Montag, 15. April 2024

Außer-Haus-Verkauf am Bettlinsbad: nach Polizeieinsatz beendet

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Nach einem Polizeieinsatz am Bettlinsbad bei Rottweil haben dessen Betreiber ihren Außer-Haus-Verkauf beendet, den sie eigentlich am heutigen Sonntag hätten fortsetzen wollen*. Mit drei Streifenwagen seien die Beamten angerückt, hätten freundlich, aber bestimmt auf die geltende Corona-Verordnung hingewiesen. Die Polizisten hätten auf eine Anzeige hin gehandelt, heißt es.

Das Problem vor Ort, so schildern es die Betreiber des Ausflugslokals Bettlinsbad, habe nicht im eigentlichen Verkauf von Speisen und Getränken bestanden. Sondern darin, dass sich die Käufer anschließend auf dem Gelände der Gaststätte aufgehalten hätten, also nicht weitergegangen wären. „Wir haben Plakate aufgestellt“, sagt Marianne Burgbacher, Beitreiberin des Bettlinsbads, in einem am Sonntag in sozialen Medien veröffentlichten Video. Sie könne doch nicht ständig die Leute dazu auffordern, weiterzugehen. Das sei doch unmöglich. Und es mache ihr und den Gästen gleichermaßen keinen Spaß.

Zehn Polizisten sollen es mindestens gewesen sein, die in drei Streifenwagen zum Bettlinsbad angerückt sind, erzählt Burgbacher in dem Video weiter. Einer der Beamten habe mit ihr gesprochen, er sei „brutal nett“ gewesen. Er habe ihr aber erklärt, dass ihm eine Anzeige vorliege, er und seine Kollegen müssten danach schauen. Sie bekomme eine Verwarnung, so Burgbacher, da sich niemand auf ihrem Gasthaus-Gelände habe aufhalten dürfen.

Die Folge nun: Der Außer-Haus-Verkauf am Bettlinsbad ist eingestellt. „Ich lasse zu, solange, bis man sich auf unserem Gelände wieder frei entfalten kann“, sagt Burgbacher. Sie wolle zuwarten, bis in Rottweil Biergärten wieder öffnen dürfen. Einen Termin kann sie nicht nennen: „Planen kannst Du heutzutage nichts mehr.“

UPDATE – Marianne Burgbacher meldete sich am Sonntagmittag zu Wort. Sie präzisiert, „dass der Kontroll-Einsatz durch einen Anruf ausgelöst wurde, der aber zu keinen nennenswerten Beanstandungen vor Ort und nicht zur Schließung, wohl aber zu einer mündlich ausgesprochenen Verwarnung geführt hat.“

Burgbacher erklärt weiter:

Tatsächlich müssen immer wieder, trotz massenhafter Hinweisbeschilderungen, Besucher darauf hingewiesen werden, dass der Aufenthalt auf dem Gelände zum Verzehr von Speisen und Getränken nicht erlaubt ist. Was allerdings (Gott-sei-Dank nur in Ausnahmefällen) nicht unbedingt auf grundlegendes Verständnis stößt. Bei allem logistischen Aufwand ist es eine zusätzliche Belastung, immer noch die Situation auf dem Gelände im Auge zu behalten und die Gäste auf coronakonformes Verhalten hinzuweisen. Und es verursacht während des ganzen Betriebs einfach ein gewisses ungutes Gefühl und ein ‚Grummeln im Bauch‘.

Letztendlich hat uns jetzt aber tatsächlich die von der Polizei ausgesprochene ‚Verwarnung‘ zu unserer Entscheidung veranlasst, den Betrieb vorläufig wieder komplett einzustellen. Wir möchten einfach nicht riskieren, die von uns beantragten und dringend benötigten Überbrückungs- und Hilfsgelder in – trotz großer Bemühungen alles richtigzumachen – möglicherweise fällig werdende Bußgelder ‚investieren‘ zu müssen.

Wir werden definitiv im Mai nicht mehr öffnen, aber in dieser Zeit unsere Energie in die bereits begonnenen Umbau- und Anbaumaßnahmen, in die Mitarbeitersuche und in die Vorbereitungen für die Zeiten stecken, in denen wieder ein halbwegs normaler Betrieb mit überschaubaren Vorschriften und Maßnahmen möglich ist – hoffentlich ab Anfang des nächsten Monats. 

Unsere zahlreichen, uns wohlgesonnenen Gäste und Kunden bitten wir für unsere Entscheidung um ihr Verständnis und freuen uns mit großem Optimismus auf hoffentlich wieder bessere Zeiten. 

Marianne Burgbacher, Betreiberin des Bettlinsbads

Das Bettlinsbad hatte am Vatertag erstmals geöffnet, zudem am Samstag. Auch am heutigen Sonntag wollten Burgbacher & Co. Wieder Speisen und Getränke zum Mitnehmen anbieten. Das fällt nun aus.

Auf der Facebook-Seite des Bettlinsbads hat eine Nutzerin eine klare Meinung zu dem Vorfall:

Also mal ganz ehrlich, welches Rindvieh, sorry für die Ausdrucksweise, hat euch angezeigt??!! Mittlerweile muss man sich echt über unsere Mitmenschen wundern! Wir fanden es toll, dass wir zumindest wieder etwas holen und eure leckeren Sachen genießen konnten!

Facebook

*In der ersten Version dieses Beitrags schrieben wir, die Polizei habe den Außer-Haus-Verkauf beendet. Dies ist falsch. Vielmehr haben die Betreiber des Bettlinsbads aus freien Stücken nach dem Polizeieinsatz den Verkauf beendet.

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NRWZ-Redaktion
Unter dem Label NRWZ-Redaktion beziehungsweise NRWZ-Redaktion Schramberg veröffentlichen wir Beiträge aus der Feder eines der Redakteure der NRWZ. Sie sind von allgemeiner, nachrichtlicher Natur und keine Autorenbeiträge im eigentlichen Sinne. Die Redaktion erreichen Sie unter [email protected] beziehungsweise [email protected]

9 Kommentare

  1. Immer wieder herrlich zu lesen, wieviel Epidemiologen, virologische Experten und empörte Bürger immer dann auftreten, wenn Not am Mann ist. Da wird einem Neid, Missgunst oder Denunziantentum unterstellt, wenn man hochgradig bedenkliche Veranstaltungen meldet. Zur Info für alle: Es sind genau solche „nett gemeinten“ Veranstaltungen, wegen derer unsere Kinder weiterhin nicht in die Schule können, wegen derer wir noch immer eine Ausgangssperre haben und noch immer Menschen mit schweren Folgen an Covid erkranken oder gar sterben. Nochmal eine Info an alle: jeden Abend kann man völlig problemlos im Stadtgebiet Rottweil kleine Grüppchen Mitmenschen „hochnehmen“, die die Ausgangssperre und so ziemlich alle Corona-Verordnungen brechen. Allein im Schützen sitzen nach 22 Uhr JEDEN Abend trinkfeste Feierabendpolitiker bei einem kleinen Schauerlicht zusammen und bechern Runde um Runde. Woher ich das weiß? Ich hab nen Vierbeiner und gucke dort auf unserer Runde jeden Abend nach. Gemeldet hab ich das aber noch nie.

    • Ist das ihr Ernst? Zeigen Sie doch anhand Zahlen, Daten und Fakten wo die kranken Menschen in unserem Kreis sind!!
      Wie ich Ihren Text deute haben Sie nur einen Freund (der beste Freund des Menschen) Haha.
      Warum treffen sich viele heimlich, weil jeder weiß dass es so langsam erbärmlich wird, wie mit uns Menschen umgegangen wird. Als Familienvater und sozial engagiertem Mann spüre ich wie es vielen anderen geht… so ziemlich scheiße. Kinder dürfen kein Sport machen, die Lehrer verdienen fürs Nichtstun L und neben der Arbeit eines Ottonormalsterblichen muss man noch Schule machen, aber Geld bekommt man nicht. Und unser erbärmlicher Staat sperrt Millionen Menschen ein und verbietet alles, nur weil ein Bruchteil krank ist. Nicht zu vergessen, dass „anderen“ Kranken lebensnotwendige OPs und Behandlungen versagt wurden. Es gibt noch viel mehr…
      Bei solchen Aussagen wie Ihrer empfinde ich nur noch Hass…

  2. „Der größte Lump im ganzen Land, das war und ist der Denunziant“. Solche RIALOS ( Riesen……. A………. Löcher……….!!)sitzen auch am Fenster und melden Falschparker.

    • Solch hartes Wort nimmt mich Wunder. Hätte ein ehemaliger Legislativer nicht freudig entzückt sein müssen, dass der gemeine Bürger die von Ihnen dereinst vielleicht sogar selbst mit erlassenen gesetzlichen Segnungen, aus welchen heraus wieder die ganzen Verordnungen, Regeln, Bestimmungen und Erlasse entsprungen sind, derart getreulich umsetzt?
      Preisen wir doch lieber die Götter, dass es sich bei den Verdächtigen um „Ausflügler“, also eher um die wahlberechtigte und altersgerechte Stammklientel gehandelt hat, so blieb es bei einer Ermahnung an die Gastronomin.
      Bei fünf Jugendlichen wäre es wohl dreimal soviel „Sicherheit“ gewesen und am nächsten Tag wäre von einem „wichtigen Staatsakt der inneren Sicherheit im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes“, zu berichten gewesen, natürlich mit neckischem Seitenhieb auf die für die Delinquenten zu erwartenden drakonischen Strafen.

  3. Wie schade. Und wie blöd. Es saßen die Leute ja sicher nicht in Trauben und bunt gemischten, unterschiedlichen Haushalten eng auf eng. Und was – wenn da Gäste mit der Wurst in der Hand nicht erst eine Wanderung machen – Ich bin sicher, aus Infektionsschutzgründen war das vollkommen unbedenklich. Das war reine Kleinlichkeit.

  4. Schulmeisterhaftigkeit, Denunziantentum, Neid oder Missgunst wie soll man es auf Seiten der anzeigenden Person nennen? Bequemlichkeit, fehlende Rücksichtnahme, Ausgelassenheit, Ignoranz auf Seiten der „Einkehrer“?
    Traurig, traurig. Anstatt dass man sich vorsichtig darüber freut an den auflockernden Kleinigkeiten in dieser teils nicht mehr sinnvoll nachvollziehbaren Coronamaßnahmen-Zeit. Die Gesellschaft triftet in eine sehr ungute Richtung.
    Man schämt sich immer mehr ein Staatsbürger diesen Landes zu sein.

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