Testturm-Architekt Helmut Jahn verstorben

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Er entwarf den Rottweiler Testturm gemeinsam mit Werner Sobeck, prägte zudem das Gesicht von Metropolen auf der ganzen Welt: Der Architekt Helmut Jahn ist tot. Er starb laut Medienberichten am Wochenende bei einem Fahrradunfall nahe seiner Wahlheimat Chicago.

Beim Richtfest für den Rottweiler Testturm: Helmut Jahn (rechts), hier mit Oberbürgermeister Ralf Broß. Archiv-Foto: Andreas Linsenmann

UPDATE – Zum Tod von Helmut Jahn hat sich Rottweils Oberbürgermeister Ralf Broß zu Wort gemeldet. „Heute Morgen hat uns die traurige Nachricht aus Chicago erreicht, dass Helmut Jahn bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Rottweil trauert um den Architekten des Testturms von TK Elevator“, so Broß in einem ersten Statement. „Der Turm mit Deutschlands höchster Aussichtsplattform und einer unverwechselbaren Architektur hat sich in wenigen Jahren zum neuen Wahrzeichen unserer Stadt entwickelt.“ Helmut Jahn hat sich als Architekt des Sony Centers in Berlin oder des Frankfurter Messeturms international einen Namen gemacht. Der Testturm ist sein letztes großes Werk, das noch zu Lebzeiten vollendet wurde. „Helmut Jahn hatte die Entwürfe 2014 im Rahmen einer Bürgerversammlung persönlich vorgestellt und die Menschen in Rottweil mit der Idee seines ,Tower of Light‘ begeistert. Es war auch seine Idee, dass der Testturm mit einem großen Bürgerfest eingeweiht wird“, erinnert sich Broß. 40.000 Besucher nahmen 2017 am „Turmfest“ teil und einer der begeisterten Teilnehmer war Helmut Jahn selbst, der eigens aus den USA anreiste, um bei der Einweihung dabei zu sein. „Es ist sehr schade, dass er den Bau der rund 600 Meter langen Fußgänger-Hängebrücke zwischen ,seinem‘ Turm und unserer historischen Innenstadt über das Neckartal hinweg nicht mehr erleben konnte. Jahn hat die Wirkung des Turms im Wechselspiel mit der Stadt und der Landschaft stets betont. Die  begehbare Verbindung zwischen Zukunft und Historie, zwischen Moderne und Tradition hätte ihm sicherlich gefallen.“

Der von Helmut Jahn entworfene „Tower of Light“ wurde 2017 eingeweiht und gilt als neues Wahrzeichen Rottweils (Foto: Stadt Rottweil).

Für den ThyssenKrupp-Aufzugstestturm war Jahn voll des Lobes: „Hier entsteht so etwas wie ein Wunder“, sagte der Architekt Mitte 2015 beim Richtfest in Rottweil. Die Vergangenheit mit der Zukunft verbinden, das sei seine Intention mit dem Gebäude gewesen. „Wer Geschichte hat, kann nur Geschichte machen, wenn er etwas Neues macht“, sagte der 75-Jährige damals. Er hatte unter anderem das Sony Center in Berlin gebaut, in Frankfurt am Main den Messeturm.

Nun ist Jahn im Alter von 81 Jahren ums leben gekommen. Er starb nach übereinstimmenden Medienberichten bei einem Fahrradunfall. Dieser habe sich in Campton Hills ereignet, einem rund 50 Kilometer westlich vom Stadtzentrum gelegenen Vorort Chicagos im US-Bundesstaat Illinois. Jahn habe ein Stoppschild nicht beachtet, sei mit zwei Autos zusammengeprallt.

Helmut Jahn ist 1940 als Sohn eines Sonderschullehrers in Nürnberg geboren worden, wuchs im fränkischen Zirndorf auf. 1965 schloss er sein Architekturstudium an der Technischen Universität München ab.

In Rottweil machte er gemeinsam mit Sobek den Testturm zu einem Anziehungspunkt und Touristenmagneten. „Der Turm soll ein Bauwerk für alle Bürger sein, nicht allein für ThyssenKrupp“, sagte er. Das Bauwerk solle zudem kein reiner Zweckbau sein, sondern „als Kunstwerk in die Landschaft hinein wirken“.

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