NRWZ.de, 19. Mai 2022, Autor/Quelle: Johannes Dürr

Das Quartett der Wundersamen

Volles Haus, Gesang vom Feinsten und dazu noch ein Trio allerhöchster Güteklasse: Thomas Quasthoff & Band spielen beim Jazzfest auf. Zwei Sets, knapp zwei Stunden mit vornehmlich jazzigen Liedinterpretationen – das Publikum dankt mit Standing Ovations.

Viel ist schon geschrieben worden über Thomas Quasthoff, den kleinen Sänger mit der großen Stimme, seinen Wechsel vom klassischen Fach in den Jazzgesang, der ihn selbst immer wieder neu begeistert, zumal er in Rottweil auch noch mit „der geilsten Band der Welt“ auf der Bühne steht. Wundersam ist es in der Tat, was dieses Quartett am Donnerstagabend in der Alten Stallhalle kredenzt – die ihnen übrigens so gut gefällt, dass sie versprechen wiederzukommen.

Nun sind Quasthoffs Mitstreiter in Rottweil durchaus keine Unbekannten: Simon Oslender am Klavier; Dieter Ilg am Kontrabass und Wolfgang Haffner am Schlagzeug, allesamt Größen der europäischen Jazzszene, waren schon in diversen Kontexten vor Ort und spielen an diesem Abend wie ein Uhrwerk miteinander, als wären sie schon so auf die Welt gekommen.

Gemeinsam kartografiert das Quartett der Wundersamen etliche wohlbekannte Stücke neu, zieht Lennons „Imagine“ auseinander, regruppiert „I cant’stand the rain“, tupft „Somewhere over the rainbow“ mit ganz eigenem Strich auf die Landkarte und wirft auch ein paar Eigenkompositionen in den Raum. Haffners „Tres hermanos“ und das von Quasthoff launig als „Klamottenladen“ angesagte „Warehouse“ von Oslender eröffnen den Instrumentalisten zusätzliche Räume, die sie behände nutzen. In der swingenden Leichtigkeit und präzisen Wucht ihres Spiels wird wieder und wieder die Virtuosität ihres Einzel- und Zusammenspiels deutlich, vereinen sich Keys, Drums & Bass zu einem fliegenden Klangteppich auf ganz eigener Umlaufbahn.

Quasthoff umrahmt und gestaltet den Abend sowohl mit launigen Ansagen – „Und zusammen, meine Damen und Herren, sind wir die Jacob Sisters“ – als auch gesanglich mit größter Ausdrucksstärke, dem volltönenden Umfang eines Bassbaritons und der Vielseitigkeit seines Organs, das auch ganz ohne Begleitung in einem langen Solopart vor der Pause rundum glänzt. Und nicht nur dort: „It‘s magic“, diesen Titel von Stevie Wonder hat Quasthoff nicht ohne Grund gewählt – genau wie am Schluss Brahms’s Schlaflied. Sonst wären wohl alle zu gern noch eine dritte Stunde geblieben…

Info: Mehr unter www.jazzfest-rottweil.de

Das Quartett der Wundersamen