Schramberg – Schlag Mitternacht wird es dunkel in der „Braustube“, heute Zorbas: Heulend kommen die Elferräte zurück ins Lokal, sie tragen die diesjährige Fasnet zu Grabe. Heulen und Wehklagen am offenen Grab. Doch die vier Stunden zuvor waren die unentwegtesten und Schramberg Narren beim „Rattenball“ nochmal zur Hochform aufgelaufen.
Vor dem Rathaus hatten sich die Narren bereits am frühen Abend von der diesjährigen Fasnet mit einem letzten Hanselsprung und Brezelsegen von der Straßenfasnet verabschiedet, die Stadtmusik spielte wehmütig „Sierra Madre“- danach gings heim zum Aufwärmen und trocken rubbeln.
Der Hansel und das Würschtle
Doch für den „Hirtenbub und die fünf Kühe“ ging es noch einmal rund. Der Elferrat hatte geladen – und die Wirtschaft war genagelt voll. Ein Mini-Hanselsprung mit je einem Bach-na-Fahrer, Hansel und Brüele zum Auftakt und einem Stilbruch. „I han e Würschtele vom Hansel kriegt“, freut sich empört eine Närrin.

Zunftmeister Tobias Dold tritt als Hütebub auf und berichtet, er sei auf dem Bauernhof auf eine neue Idee gekommen. Beerdigungen für „dode Henne“. Das koste 37,50 für eine und 80 Euro für zwei. „Mir pfeife auf de Milchpreis, mir mache Hennebeerdige.“
Für „Gute Laune links, gute Laune rechts“ sorgten anschließend fünf Elferfrauen – rätselhaft, was das mit dem Motto des Abends zu tun haben sollte….
Udo Neudeck als „hoorig Katz“
Dann kam die „Hoorig Katz“ zu Wort: Udo Neudeck ließ noch einmal die diesjährige Fasnet mit all ihren Tücken und Widrigkeiten vor den geistigen Augen der Rattenballgäste vorbeiziehen. Haupterkenntnis:
„Und dia Fasnet, dia war kurz,
So kurz wie Tarzans Lendenschurz.“
Lob gabs für die Narrenzeitung und Stefan Link mit seiner Redaktion. Auch der Zunftball kam gut weg.
Bei der Schlüsselübergabe habe die OB „leider nit übertriebe“ als sie festgestellt habe:
„Guck i num, guck i rum,
lauter Fettnäpfle um mi rum.“
In ein solches sei sie mit ihrer Bemerkung zum Gebäudealter und den Menschen beim Seniorenforum gedappt: Ab fünfzig seien beide halt reparaturbedürftig, hatte Eiselohr erklärt..

„Mei des war en Griff ins Klo,
Des frait die Katz: Narri, Narro!“
Er glossiert einen Streit zwischen Zunft und Wirtsleuten um zwei Zelte, greift die Geschichte mit dem Bittlosentransparent an der „Grüne Baum-Kurve“ auf und erzählt so manchen anderen Schwank um die diesjährige Fasnet.
So auch den, dass bei der Bach-na-Fahrt Stefan Link als Startfahrer gleich am Start gekentert war. Er hätte halt auf Siggi Brändle hören und keine Faxen machen sollen. Wäre er sitzen geblieben,
„dann wäre er nicht abgesoffen
und sein Zuber voll geloffen.“
Italienische Vorspeise
Nach einer Tanzrunde mit Jannik Bihler kommt der Hütebub zurück und fragt, wer bei der Kneipenfasnet war. Etliche Hände gehen in die Höhe. „Ha, na müssed Ihr dieselbe Gschicht halt nomal höre.“ Es geht wieder um die teure Katze „Apolonia“ von seinem Nachbar und seine eigene Katz. Gefragt, was das denn für eine Rasse sei: „Ha, des isch wie en italienischer Vorspeiseteller: von allem ebbes.“
Zum Trend, dass die Leute kaum noch Kinder haben, stellt er fest, „Meistens reiche die fünf Minute bei de Sternsinger.“
Dankeschön, Schwarzwurscht-Marie und Ampellos
Vier da-Bach-na-Fahrer, alias „Die Schlüppers“ singen voller Inbrunst: „Wir sagen Dankeschön, 90 Jahre de Bach na. Was wären wir ohne die Zuber, ohne die Da-Bach-na-Fahrt!“ und beim Refrain stimmt der Saal mit ein.

Der Hütebub hat noch ein „Liebeslied“ auf Lager:
„Zwei Ohre groß wie Teller und Auge wie ein Frosch,
auf der krumme Nas e Warz. an Steibruch in der Gosch“
Klar, wer das ist:
„Oh du wüeschte Schwarzwurscht-Marie,
i hau glei ab, wenn i di von weitem sieh.“

Martin Surm vom AE hat ein herrliches Liederpotpourrie zum Salamander von der Grüne Baumkurve: Von „Lurchi, Lurchi, Lurchi erzähl mir von Dir“ über „Dadadda, lass die Finger vom Salamanda“ bis es „Ampellos durch die Nacht“ geht und schließlich alle jubeln: „Jaaaa, er lebt noch, er lebt noch, er lebt…“

Link und Wald verzaubern
Mit einer internationalen Las Vegas-Zaubershow begeistern Stefan Link und Michael Wald. Zunächst mit der wundersamen Papiertuchvermehrung mit dem (Kleenex-) Zauberkistle.

Dann aber zerlegt Stefan seine Hoorig Katz in tausend Schnipsel – um sie Sekunden später wieder auferstehen zu lassen. Auch eine brennende Zigarette entsorgt er spurlos in einem roten Tuch. Als sich die beiden dann hinter einem Vorhang von Zauberern zurück in Elferräte verwandeln, ist die Illusion perfekt.
„Manchmal wünsch ich mir…“
Kurz vor Schluss kommt Bernd Dieterle vom AE mit seiner Gitarre als Psychiater Dr. Freundlich und erzählt von seinen Klienten. Er hat ein Lied von einem, der am Sonntag um halb drei immer alleine dasteht und schafft. „Ich geh“ alleinig zur Paartherapie“, bekennt er, „immer muss ich alles alleine machen.“
Als Zugabe gibt’s – natürlich – das Lied vom Brüele: „Manchmal wünscht ich mir, ich wär an Hansel…“

Zum guten Schluss, wenige Minuten vor Mitternacht überreicht Tobse noch dem Vertreter der weltbesten Stadtmusik Matthias Krause einen gelben Zylinder und lobt das Publikum: „Ihr seid die besten, die da waren!“
Teurer Trauerredner
Und dann, die Lichter erlöschen. Heulend kommen die Elferräte durch die Hintertür wieder ins Lokal und der Ehrenzunftmeister hebt zu seiner Grabrede auf die jüngst verblichene Fasnet 2026 an. Unter lautem Wehklagen der Trauergemeinde lässt Hubert Dold nochmal die Zeit seit der Geburt am 11.11. bis zum Rattenball Revue passieren. Bis er schließlich feststellt, die Elfer müssten sich nun einen neuen Trauerredner besorgen: „Ich bin zu alt – und zu teuer.“
Nochmals lautes Schluchzen und dann kehrt langsam Abschiedsstimmung ein. Die Narren verlassen das Lokal und gehen in die Nacht hinaus.



