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Donnerstag, 2. April 2020
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    +++ aktualisiert: Eine Stunde für acht Kilometer

    Umleitung Sulgen: Verkehr bricht zeitweise vollständig zusammen / Stadt fordert Sperrung für den durchfahrenden Schwerlastverkehr

    Schramberg-Sulgen. Mal schnell aus der Schramberger Talstadt zur Stiftung St. Franziskus im Stadtteil Heiligenbronn. Eine Strecke, für die man selbst bei anständiger Fahrweise sonst acht bis zehn Minuten benötigt, wird am Mittwoch, dem ersten Schultag nach den Ferien, zur Geduldsprobe. Ein Selbstversuch.

    Schon deutlich unterhalb der Abfahrt Richtung Sulgen staut sich der Verkehr.

    „Verkehr auf dem Sulgen kommt zum Erliegen – km lange Staus“, geben die NRWZ-Kollegen aus Rottweil am Mittwoch um 8.06 Uhr einen Facebook-Beitrag an die Schramberger NRWZ-Redaktion weiter. Die journalistische Neugier ist geweckt. Hier gibt es nur eins, selber raus und schauen, was los ist.

    Start um 8.32 Uhr auf halbem Weg zwischen H.A.U. und Hans Sachs. Auf der Bundesstraße ist es ruhig, vom Parkplatz geht es ohne Wartezeit auf die Durchgangsstraße. Zunächst fließt der Verkehr völlig normal. Doch nach wenigen Minuten ist Feierabend. Auf halber Strecke zwischen Glasbachkurve und Abfahrt Richtung Sulgen steht der Verkehr.

    Noch ist die linke Spur für Einsatzkräfte frei.

    Während der Großteil auf der rechten Spur bleibt, es könnten ja Einsatzfahrzeug von Rotem Kreuz, Feuerwehr oder Polizei schnell vorbei müssen, nutzen andere die Überholspur. Doch weit kommen sie nicht. Wenige Meter weiter oben, verengt sich die Straße auf eine Fahrspur.

    Ein Blick aufs Navi: Links die gesperrte Bundesstraße, ansonsten jede Menge rot für Staus.

    Um 9.02 Uhr ist es endlich bis zur David-Deiber-Straße geschafft. Dort stehen die Autos vom Eckenhof her ebenfalls im Stau. Einige, die ins Tal wollen, drücken sich, statt rechts an der Verkehrsinsel gegenüber dem ehemaligen Autohaus Hils vorbeizufahren, links an ihr über die Gegenfahrbahn vorbei. Ein Autofahrer der auf der Schramberger Straße die David-Deiber-Straße zugestellt hat, muss zurücksetzen, damit die anderen wieder durchkommen. Zum Glück setzen auch die dahinter folgenden beiden Fahrzeuge zurück, die aber die Übersicht behalten hatten, und genügend Platz dafür gelassen haben. An anderer Stelle wenden immer wieder einzelne Autofahrer und suchen andere Wege. Wo es allerdings legale Ausweichmöglichkeiten gibt, bleibt Ihr Geheimnis.

    Ein Blick in den Rückspiegel in der Schramberger Straße.

    Auf dem Weg Richtung Bärenplatz, der um 9.11 Uhr in Sichtweite ist, verlässt dann einige die Geduld. Obwohl die Rechbergstraße nur für Anlieger offen ist, fahren einige in der Schramberger Straße über die Gegenfahrspur und biegen nach links ins Wohngebiet ab. Auch aus dem Wohngebiet heraus sind mehr Autos als gewöhnlich zu beobachten. Weiter geht es nach mehreren Rotphasen der Ampel über den Bärenplatz in die Rottweiler Straße. Die Vierhäuser-Häuser-Straße ist um 9.22 Uhr erreicht. Auch dort stehen die Autos im Stau. Als ortskundiger Fahrer weiß man aber, wie man sich auf legale Weise aus dem Verkehrsknäul befreien kann.

    Mehr Autos als üblich fahren durch die Rechbergstraße.

    Nun geht es zügig voran. Die Stiftung St. Franziskus, wie gesagt, ansonsten in acht bis zehn Minuten erreicht, ist nach insgesamt 56 Minuten erreicht.

    Dort warten die Lehrer geduldig auf ihre Schülerinnen und Schüler. Zwischenzeitlich hat sich herumgesprochen, dass alle, die über die Sulgener Umleitung müssen, zu spät kommen werden.

    Lange Gesichter gibt es, als es um die Frage geht, wie lange die Baustelle auf der Umfahrung Sulgen noch bestehen wird. Aktuell gehen die Verantwortlichen von Anfang Dezember aus.

    Auto an Auto auf der Schramberger Straße.

    Nachdem das Ziel um 9.28 Uhr erreicht war, geht es nach wenigen Minuten – viel war ja nicht zu erledigen, hin musste man aber trotzdem – wieder zurück ins Tal. Start ist um 9.38 Uhr. Um 9.41 Uhr ist der Stau Richtung Bärenplatz erreicht. Er beginnt in der Heiligenbronner Straße in Höhe der Hausnummer 62. Das Navi hat dazu seine ganz eigenen Ideen. Ihm ist anscheinend nicht bekannt, dass zwischenzeitlich die eine oder andere Straße nur noch für Anlieger zugelassen ist.

    Also geht es weiter durch den Stau. Leider ist die Abfahrt Richtung Aichhalden noch nicht umgebaut. So geht es erst auf die linke Spur, wo ein störrischer junger Fahrer (mit falsch herum aufgesetzter Schildmütze und cooler Sonnenbrille) zunächst nichts davon hält, andere vor sich hereinzulassen. Ein paar Meter weiter geht es wieder nach rechts Richtung Schramberg. Dort klappt der Reisverschluss.

    Ein Blick in die Heiligenbronner Straße.

    Während es ab hier Richtung Tal ganz gut läuft, sieht es Richtung Sulgen auf der Bundesstraße noch schlimmer aus, als bei der Hinfahrt. Die Fahrzeuge stauen sich, teilweise auf beiden bergwärts führenden Spuren, bis unterhalb der Glasbachkurve. Um 10.08 Uhr ist der Selbstversuch nach 15,4 Kilometer und 96 Minuten unterwegs sein, davon nur gerade mal zehn Minuten für das Gespräch am Ziel, beendet. Doch es ist einiges an Zeit auf der Strecke geblieben.

    Es beschleicht einen das ungute Gefühl, wie das nur in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten gehen soll. Also, ein Anruf im Rathaus, vielleicht weiß man dort ja Rat. Der zuständige Mitarbeiter ist zwar gerade in einem Gespräch, wird aber zurückrufen. Wir werden berichten, sobald die Reaktion vorliegt.

    Zwischenzeitlich melden sich um 10.13 Uhr die NRWZ-Kollegen aus Rottweil wieder und geben einen Facebook-Beitrag weiter: „Noch mal vielen Dank an die Planer der Baustelle Schramberg-Sulgen. 😡 Momentan Stau bis zur Glasbachkurve und durch Sulgen durch bis zur Laurentius Kirche. Viiiiiel Zeit einplanen.“

    Der Stau vom Tal Richtung Sulgen ist noch länger geworden.

    Bleibt abzuwarten, wie es in den kommenden Tagen weitergeht. Auch wenn es richtig ist, dass die Umfahrung saniert wird, die Verkehrssituation ist für alle Verkehrsteilnehmer, aber auch für die Anwohner, nur schwer erträglich, um nicht zu sagen unerträglich.

    Update

    Um 12.39 Uhr meldet sich der zuständige Fachbereichsleiter für Recht und Sicherheit der Stadt Schramberg, Matthias Rehfuß, bei der NRWZ. Ihn hatten wir um eine Stellungnahme gebeten. Am Vormittag war er in Besprechungen.

    Für Rehfuß hat sich die Situation in Sulgen „wie erwartet und befürchtet“ entwickelt. Von Seiten der Stadt Schramberg war gefordert worden, den überörtlichen Schwerverkehr umzuleiten und die Durchfahrt zu verbieten. Der Verkehr zwischen A 5 und A 81 würde dann durch den Tunnel in Hornberg fließen. Für Rehfuß steht fest: „Die Bürger müssen entlastet werden.“ Eben die Herausnahme des überörtlichen Schwerverkehrs sieht die Stadt als Möglichkeit, für eine spürbare Entlastung zu sorgen.

    Dennoch rechnet er damit, dass sich die Situation nach zwei bis drei Tagen zumindest etwas entspannt. Dies ist zumindest die immer wieder gemachte Erfahrung mit derartigen Situationen.

    Angesprochen darauf, dass bisher nur ein Teil der im Anschluss an die Verkehrsschau angekündigten Maßnahmen umgesetzt sind, verweist Rehfuß auf die vollen Auftragsbücher der Firmen, von denen die Schilder hergestellt werden. Er hofft, dass etwa die Öffnung der rechten Spur in der Heiligenbronner Straße Richtung Schramberg noch diese oder spätestens nächste Woche erfolgen kann. Dort muss an der Abfahrt Richtung ein Aichhalden eine provisorische Verkehrsinsel entfernt und eine neue Beschilderung angebracht werden.

    Um 13.28 Uhr meldet sich Manuela Klausmann von der Geschäftsstelle des Handels- und Gewerbevereins per E-Mail: „Habe gerade Ihren „Erfahrungsbericht“ zur Umleitung Sulgen gelesen. Dieses Thema hat mich auch fast den ganzen Morgen beschäftigt, da sich bei mir etliche Gewerbetreibende gemeldet haben, die massive Probleme durch die Umleitung haben. Dies sind erhebliche Umsatzeinbußen sowohl auf dem Sulgen (Tankstellen, Einzelhandel an der Umleitungsstrecke werden nicht besucht) und auch der Talstadt (Kunden von auswärts kommen nicht). Bei den Industrieunternehmen werden die Zeiten für Anlieferung und Abholung durch die LKWs nicht mehr eingehalten und bei Verspätung werden die LKW dann nicht mehr abgefertigt.“

    Nachtrag

    Die gleiche Fahrt am Donnerstag, nur etwas früher: Start um 7.15 Uhr. Die Stiftung St. Franziskus ist um 7.27 Uhr erreicht.

     

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