Eltern ihren beruflichen Tätigkeiten nachgehen und Steuern (auch Kirchensteuern) leisten.

Die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher wird ganz offensichtlich nicht wertgeschätzt. Dabei leisten sie einen unschätzbaren Beitrag zur Entwicklung unserer Kinder und unserer Gesellschaft, auch der Katholischen Kirchengemeinden. Dafür verdienen sie nicht nur lobende Worte, sondern auch eine angemessene Vergütung – beginnend bereits in der Ausbildungsphase.

Mit dem Wegfall dieser 40 Betreuungsplätze verliert Rottweil für Fachkräfte und ihre Familien deutlich an Attraktivität. Dies wird sich langfristig negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt auswirken. Familien, wie meine eigene, sehen sich gezwungen, einen Wohnortwechsel in Betracht zu ziehen.

Ich appelliere an die Verantwortlichen der katholischen Gesamtkirchengemeinde und der Stadtverwaltung, diese Entscheidung zu überdenken und im Sinne der Kinder, ihrer Familien und der gesamten kirchlichen und weltlichen Gemeinschaft von Rottweil zu handeln. Es geht hier nicht nur um Betreuungsplätze, sondern um die Zukunft unserer Gesellschaft.

Mit besorgten Grüßen

Afra-Verena Mang

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