112 europaweit

Rettungsdienst: Heute ist der Tag des Notrufs – wegen des Datums 11.2.

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Leitstellendisponent Andreas Noth an seinem Arbeitsplatz: Per Computer, Telefon und Funk koordiniert er die Notfalleinsätze von Rettungsdienst und Feuerwehr. Foto. shu

Wer im euro­päi­schen Aus­land unter­wegs ist, muss nicht lan­ge nach der jeweils gel­ten­den Not­ruf­num­mer suchen: Über­all in der EU gilt die 112. Um die­se Tat­sa­che bekann­ter zu machen, haben ver­schie­de­ne Insti­tu­tio­nen den „Euro­päi­schen Tag des Not­rufs 112” ins Leben geru­fen

Wer weiß, wie lan­ge eine unkom­pli­zier­te Rei­se aufs euro­päi­sche Fest­land noch mög­lich ist? Ein Stu­dent aus Groß­bri­tan­ni­en nutzt die Zeit vor den Unwäg­bar­kei­ten des Bre­x­it für einen Urlaub in Deutsch­land und erkun­det zu Fuß die Umge­bung von Rott­weil. In einem Wald­stück wird er Zeu­ge, wie ein Auto von der eis­glat­ten Fahr­bahn abkommt und gegen einen Baum prallt. Er macht sich auf den Weg zum ver­un­glück­ten Auto, um gege­be­nen­falls Hil­fe zu leis­ten. Auf dem Weg dort­hin zückt er sein Han­dy und wählt den Not­ruf: 112.

Eine Fami­lie aus Rott­weil macht der­weil Urlaub in Grie­chen­land. Auf dem Weg zum Strand, das Auto bela­den mit Sand­spiel­zeug und Pick­ni­cku­ten­si­li­en, kommt der vor ihr fah­ren­de Wagen von der Stra­ße ab, über­schlägt sich und bleibt auf dem Dach lie­gen. Die Mut­ter lenkt das Auto auf die Sei­te, der Vater steigt aus und nähert sich dem Unfall­ort. Die Mut­ter wählt wäh­rend­des­sen die Not­ruf­num­mer. Und zwar? Genau, die 112.

Die­se bei­den erdach­ten Fäl­le zei­gen: Inner­halb der euro­päi­schen Uni­on blei­ben Rei­sen­den lan­ge Recher­chen nach natio­nal gel­ten­den Not­ruf­num­mern erspart. In der gesam­ten EU gilt die­sel­be Num­mer, die 112, und das bereits seit 1991. Dass dies so ist wis­sen aber Umfra­gen zufol­ge sehr weni­ge Euro­pä­er, in Deutsch­land waren es im Jahr 2013 weni­ger als ein Vier­tel der Bür­ger.

Um das zu ändern, haben das Euro­päi­sche Par­la­ment, der Rat der Euro­päi­schen Uni­on und die EU-Kom­mis­si­on im Jahr 2009 den Euro­päi­schen Tag des Not­rufs 112 ins Leben geru­fen. Die­ser Tag wird jedes Jahr am 11. Febru­ar began­gen. Na, Zah­len­spiel erkannt? Genau, am 11.2.

Wür­de der Stu­dent aus Groß­bri­tan­ni­en nun im Land­kreis Rott­weil die 112 wäh­len, könn­te es sein, dass Andre­as Noth sei­nen Anruf beant­wor­tet. Er ist stell­ver­tre­ten­der Lei­ter der Inte­grier­ten Feu­er­wehr- und Ret­tungs­leit­stel­le Rott­weil und nimmt dort im Wech­sel mit sei­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen die Not­fall-Anru­fe ent­ge­gen.

In der Leit­stel­le herrscht eine hoch kon­zen­trier­te, ruhi­ge Atmo­sphä­re, die im Gegen­satz steht zu der Auf­re­gung, die die Mit­ar­bei­ter mit eini­gen Knopf­drü­cken und Funk­sprü­chen in der gan­zen Gegend aus­lö­sen – wenn Gaf­fer, ange­lockt durch Feu­er­wehr­si­re­nen oder Hub­schrau­ber­ein­sät­ze, zu Unfall­or­ten eilen oder wenn die Ein­käu­fer im Super­markt über Gän­ge hin­weg her­aus­zu­fin­den ver­su­chen, in wel­che Rich­tung der Not­arzt wohl gefah­ren ist.

Die Mit­ar­bei­ter der Leit­stel­len sind hoch­qua­li­fi­ziert: Sie sind (min­des­tens) aus­ge­bil­de­te Ret­tungs­as­sis­ten­ten mit lang­jäh­ri­ger Erfah­rung und waren zusätz­lich im feu­er­wehr­tech­ni­schen Dienst tätig. Hin­zu kommt die Wei­ter­bil­dung zum Leit­stel­len­dis­po­nen­ten. Sie müs­sen in der Lage sein, in einem kur­zen Gespräch die rich­ti­gen Fra­gen zu stel­len, gege­be­nen­falls Men­schen in emo­tio­na­len Aus­nah­me­si­tua­tio­nen zu beru­hi­gen, die Lage vor Ort zu erfas­sen und die nöti­gen Schrit­te ein­zu­lei­ten: Ist über­haupt ein Ein­satz von Ret­tungs­dienst oder Feu­er­wehr not­wen­dig und wenn ja, in wel­chem Umfang? Wel­cher Ret­tungs­wa­gen ist gera­de wo unter­wegs, wer könn­te schnell vor Ort sein?

Falls gera­de vie­le Not­ru­fe gleich­zei­tig ein­ge­hen, gilt es zudem, die Schwe­re der Fäl­le zu kate­go­ri­sie­ren: Ein Pati­ent mit einer Platz­wun­de muss etwas län­ger war­ten, wenn gleich­zei­tig ein bewusst­lo­ser Pati­ent reani­miert wer­den muss.

Die Leit­stel­len­dis­po­nen­ten sit­zen vor einer ein­drucks­vol­len Wand aus Moni­to­ren und jon­glie­ren mit Daten, Tabel­len und Land­kar­ten. Für einen Außen­ste­hen­den ist es unmög­lich, die genau­en Abläu­fe zu über­bli­cken, gehen doch lau­fend neue Anru­fe ein. Im Jahr 2018 waren es in der Leit­stel­le Rott­weil 21.600 Not­ru­fe, die über die Not­ruf­num­mer 112 ein­ge­gan­gen sind, durch­schnitt­lich 60 pro Tag.

Auf Anru­fe auf Deutsch und Eng­lisch sind die Mit­ar­bei­ter der Leit­stel­le ein­ge­stellt, der Stu­dent aus Groß­bri­tan­ni­en hät­te also kei­ne Sprach­bar­rie­ren zu fürch­ten. Spricht ein Anru­fer kei­ne die­ser Spra­chen, kön­nen ande­re Leit­stel­len unkom­pli­ziert um Hil­fe gebe­ten wer­den.

Ist auch die­ser Schritt erfolg­los, steht den Dis­po­nen­ten als „Notan­ker” ein pho­ne­ti­sches Hilfs­pro­gramm zur Ver­fü­gung: eine Lis­te von Fra­gen und Ant­wor­ten, die laut­sprach­lich notiert sind und von den Leit­stel­len­mit­ar­bei­tern abge­le­sen wer­den kön­nen. Ganz im Sin­ne des inter­na­tio­na­len Funk­ver­kehrs: Der Begriff „May­day”, der dort in Not­fäl­len ver­wen­det wird, lei­tet sich von der eng­li­schen Inter­pre­ta­ti­on des fran­zö­si­schen „(Venez) m’aider” ab: Hel­fen Sie mir! 

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