Rottweiler Achert-Schule für Staatspreis Baukultur nominiert

Für NRWZ.de+ Abonnenten: 

Wenn am 25. Juni die Staatspreise Baukultur vergeben werden, könnte auch ein Projekt aus Rottweil im Mittelpunkt stehen: der Umbau der Achert-Schule. Durch diesen sei das Sichtbetongebäude zu einem transparenten, kinderfreundlichen Ort gemacht worden. Dafür gibt es wenigstens Anerkennung, vielleicht sogar einen Landespreis.

Mit dem Staatspreis Baukultur will das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen besonders innovative, beispielhafte und übertragbare Lösungen für die planerischen und baulichen Herausforderungen in Baden-Württemberg loben. Unter dem Motto „Umbaukultur“ steht 2024 das Umbauen und Weiterdenken von Städten und Gemeinden in allen Dimensionen und Facetten im Mittelpunkt. 

Eine unabhängige Jury hat für den Staatspreis Baukultur 2024 sowie für den erstmals zu vergebenden Publikumspreis insgesamt 27 Projekte in neun Kategorien nominiert. In jeder Kategorie werden ein Preis sowie zwei Anerkennungen vergeben. 

In einer der Kategorien ist die Rottweiler Achert-Schule nominiert – in der Sparte „Bauen und Bildung für Forschung“. Der Schulbau aus den 1970er Jahren sei zu einer Ganztagssonderschule mit Beratungszentrum und Grundschulförderklassen umgebaut worden, heißt es im Begleittext. „Das markante zweigeschossige Sichtbetongebäude mit schweren Holzeinbauten war ein typisches Beispiel für den architektonischen Brutalismus. Durch die Umbau- und Sanierungsmaßnahmen wurde aus dem zweigeschossigen, expressiven Schulgebäude ein transparenter, kinderfreundlicher Ort“, so die Begründung für die Nominierung.

Weiter heißt es: Die Schule sei energetisch, haus- und brandschutztechnisch sowie bezüglich Schadstoffen sanier wordent. Ebenso habe man alle Wand-, Decken- und Bodenoberflächen und Fenster erneuert und einen gläserner Aufzugsturm errichtet. Durch die Einhausung des früheren überdachten Pausenbereichs, die zu einer kompakteren Gebäudegeometrie führte, sei gleichzeitig eine zusätzliche Mensa- und Aufenthaltsfläche entstanden. „Der das Gebäude besonders prägende Sichtbeton wurde weitestgehend erhalten, kontrastiert aber jetzt mit in weiß gehaltenen Innenausbauten, Belägen und farbigem Mobiliar, was dem Gebäude etwas die Schwere der ursprünglichen Fassung nimmt“, heißt es. Besonders unkonventionell geraten sei der Schutz und die Dämmung der Wetterseite mittels einer vorgestellten Isolierverglasung, die in ihrer Erscheinung schwer und leicht miteinander verbindee und dem Gebäude trotz weitgehendem Substanzerhalt einen neuen zeitgemäßen Charakter verleihe.

Mit einer Vielzahl von kleineren und größeren, überwiegend additiven Maßnahmen […], ist es gelungen, einen angemessenen energetischen Standard zu erreichen, ohne dabei die Qualitäten des Bestands aufgeben zu müssen.

Aus dem Nominierungstext für den Staatspreis Baukultur 2024

Der Umbau der Achert-Schule, die in der Steinhauserstraße in Rottweil liegt, ist im Januar 2023 fertiggestellt worden. Projektträgerin war die Stadt Rottweil.

„Die Stadt Rottweil saniert seit Jahren und mit hohem finanziellem Aufwand ihre Schulgebäude. Es freut uns sehr, dass es die Achert-Schule unter die letzten drei Bewerber für den Landespreis geschafft hat. Mit einer ansprechenden Architektur, die alt und neu verbindet, haben wir für die Schülerinnen und Schüler eine Lernumgebung geschaffen, die auch architektonisch ihren Reiz hat“, so Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf in einer ersten Reaktion. 

Um die charakteristische Sichtbetonarchitektur zu erhalten, wurde in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Löffler aus Rottweil ein architektonisches Konzept mit hochgedämmten Glasfassaden entwickelt. So konnte etwa ein bislang offenes Atrium in das Gebäude einbezogen und die wetterempfindliche Westseite mit einer gläsernen Vorhangfassade geschützt werden. „So gelang eine Verbesserung der Gebäudegeometrie, was neben der Energieeinsparung auch als Mehrwert einen großzügigen Mensa- und Aufenthaltsbereich mit sich brachte“, erklärt Fiss. Im Westen wurde zudem ein Aufzugsturm angebaut, um eine barrierefreie Verknüpfung beider Geschosse zu erhalten. Weiterer Vorteil der Sanierung im Vergleich zu einem Neubau: Durch den Erhalt der Stahlbeton-Grundstruktur konnte die sogenannte „graue Energie“, die in jedem Bestandsgebäude als Ressourcen-Energie aus der Bauzeit steckt, übernommen werden – ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz. 

Die Sanierung der Schule kostete rund 6 Millionen Euro und wurde über das Schulsanierungsprogramm des Landes Baden-Württemberg in Höhe von 1,4 Millionen Euro gefördert. 

Der Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg ist die höchste Auszeichnung des Landes für beispielhaftes Planen und Bauen. Er wurde bisher zweimal verliehen, in den Jahren 2016 und 2020. Er ist ein zentrales Element der Landesinitiative Baukultur Baden-Württemberg, deren Ziel die Stärkung und Förderung der Planungs- und Baukultur im Land ist.

Mit dem Staatspreis Baukultur 2024 werden Bauprojekte, städtebauliche Maßnahmen sowie Initiativen prämiert, die zwischen dem 1. Januar 2019 und 30. April 2023 in Baden-Württemberg realisiert wurden und beispielhaft für eine qualitativ hochwertige und nachhaltige baulich-räumliche Weiterentwicklung und Gestaltung der Städte und Gemeinden des Landes sind. Alle Bau- und Planungsbeteiligten waren aufgerufen, Projekte einzureichen: von der Stadtplanung, dem Hoch- und Ingenieurbau über die Grün- und Freiraumplanung, die Innenarchitektur und das Design bis hin zum Bauhandwerk. 

Nach der feierlichen Preisverleihung in der König-Karl-Halle wird die Wanderausstellung des Staatspreises Baukultur Baden-Württemberg 2024 eröffnet. Sie kann dann im Land auf Reise gehen.

Info: Die Achert-Schule ist ein einzügiges sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen mit ergänzendem Angebot sowie ganztägigem Charakter. Das Einzugsgebiet umfasst die Stadt Rottweil und den südlichen Landkreis. Das Gebäude wird außerdem auch von der benachbarten Grundschule (Eichendorffschule) für die Grundschulförderklassen genutzt.
Peter Arnegger (gg)https://www.nrwz.de
... ist seit gut 25 Jahren Journalist. Mehr über ihn hier.