„Ich wollte ihm die Schnauze polieren”

Ver­such­ter Tot­schlag: Mit Smart gegen Rad­fah­rer

Ein 42-jäh­­ri­ger Fami­li­en­va­ter aus einer Kreis­ge­mein­de muss sich seit Mon­tag vor dem Rott­wei­ler Land­ge­richt wegen ver­such­tem Tot­schlag ver­ant­wor­ten. Die Staats­an­walt­schaft wirft dem in Kasach­stan gebo­re­nen Deut­schen vor, am 13. August ver­gan­ge­nen Jah­res einen Rad­fah­rer absicht­lich ange­fah­ren zu haben. Den Mann hat­te ver­däch­tigt, sei­ne damals 16-jäh­­ri­ge Toch­ter ver­ge­wal­tigt und geschwän­gert zu haben.

Ver­such­ter Tot­schlag, gefähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr und gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung, so lau­tet die Ankla­ge. Die Tat geschah auf der Abbie­ge­spur vor der Hoch­brü­cke, das Opfer wur­de damals nur leicht ver­letzt und flüch­te­te.

Er habe noch ver­sucht, ihn zu ver­fol­gen, so der gestän­di­ge Ange­klag­te, aber er habe das fal­sche Schuh­werk getra­gen. „Ich woll­te ihm die Schnau­ze polie­ren”, so der 42-Jäh­­ri­ge, der auch zugab, dass ihm spä­ter, als er meh­re­re Wochen in U‑Haft saß, klar­ge­wor­den sei, dass er „den Bogen über­spannt” habe.

Aus­führ­lich erzähl­te der sechs­fa­che Vater von der 16-Jäh­­ri­gen, die nie aus­ge­gan­gen und das Lieb­lings­kind des Opas gewe­sen sei, ein rich­ti­ges Kind noch und sehr ver­schlos­sen. Das spä­te­re Opfer, ein 43-Jäh­­ri­ger, sei sei­ner Toch­ter stän­dig gefolgt. Der Vater habe des­we­gen auch die Poli­zei ein­ge­schal­tet, aber die habe nichts getan.

Am Mor­gen der Tat habe er sei­ne hoch­schwan­ge­re Toch­ter zur Cari­tas und zum Job­cen­ter beglei­ten müs­sen. „Das hat mich fer­tig gemacht”, denn das Mäd­chen habe wegen der Schwan­ger­schaft ihre Aus­bil­dung abbre­chen müs­sen.

Deut­lich wur­de auf Nach­fra­gen der Kam­mer auch, dass der Ange­klag­te ein sehr reli­giö­ser Mensch ist. Er glau­be nicht dar­an, dass der Mensch vom Affen abstam­me, son­dern von Gott geschaf­fen wor­den sei. Die Part­ner der älte­ren Kin­der dürf­ten nicht im Haus über­nach­ten, eine rich­ti­ge Bezie­hung habe es erst nach der Hoch­zeit zu geben.

Die damals 16-Jäh­­ri­ge hat­te sich offen­bar zunächst ihrer Aus­bil­de­rin anver­traut und dann einer Mit­ar­bei­te­rin der Schwan­ger­schafts­be­ra­tung der Cari­tas. Gemein­sam mit die­sen bei­den Frau­en hat­te sie dann erst den Eltern von der Schwan­ger­schaft erzählt. Vor Gericht woll­te die jun­ge Frau nichts aus­sa­gen.

Der Ange­klag­te selbst konn­te sich an sei­nen Angriff mit dem Smart nach eige­nen Anga­ben nicht erin­nern, wuss­te nicht mehr, was er in dem Moment gedacht hat­te, als er mit dem Smart auf den Rad­fah­rer zuge­fah­ren war. Nur dar­an erin­ner­te er sich: dass er sei­nem Opfer zunächst nach­ge­rannt und danach die Unfall­stel­le auf­ge­räumt und die Poli­zei geru­fen hat­te.

Nach Aus­sa­gen von Zeu­gen, unter ande­rem der Poli­zei, sei er eine gerau­me Zeit auf der Abbie­ge­spur Rich­tung Stadt­gra­ben gestan­den, obwohl die Ampel auf Grün zeig­te. Dann sei er direkt auf den ent­ge­gen­kom­men­den Rad­fah­rer zuge­fah­ren. Und habe abge­bremst, der Rad­fah­rer lag da vor sei­nem Auto. Der Smart, so ein KfZ-Sach­­ver­­­stän­­di­ger, kön­ne trotz sei­ner gerin­gen Grö­ße eine töd­li­che Waf­fe sein. Der Ange­klag­te selbst beton­te immer wie­der, er habe das Opfer nur „boxen” wol­len.

Ein Ver­fah­ren gegen die­sen Mann wegen der angeb­li­chen Ver­ge­wal­ti­gung des Mäd­chens ende­te mitt­ler­wei­le mit Freispruch.Moni Mar­cel

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