Brandschutz und Hygiene mangelhaft

Stadt muss zwei Schulgebäude auf Vordermann bringen / Ausschuss vor Ort / 400.000 Euro eingeplant

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Mitglieder der Verwaltung und des Ausschusses informierten sich über bauliche Mängel in der Peter-Meyer-Schule. Foto: him

„Wir machen nur das Nötigste“. Wie ein Mantra wiederholte Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr diesen Satz bei einer Begehung der Peter-Meyer- und der Erhard-Junghans-Schule an der Graf-von-Bissingen Straße. In den beiden Schulgebäuden haben Brandschutzfachleute und städtische Mitarbeiter gravierende Mängel gefunden, die beseitigt werden müssen. Weil beide Schulen aber zugunsten des Schulcampus abgebrochen werden sollen, wollten die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Technik am Donnerstagabend mit eigenen Augen sehen, ob die Maßnahmen wirklich erforderlich sind.

Schramberg. Bei den Haushaltsberatungen hatte der Gemeinderat einen Sperrvermerk für die geplanten 400.000 Euro beschlossen. Nach der Besichtigung hat der Ausschuss einstimmig empfohlen, diesen Sperrvermerk aufzuheben.

Doch zuvor mussten Joachim Moosmann vom Gebäudemanagement, Fachbereichsleiter Etienne Seif, die Schulleiter Peter Kasper, Jörg Hezel und Lorenz Stopper, Hausmeister Semir Medinovic und natürlich Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr ordentlich Aufklärungsarbeit leisten.

Peter-Meyer-Schule: Hitzeschutz und Toiletten

In der Peter-Meyer-Schule wies Moosmann auf den mangelhaften Wärmeschutz des Gebäudes aus den 80er Jahren hin. Für die Neonröhren gibt es keine Ersatzteile mehr“, so Moosmann. Ähnliche gelte für die Ventilatoren bei den innen liegenden Toiletten. Im Obergeschoss fehle eine Beschattung. „Wir haben zwischen April und Herbst bei Sonnenschein hier Temperaturen über 30 Grad“, so Schulleiter Kasper.

Blick in eine der schlecht zu lüftenden Toiletten. Foto: him

Eisenlohr verwies darauf, dass die Mittel für den Gebäudeunterhalt eingeplant seien und nur die Hygiene und die Sicherheit beträfen. „Unser Ziel ist der Schulcampus“, es sollten nur kleinere Reparaturen umgesetzt werden.

Ob die Geruchsbelästigung nicht andere Ursachen habe, wollten Oskar Rapp und Jürgen Kaupp wissen. Hausmeister Medinovic widersprach, man habe mehrmals eine Fachfirma dagehabt.

Erhard-Junghans-Schule: Brandschutz mangelhaft

In der benachbarten Erhard-Junghans-Schule (früher Graf-von-Bissingen-Schule) aus dem Jahr 1970 beklagte Moosmann „massive Brandschutzprobleme. Da müssen wir dringend handeln.“ Er verwies auf defekte Brandschutztüren, fehlende funkgesteuerte Brandmelder und fehlende Motoren an Rauchklappen. Bei den Türen müsse man einige austauschen, andere ließen sich provisorisch reparieren.

Ein solcher Motor fehlt an anderen Lüftungsklappen. Foto: him

Eine Doppeltüre ins Freie lässt sich unterschiedlich öffnen, ein Flügel wie vorgeschrieben nach außen, der andere nach innen. Etwa zwei Drittel der 350 Schülerinnen und Schüler müssten im Notfall durch diese Türe das Gebäude verlassen. Jürgen Reuter erkundigte sich nach dem Preis für eine neue Türe. Moosmann schätzte 8000 bis 10.000 Euro wegen der komplizierten Technik.

Lorenz Stopper (zweiter von rechts) schildert die Probleme im Schulgebäude. Foto: him

Fluchtweg aus dem Bioraum fehlt

Lorenz Stopper wies weiter darauf hin, dass auch in diesem Schulgebäude im obersten Stockwerk im Sommer Temperaturen um 30 Grad herrschten. Jürgen Kaupp schlug vor, eine LKW-Ladung Kies aufs Dach zu packen, das senke die Temperatur um fünf Grad.

Im Fachraum für Bio und Chemie ist der zweite Fluchtweg ungesichert. Deshalb kann die Schule diesen Raum nicht nutzen, wie Schulleiter Jörg Hezel erläuterte. Würde jemand anderes die Verantwortung übernehmen…“Aber es will niemand haften.“ Jürgen Moosmann hat inzwischen eine erforderliche Treppe, ein Geländer und eine Stufe bestellt. Dafür hatte der Rat bereits grünes Licht gegeben.

Hier müssen Geländer und Treppe her. Foto: him

Auch auf ein undichtes Dach machte Stopper aufmerksam. Dadurch ist eine Wand im Raum feucht. Hier möchte Moosmann eine Notabdichtung anbringen lassen.

Im Handarbeitsraum und im Werkraum befinden sich offene Stromschienen. Diese sollen jetzt abgedeckt werden.

Die offenen Stromschienen werden abgedeckt. Foto: him

Schulhof viel zu klein

Stopper wies die Ausschussmitglieder eindringlich darauf hin, dass all die vorgesehenen Maßnahmen zwar „absolut notwendig“ seien, der Schule für ihre eigentliche Arbeit aber nichts brächten. Pädagogisch wichtige Dinge wie einen vernünftigen Schulhof mit einem Bolzfeld oder einen befestigten Weg durch den Schulgarten würden sie schon gar nicht fordern. „Pädagogisch wäre das für uns am wichtigsten.“

Andererseits müsse man bedenken, dass es seiner Meinung nach noch zehn Jahre dauern werde, bis der Schulcampus fertig sei. Für diese Zeit müsse man Lösungen finden, forderte Stopper.

Im Bio-Vorbereitungsraum läuft Wasser durchs Dach. Foto: him

„Maß und Ziel“

Zurück im Rathaus mahnte Oskar Rapp (Freie Liste), die Stadt möge mit „Maß und Ziel“ an die Arbeiten gehen. Statt der Fluchtwegetreppe seien mehr Rauchmelder geboten.

Eisenlohr sicherte zu, zu einzelnen Themen die Brandschutzsachverständigen nochmals zu befragen. Und schließlich wiederholte sie ihr Mantra: „Wir machen es mit Maß und Ziel und suchen pragmatische Lösungen.“

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