Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytialvirus (RSV) sind in Deutschland die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen bei Säuglingen. Bis zu 70 Prozent aller Kinder stecken sich bereits im ersten Lebensjahr mit dem Virus an. Pro Saison erkranken bundesweit rund 25.000 Kleinkinder so schwer an RSV, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Spätestens innerhalb der ersten beiden Lebensjahre haben nahezu alle Kinder mindestens eine RSV-Infektion durchgemacht.
Auch im Landkreis Rottweil spielt das Virus eine Rolle: Im Jahr 2024 mussten dort 33 bei der AOK versicherte Minderjährige wegen einer RSV-Erkrankung stationär im Krankenhaus behandelt werden.
RSV-Infektionen können sehr unterschiedlich verlaufen. Während sie bei vielen Menschen nur leichte erkältungsähnliche Symptome verursachen, kann es bei Säuglingen, Kleinkindern und auch bei älteren Erwachsenen zu schweren Atemwegserkrankungen kommen. Auffällig ist, dass unter den Kindern, die wegen RSV im Krankenhaus behandelt werden müssen, etwa doppelt so viele Jungen wie Mädchen sind. Lange wurde die Verbreitung des Virus unterschätzt – tatsächlich kommt RSV weltweit vor.
Nach einer Ansteckung vergehen in der Regel zwei bis acht Tage, meist etwa fünf, bis die ersten Krankheitszeichen auftreten. Die Mehrheit der schweren RSV-Verläufe betrifft zuvor gesunde Säuglinge. „Bei Säuglingen erfordert eine RSV-Infektion in zwei bis drei Prozent der Fälle einen Krankenhausaufenthalt“, erklärt Dr. med. Ralph Bier, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg. Bei schweren Verläufen leiden die Kinder unter starkem Husten, bekommen plötzlich schlecht Luft und atmen deutlich schneller als gewöhnlich.
Jugendliche und Erwachsene infizieren sich häufig unbemerkt mit dem RS-Virus und geben es dann weiter. „Oft stecken sie dabei Kinder an“, so Dr. Bier. Bei Kleinkindern treten hingegen fast immer Symptome auf, da eine Erstinfektion meist schwerer verläuft als spätere Erkrankungen. RSV ist bereits einen Tag nach der Ansteckung ansteckend – noch bevor Betroffene selbst Beschwerden verspüren. Die Erkrankung dauert in der Regel drei bis zwölf Tage, der Husten kann jedoch mehrere Wochen anhalten. Eine dauerhafte Immunität entsteht nicht, weshalb Mehrfachinfektionen im Laufe des Lebens häufig sind.
Zum Schutz der Kleinsten empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO allen Neugeborenen und Säuglingen in ihrer ersten RSV-Saison eine einmalige Prophylaxe. Diese erfolgt mit dem Antikörper Nirsevimab und bietet einen sofortigen Schutz durch passive Immunisierung. Säuglinge, die zwischen April und September geboren wurden, sollen die Prophylaxe zwischen September und November erhalten. Neugeborene, die während der RSV-Saison von Oktober bis März zur Welt kommen, sollten sie möglichst rasch nach der Geburt bekommen.



