Zahl der Straftaten in Rottweil steigt wieder

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Eine überdurchschnittliche Aufklärungsquote, weniger Gewalt gegen Polizeibeamte, nur wenige Wohnungseinbrüche: „In Rottweil lebt es sich sehr sicher“, kommentierte Oberbürgermeister Dr. Christian Ruf den Jahresbericht Kriminalität in der Stadt Rottweil.

Revierleiter Thorsten Weil hatte die Zahlen für das Jahr 2022 vorgestellt. Mit der Vorbemerkung, dass dies natürlich kein hundertprozentiges Abbild der Wirklichkeit sein könne – das „Dunkelfeld“, also die nicht angezeigten Straftaten, kann naturgemäß nicht berücksichtigt werden.

172 Fälle mehr

Die Zahl der erfassten Straftaten hat sich nach einem Rückgang, der wohl auf die Corona-Beschränkungen zurückzuführen ist, wieder erhöht, ist aber nicht auf Höchststand, wie Weil berichtete. Insgesamt wurden im Berichtszeitraum 1331 Straftaten registriert, nach 1159 im Jahr zuvor – also eine Steigerung um 172 Fälle, aber deutlich weniger als noch 2014 (damals waren es 1523 Fälle) und etwa so viele wie 2020 (1300). Die „Häufigkeitszahl“, also die Anzahl der Straftaten auf 100.000 Einwohner, stieg von 4641 auf 5327. Als Tatverdächtige wurden 690 Personen ermittelt, 55 mehr als ein Jahr zuvor.

25 Prozent mehr Opfer

349 Personen sind Opfer eine Straftat geworden, eine deutliche Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die meisten Opfer waren männlich (230), gerade mal 22 über 60. Bei den 690 ermittelten Tatverdächtigen überwiegen die Männer: 549 waren männlich, 68 mehr als im Jahr zuvor. Bei den Frauen ergab sich ein umgekehrter Trend: Hier wurden 141 Verdächtige ermittelt, nach 154 im Vorjahr.

Die Zahl der Nichtdeutschen unter den Tatverdächtigen steigerte sich von 206 auf 226; ihr Anteil an der Gesamtzahl beläuft sich laut Statistik auf 32,8 Prozent. Der Anteil der Nichtdeutschen an der Bevölkerung der Stadt liegt bei knapp 20 Prozent. Tatverdächtige Flüchtlinge und Asylbewerber waren es 80, eine Steigerung um 20 – „das spiegelt die Zahl der Flüchtlingen 1:1 wieder“, sagte Weil.

Mehr Jugendkriminalität – oder doch nicht?

Einen „signifikanten Anstieg“ der Tatverdächtigen unter 21-Jährigen in Rottweil stellt der Bericht fest: 168 tatverdächtige Kinder, Jugendliche und Heranwachsende (also bis 21-Jährige) wurden gezählt – 39 mehr als im Vorjahr. Das beißt sich etwas mit der Aussage der Staatsanwaltschaft vor zwei Monaten, von einem Anstieg der Jugendkriminalität könne man nicht sprechen. Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt aber, dass beide Aussagen zutreffen: Der in Rottweil festgestellte Anstieg ist gegenüber dem Vorjahr. Verglichen mit 2020 ist hingegen eine deutliche Verringerung festzustellen. Zahlen lügen nicht – aber man kann sie unterschiedlich vergleichen und interpretieren.

Bei der Jugendkriminalität gab es eine weitere Besonderheit: Eine Gruppe Jugendlicher hatte mehrfach Delikte wie Körperverletzungen und Sachbeschädigungen begangen. Maßnahmen der Polizei sowohl vorbeugender als auch strafender Natur führten dazu, dass in diesem Punkt zwischenzeitlich Ruhe eingekehrt sei oder, wie Weil sich ausdrückte, im zweiten Halbjahr habe es eine „stark rückläufige Zahl derartiger Fälle“ gegeben.

Die Aufklärungsquote betrug 66,4 Prozent – der Landesdurchschnitt liegt gerade bei 61,4. Damit liegt Rottweil im Städtevergleich nahe bei Tuttlingen, Donaueschingen und Schramberg. 2020 und 21 waren noch über 70 Prozent der Fälle aufgeklärt worden.

Mehr Diebstähle, wenige Einbrüche

Bei den Straftaten war insbesondere die Zahl der Diebstähle angestiegen, um 171 auf 368. Das führt Weil auf den Wegfall der Corona-Beschränkungen zurück – die Täter sind wieder mobiler, und es gibt mehr Gelegenheiten zum Klauen. Die Fälle von Ladendiebstählen sind hingegen fast gleich geblieben (74 nach 70) – hier hätte Weil mit mehr gerechnet. Die Zahl der Wohnungseinbrüche lag bei sechs, zwar waren das zwei mehr als im Vorjahr, aber auf niedrigem Niveau. Er führt dies auch auf die polizeiliche Schwerpunktsetzung der letzten Jahre zurück.

Deutliche Steigerungen gab es auch bei Gewaltkriminalität (plus 56 Prozent) und den „Aggressionsdelikten“ im öffentlichen Raum (plus 104 Prozent).

Bei der Gewalt gegen Polizeibeamte stellte Weil einen „leichten Rückgang“ von 31 auf 20 Fälle fest. „Ein Großteil der Tatverdächtigen war alkoholisiert und/oder bereits krimonalpolizeilich bekannt“, führte er aus.

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