Da freut sich der Guller: Auch nach einer Satzungsänderung kommt die nächste Fasnet bestimmt. Archiv-Foto: Andreas Linsenmann

Kein Ver­gleich mit dem Auf­schrei nach Bekannt­wer­den der geplan­ten Sprung­ver­lauf­s­än­de­rung vor drei Jah­ren (dem die Nar­ren­zunft Rott­weil damals auch mit Ruhe begeg­ne­te): Die von der NRWZ ges­tern bekannt gemach­te geplan­te Ände­rung der Sat­zung stößt bei den Rott­wei­ler Nar­ren offen­bar nicht auf nen­nens­wer­ten Wider­stand. Son­dern auf Ver­ständ­nis. Ein paar Fra­gen sind noch offen geblie­ben, die Zunftspre­cher Frank Huber der NRWZ zwi­schen zwei Ter­mi­nen geschwind beant­wor­te­te. Er reich­te zudem eine Bot­schaft für die Zukunft der Rott­wei­ler Fas­net nach: „Wer nar­ren will, kann nar­ren. Auch mit DSGVO.”

End­lich eine ver­nünf­ti­ge Struk­tur in dem Ver­ein…

Jörg­le Har­dy Eng­lerth, Admin der Face­book­grup­pe „Fas­net in Rott­weil -Heut wie vor Altem, so wird’s gehal­ten” 

 

Mehr Kon­trol­le, kla­re­re Struk­tur: Nar­ren­zunft Rott­weil plant umfang­rei­che Sat­zungs­än­de­rung.” So titel­te die NRWZ ges­tern. Der Redak­ti­on lag die neue, geplan­te Sat­zung seit Sonn­tag vor, wir haben sie durch­ge­ar­bei­tet und mit der aktu­el­len ver­gli­chen. Die Ände­run­gen haben wir dar­ge­stellt. 

Sie sind umfang­reich. In Kür­ze: Die Nar­ren­zunft will auf dau­er­haft akti­ve Mit­glie­der umstel­len, vom Ver­fah­ren der jähr­lich neu­en und auto­ma­tisch enden­den Mit­glied­schaft per Nar­ren­kar­ten­kauf abrü­cken. Sie will zudem einen Mit­glie­der­aus­schuss ins Leben rufen, der sich um die Mit­glie­der und ihre Belan­ge zu küm­mern hat. Der aber, und hier kommt die DSGVO, die Daten­schutz­grund­ver­ord­nung, ins Spiel, exklu­siv Zugriff auf die Mit­glieds­da­ten hat. Die Zunft will damit von einem jähr­lich neu meh­re­re tau­send Nar­ren star­ken Ver­ein zu einem mit viel­leicht 300 bis 500 dau­er­haf­ten, akti­ven Mit­glie­dern schrump­fen. Eeben die kla­re­rer Struk­tur schaf­fen.

Sie will auch mehr Kon­trol­le. So bekommt der Mit­glie­der­aus­schuss Regeln an die Hand,  mit denen er Mit­glie­dern, die sich nicht regel­kon­form ver­hal­ten, begeg­nen kann. Bis hin zum Raus­schmiss. Aber auch die Rech­te der davon betrof­fe­nen Mit­glie­der sind gewahrt. Die neue Sat­zung hat ein Anwalt ver­fasst, ein Jurist. „Das schrei­ben wir nicht selbst”, so Zunftschrei­ber Pro­fes­sor Huber zur NRWZ.

Mit der neu­en Sat­zung wird das soge­nann­te Nar­ren­bre­vier zum Gesetz, das Benimm­buch rund um Lar­ve, Kleid­le, Acces­soires. Und rund ums Ver­hal­ten eines Ori­gi­nal Rott­wei­ler Nar­ren. Es wird inso­weit zum Gesetz, als dass Ver­stö­ße geahn­det wer­den kön­nen. Nicht nur durch raschen Aus­schluss etwa eines Nar­ren aus dem lau­fen­den Sprung, son­dern durch Ent­zug der Mit­glied­schaft. 

Theo­re­tisch. Dar­auf legt Zunftspre­cher Huber wert. Es gehe „nicht dar­um, aus­zu­gren­zen”, sag­te er der NRWZ schon am Mon­tag. Am Diens­tag prä­zi­sier­te er: „Wer nar­ren will, kann nar­ren.” Und er ergänz­te im Hin­blick auf den aus­schlag­ge­ben­den Grund für die Sat­zungs­än­de­rung: „Auch mit DSGVO.”

Die geplan­ten Ände­run­gen, sie sind von den Rott­wei­ler Nar­ren bis­her offen­bar mit Ver­ständ­nis auf­ge­nom­men wor­den. Es ist bekannt, dass die Nar­ren­zunft nach dem Ärger von 2015 kei­nes­wegs sicher war, ob es nicht wie­der einen Auf­stand geben könn­te. Es gilt auch als aus­ge­macht, dass die Zunft ger­ne bis zur Haupt­ver­samm­lung gewar­tet und die Dis­kus­si­on dies­mal am liebs­ten selbst bestimmt hät­te. Doch schei­nen die leich­ten Sor­gen­fal­ten dies­mal unbe­grün­det. Aus­schuss­mit­glied Claus Wiest etwa bestä­tig­te am Mor­gen der NRWZ, dass alles ruhig geblie­ben sei. Mehr als 2500 Mal war da der Arti­kel über die Sat­zungs­än­de­rung bereits abge­ru­fen wor­den, er war am Vor­abend ver­öf­fent­licht wor­den. Wür­de es im Städt­le bro­deln, müss­te ein Wiest das wis­sen, mut­maßt die NRWZ.

Und Huber erklär­te am Vor­mit­tag: „Auch hier bei uns ist es ruhig.” 

Was noch offen blieb nach dem Bei­trag der NRWZ, und was Leser etwa auf Face­book frag­ten, haben wir wie­der­um Zunftschrei­ber Huber vor­ge­legt. Er und Nar­ren­meis­ter Chris­toph Bech­told sind schwer erreich­bar in die­sen Tagen (weil sie neben ihrer Tätig­keit als füh­ren­des Zunft­mit­glied ja auch noch berufs­tä­tig sind). Am Nach­mit­tag fand Huber Zeit. 

NRWZ: Wird es nach 2019 noch Nar­ren­kar­ten, die zur Sprung­teil­nah­me berech­ti­gen, geben?

Huber: Kor­rekt, es heißt dann halt nicht mehr Mit­glieds­kar­te (wie bis­her, im Volks­mund „Nar­ren­kar­te“), son­dern Teil­neh­mer­kar­te.

Wie viel kos­tet die Sprung­teil­nah­me, wie viel die Mit­glied­schaft?

Sprung­teil­nah­me, wie gehabt: 15 Euro für Erwach­se­ne, 5 für Kin­der. Mit­glied­schaft: Da muss die Ver­samm­lung ent­schei­den.

Gehört der neue Mit­glie­der­aus­schuss nicht auch zu den Orga­nen der Nar­ren­zunft? Er ist unter §4 der Sat­zung nicht auf­ge­führt.

Wir haben den Mit­glie­der­aus­schuss dem Organ des Aus­schus­ses zuge­ord­net und in die Sat­zung auf­ge­nom­men, da auch  hier Über­le­gun­gen zur DSGVO eine Rol­le spie­len. Wir wol­len dem Gesetz­ge­ber die Ernst­haf­tig­keit unse­rer Bemü­hun­gen zum Schutz per­sön­li­cher Daten zum Aus­druck brin­gen. Da die­ser Aus­schuss Zugriff auf Mit­glie­der­da­ten hat, wol­len wir ihn beschrei­ben und sat­zungs­mä­ßig ver­an­kern.

Unse­re ande­ren Aus­schüs­se wie etwa der Kin­der- und Jugend­aus­schuss und der Kleid­le­aus­schuss sind sat­zungs­mä­ßig nicht ver­an­kert. Durch eine sat­zungs­mä­ßi­ge Ver­an­ke­rung des Mit­glie­der­aus­schus­ses bekommt der Schutz der per­sön­li­chen Daten einen beson­de­ren Stel­len­wert. Wie gesagt, fast alles ist hier getrie­ben von die­ser doch recht kom­pli­zier­ten Ver­ord­nung, die wir aller­dings sehr ernst neh­men.