Sprechen sich im Namen von "kulturottweil" für das Zimmertheater aus: Julia Guhl und Simon Busch. Foto: pm

„kulturottweil“, der Dachverband Rottweiler Kulturvereine, sieht sich in der Pflicht, auf die Angriffe des Landtagsabgeordneten der AfD Emil Sänze auf das Zimmertheater und das System der Kulturfinanzierung zu reagieren und seine Solidarität mit dem Zimmertheater zu artikulieren. Die Stellungnahme des Vorstands von „kulturottweil“ veröffentlichen wir im Wortlaut:

Die Kunstfreiheit ist ein Grundrecht, das in Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes verankert ist. Dass die AfD in Person ihres Landtagsabgeordneten Emil Sänze diese und damit das Grundgesetz mit Füßen tritt, offenbart sich in der Anfrage der Fraktion zur Förderung des Zimmertheaters Rottweil durch das Land Baden-Württemberg. Nach dem Willen der AfD und des Herrn Sänze soll Kulturarbeit dazu dienen, das voranzutreiben, was sie selbst als nationale Identitätsfindung verstehen. Doch eine Instrumentalisierung von Kultur für jedwede (partei)politischen Zwecke läuft der notwendigen Freiheit der Kultur in unserer Demokratie zuwider.

Der gesamte Vorstand des Kulturverbands „kulturottweil“, dem 30 kulturtreibende Vereine angehören, solidarisiert sich mit Nachdruck mit dem Zimmertheater Rottweil. Kulturarbeit in Rottweil ist in besonderer Weise von der Bürgerschaft getragen und lebt von großem ehrenamtlichen Engagement aller Beteiligten. Von einer „staatlich abhängigen Kunstklientel“ zu sprechen bzw. den Kunstschaffenden eine „Tendenz zur Umerziehung Andersdenkender“ vorzuwerfen, ist so abwegig, dass man sich fragen muss, welch Geistes Kind der Autor ist?

Kulturelle Bildung ist in unserer Stadt nie parteipolitisch motiviert, sondern setzt auf Toleranz und Offenheit. Das schätzt das Publikum und es diskutiert das Kulturangebot leidenschaftlich, aber sachorientiert.

Auch verurteilen wir die diffamierenden Äußerungen von Herrn Sänze gegenüber Künstlern im Allgemeinen, der Kulturförderung und der Kulturarbeit auf das Schärfste. Die von Herrn Sänze unterstellte Lebens- und Arbeitseinstellung von Künstlern ist eine pauschale Beleidigung einer ganzen Berufsgruppe. Seine Kritik an der Vergabepraxis öffentlicher Investitionsmittel für Kultur zeigt deutlich, dass es Herrn Sänze an elementarem Wissen über Kulturfinanzierung und -förderung mangelt.

Kultur wie wir sie verstehen, ist geprägt von Toleranz, von der Bereitschaft zur Auseinandersetzung und zur Kritik. All dies ist Herrn Sänze und der AfD fremd. Seine Äußerungen aus durchsichtigen und rein parteipolitischen Gründen sowie seine Unfähigkeit, mit Kritik an seiner Person und seiner Partei umzugehen, belegen dies. Sie sind kontraproduktiv für die Entwicklung der Kultur, nicht nur in unserer Stadt. Denn die finanzielle Unterstützung gemeinnützig agierender Kulturvereine in Frage zu stellen, schadet nicht nur den Vereinen, der kulturellen Bildung und dem kulturellen Angebot einer Gemeinde, sondern auch der Attraktivität des Wirtschaftsstandorts einer Stadt wie Rottweil, deren Belange er als einer der Abgeordneten unseres Wahlkreises eigentlich konstruktiv vertreten müsste. Doch darum geht es Herrn Sänze ganz offenkundig nicht.

kulturottweil wehrt sich gegen geistige Brandstifter, gleichgültig aus welcher Ecke sie stammen.

Die Vorstandschaft von „kulturottweil“

Simon Busch, Julia Guhl, Herbert Anderer, Bastian Greschek, Gabriele Hammen, Walter Hölle, Jürgen Knubben, Günter Lang, Markus Schellhorn, Thomas Schlipf, Gabi Schwarz

 

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