Die Nar­ren­zunft Rott­weil plant eine umfang­rei­che Sat­zungs­än­de­rung. Sie soll in der kom­men­den Mit­glie­der­ver­samm­lung voll­zo­gen wer­den, steht unter Punkt 6 auf der Tages­ord­nung, unter dem Stich­wort „DSGVO”, Daten­schutz­grund­ver­ord­nung. Sie trennt erst­mals die Nar­ren, die an den Sprün­gen teil­neh­men, von den akti­ven Mit­glie­dern der Zunft. Sie sei ein juris­ti­sches The­ma, schlicht aus recht­li­chen Grün­den not­wen­dig, so Zunftschrei­ber Pro­fes­sor Frank Huber auf Nach­fra­ge der NRWZ. Sie mache den rie­si­gen Ver­ein über­schau- und hand­hab­ba­rer. 

Wer bis­her in der Vor­fast­nachts­zeit eine Nar­ren­kar­te erwor­ben hat­te, der war akti­ves Mit­glied der Zunft. Wer die Kar­te erwarb, das ist nicht über­prüft wor­den. Es konn­te also auch etwa ein Köl­ner, ein Über­lin­ger, ein Lacken­dor­fer (wie der Autor die­ser Zei­len mal einer war) zu einer der Aus­ga­be­stel­len für die Mit­glieds­kar­te gehen und eine kau­fen. Die­se berech­tig­te zur Teil­nah­me an den Nar­ren­sprün­gen – ein zuge­las­se­nes Ori­gi­nal Rott­wei­ler Nar­ren­kleid vor­aus­ge­setzt.

Bei die­ser Form der Anony­mi­tät bleibt es. Aber: Wer an den Sprün­gen teil­nimmt, ist nicht mehr auto­ma­tisch Mit­glied der Zunft. Bei­de For­men wer­den getrennt, akti­ver Narr von akti­vem Zunft­mit­glied. In der neu­en Sat­zung, die die Mit­glie­der­ver­samm­lung am 18. Janu­ar beschlie­ßen soll und die der NRWZ bereits vor­liegt, heißt es näm­lich: 

Die akti­ve Mit­glied­schaft kann erwer­ben, wer das 18. Lebens­jahr voll­endet und sei­nen 1. Wohn­sitz seit min­des­tens 5 Jah­ren in Rott­weil oder den Stadt­tei­len Alt­stadt, Büh­lin­gen und Hau­sen sowie den Orts­tei­len Fecken­hau­sen, Neu­kirch und Gölls­dorf oder der Gemein­de Zim­mern o.R. ohne deren Orts­tei­le hat und sei­nen über­wie­gen­den Lebens­schwer­punkt in Rott­weil oder den genann­ten Teil­or­ten hat und dort über­wie­gend wohnt.

Außer­dem soll es die Mit­glied­schaft nicht mehr ein­fach anonym zu kau­fen geben: 

Die Mit­glied­schaft wird erwor­ben durch schrift­li­che Bei­tritts­er­klä­rung gegen­über der Nar­ren­zunft und Bestä­ti­gung durch den Mit­glie­der­aus­schuss.

Hin­ter­grund: Zuletzt hat die Zunft knapp 6500 Kar­ten ver­kauft. Mach­te auto­ma­tisch knapp 6500 Ver­eins­mit­glie­der. Von denen der Ver­ein Name und Vor­na­me kann­te, mit­hin per­sön­li­che Daten, die unter die Daten­schutz­grund­ver­ord­nung fal­len. Die Daten sind zudem von „ein­fa­chen” Zunft­mit­glie­dern auf­ge­nom­men wor­den – von den Leu­ten an den Kar­ten­ver­kaufs­stel­len. Die haben ‚zig die­ser Kar­ten bin­nen weni­ger Stun­den geschrie­ben.

Das gilt noch 2019, aber damit ist ab dem kom­men­den Jahr Schluss. Künf­tig will die Zunft viel­leicht noch ein paar hun­dert Mit­glie­der haben. Unab­hän­gig von der Zahl der sprin­gen­den, jucken­den Nar­ren. Huber erklärt dazu: „Wir wol­len  nicht beschrän­ken. Es geht nur dar­um, den Ver­ein auf eine aktu­ell gül­ti­ge recht­li­che Basis zu stel­len.”

Ich möch­te das mal an einem Bei­spiel erklä­ren”, sagt auf Nach­fra­ge der NRWZ der Schrei­ber und damit Spre­cher der Nar­ren­zunft Rott­weil, Pro­fes­sor Frank Huber. Der VfB Stutt­gart habe als Fuß­ball­ver­ein Mit­glie­der. Und er habe Zuschau­er, die in sein Sta­di­on kom­men. „Die Zuschau­er sind aber nicht zugleich Mit­glie­der”, so Huber. Im Fal­le der Nar­ren­zunft wer­den die Zuschau­er der­weil zu Sprung­teil­neh­mern. Bis­her sind die­se, wie erklärt, zugleich auto­ma­tisch Mit­glie­der der Zunft, künf­tig wer­den sie dies nicht mehr sein.

Huber erklärt, man rech­ne auf die­se Art und Wei­se mit 300, viel­leicht 500 akti­ven Ver­eins­mit­glie­dern. Ab dem kom­men­den Jahr, ab 2020.    

Für die­se will die Zunft ein eige­nes Gre­mi­um bil­den, den „Mit­glie­der­aus­schuss”. Die­ses neue Organ will die Nar­ren­zunft Rott­weil per Sat­zung ein­füh­ren. Das wird funk­tio­nie­ren, wenn bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung am Frei­tag, 18. Janu­ar, ab 19 Uhr im Kapu­zi­ner min­des­tens zwei Drit­tel der abge­ge­be­nen Stim­men dafür sind. Mit die­ser Mehr­heit sind Sat­zungs­än­de­run­gen mög­lich.

Der Mit­glie­der­aus­schuss, ein Gre­mi­um aus wenigs­tens sie­ben Per­so­nen, gewählt vom Aus­schuss der Nar­ren­zunft, nicht von der Mit­glie­der­ver­samm­lung, soll weit rei­chen­de Befug­nis­se erhal­ten. Zita­te aus der künf­ti­gen Sat­zung: 

  1. In Fäl­len einer engen Bin­dung zur Stadt Rott­weil oder eines über­durch­schnitt­li­chen Enga­ge­ments für die Rott­wei­ler Fas­net kann abwei­chend von obi­gen Rege­lun­gen eine akti­ve Mit­glied­schaft ver­lie­hen wer­den. Über die­se Aus­nah­men ent­schei­det der Mit­glie­der­aus­schuss.”
  2. Der Mit­glie­der­aus­schuss wählt aus sei­nen Rei­hen einen Vor­sit­zen­den und einen Stell­ver­tre­ter. Der Mit­glie­der­aus­schuss ent­schei­det ins­be­son­de­re über Auf­nah­me und Aus­schluss von Mit­glie­dern sowie mit der Mit­glied­schaft ver­bun­de­ne Aus­nah­men. Über Bei­tritts­er­klä­run­gen die offen­sicht­lich und zwei­fels­frei eine Mit­glied­schaft begrün­den ent­schei­det der Vor­sit­zen­de gemein­sam mit sei­nem Stell­ver­tre­ter unmit­tel­bar.”
  3. Der Mit­glie­der­aus­schuss gibt sich eine Geschäfts­ord­nung die vom Aus­schuss geneh­migt wer­den muss.”

Die Nar­ren­zunft will also ein neu­es, weit­ge­hend aut­ark arbei­ten­des Gre­mi­um schaf­fen, das die Ver­eins­struk­tur wesent­lich bestimmt. Wenn nicht gar selbst­stän­dig.

Hin­ter­grund wie­der­um laut Zunftschrei­ber Huber: Die DSGVO schrei­be vor, dass Zugang zu den Daten der Ver­eins­mit­glie­der maxi­mal neun Per­so­nen hät­ten. Den Kreis die­ser Per­so­nen bil­de eben der Mit­glie­der­aus­schuss.

Mögliches Ende der Mitgliedschaft geregelt

Bis­her ende­te die bei der Nar­ren­zunft Rott­weil über die erwor­be­ne Kar­te erlang­te Mit­glied­schaft auto­ma­tisch zum Jah­res­en­de, zum 31. Dezem­ber. Und natür­lich durch Tod, Aus­tritt oder Aus­schluss.

Nun soll die Mit­glied­schaft nicht mehr auto­ma­tisch enden. Sie wur­de ja weit­aus umständ­li­cher, damit aber auf Dau­er erwor­ben. Für den Fall des Fal­les aber soll auch der Mit­glie­der­aus­schuss zustän­dig sein. Der beschließt auch über den Aus­schluss ein­zel­ner Mit­glie­der. Und zwar dann, wenn…

… ein Mit­glied nach­hal­tig gegen den Ver­eins­zweck sowie die Regeln der Nar­ren­zunft und des Nar­ren­bre­viers ver­stößt.

Das Nar­ren­bre­vier, das sind die Benimm­re­geln. Es legt auch Klei­dung und Art und Wei­se, wie ein Nar­ren­kleid getra­gen wird, fest. Und wann und wo. Es wird mit der neu­en Sat­zung zum Gesetz.

Der Beschluss über den Aus­schluss aus dem Ver­ein muss mit einer Zwei­drit­tel-Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men gefasst wer­den und soll dem Betrof­fe­nen schrift­lich mit­ge­teilt wer­den. Die­ser Betrof­fe­ne sei auf Ver­lan­gen vor dem Aus­schluss schrift­lich oder münd­lich anzu­hö­ren. Der Aus­ge­schlos­se­ne kön­ne gegen den Beschluss des Mit­glie­der­aus­schus­ses Beschwer­de bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung ein­rei­chen und eine Abstim­mung in die­sem Gre­mi­um bean­tra­gen. Die Mit­glie­der­ver­samm­lung ent­schei­de über die­sen Antrag mit ein­fa­cher Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men.

Ein Aus­schluss aus der Zunft soll auch erfol­gen, wenn ein Ver­eins­mit­glied mit min­des­tens zwei Jah­res­bei­trä­gen im Rück­stand ist und es vom Säckel­meis­ter – also dem Kas­sier – schrift­lich an der letz­ten dem Ver­ein gemel­de­ten Adres­se ange­mahnt wur­de. In die­sem Fall ent­schei­de der Vor­sit­zen­de gemein­sam mit sei­nem Stell­ver­tre­ter unmit­tel­bar.

Auch hier gehe es „nicht dar­um, aus­zu­gren­zen”, so Zunftschrei­ber Huber. „Wir ver­su­chen nur, den Sta­tus quo zu fes­ti­gen.” Die Fas­net so tra­di­tio­nell zu hal­ten, wie sie ist. Aber es sei auch klar, „dass wir für die Zukunft fit sein müs­sen”, sagt er wei­ter. „Wir wol­len Signa­le geben, dass wir nicht bereit sind, alles mit uns machen zu las­sen.” Hier geht es offen­bar um mehr Kon­trol­le über die Mit­glie­der. Huber geht nicht ins Detail.

Mitglieder wählen Vorstandschaft nicht mehr direkt

Wei­ter­hin will sich der Vor­stand ein­mal im Jahr vor der Fas­net den Mit­glie­dern stel­len. Und gege­be­nen­falls auch außer­halb die­ses Rhyth­mus‘ in Form einer außer­or­dent­li­chen Ver­samm­lung. Aber nicht mehr zur Wahl. So heißt es in der künf­ti­gen, noch zu beschlie­ßen­den Sat­zung: 

Der Aus­schuss wählt aus sei­nen Rei­hen die Vor­stand­schaft sowie einen Mit­glie­der­aus­schuss der aus min­des­tens 7 Per­so­nen besteht. Die Wahl bedarf im ers­ten Wahl­gang einer Mehr­heit von 2/3 aller Aus­schuss­mit­glie­der. Soll­te im ers­ten Wahl­gang kei­ne 2/3 Mehr­heit zustan­de kom­men, gilt im zwei­ten Wahl­gang die ein­fa­che Mehr­heit aller Aus­schuss­mit­glie­der. Per­so­nen, die in einer ande­ren Nar­ren­zunft oder einer Ver­ei­ni­gung mit ver­gleich­ba­rem Ver­eins­zweck eine Vor­stands-, Aus­schuss- oder sons­ti­ge lei­ten­de Stel­lung haben, kön­nen nicht in den Vor­stand gewählt wer­den.

Der Aus­schuss soll – wie bis­her – aus der Vor­stand­schaft und min­des­tens vier, höchs­tens 26 wei­te­ren Mit­glie­dern bestehen. Die­se wer­den von der Mit­glie­der­ver­samm­lung aus deren Mit­te gewählt.