Seit August wird auf der ehemaligen Hausmülldeponie im Finsterbachtal geschafft. Fotos: him

Schwe­re Last­wa­gen fah­ren der­zeit von über­all her nach Schram­berg. Sie schaf­fen unter­schied­li­ches Mate­ri­al her­an, damit ein altes Umwelt­pro­blem end­lich gelöst wird. Die alte Schram­ber­ger „Haus­mis­te“ und spä­ter vom Kreis betrie­be­ne Müll­de­po­nie im Fins­ter­bach­tal soll eines Tages wie­der im Wort­sin­ne beackert wer­den kön­nen.

Zunächst hat der Land­kreis die im Lau­fe der letz­ten Jah­re und Jahr­zehn­te sanier­te Depo­nie an der Ober­flä­che mit einer fla­chen, leicht abfal­len­den Aus­gleichs­ober­flä­che ver­se­hen, „damit das Was­ser abflie­ßen kann“, erläu­tert der Lei­ter der Abfall­wirt­schaft des Land­krei­ses Rott­weil, Bru­no Rees.

„Wir schaf­fen gegen den Wind.“ Rau­pen­fah­rer ver­teilt Mate­ri­al auf dem Depo­nie­ge­län­de.

Schwe­re Rau­pen­bag­ger schie­ben Mate­ri­al auf der rie­si­gen Flä­che hin und her. Etwa tau­send Ton­nen Bau­schutt die­nen als künf­ti­ge Gas­drain­schicht.  Die­se etwa 30 Zen­ti­me­ter dicke Schicht aus grob­kör­ni­gem Mate­ri­al wird gas­durch­läs­sig sein. Dar­über wird eine Plas­tik­fo­lie gespannt, die gas­un­durch­läs­sig ist. „Mit einem Gas­sau­ger erzeu­gen wir Unter­druck in der Drain­schicht und kön­nen so even­tu­ell ent­ste­hen­de Gase aus der Depo­nie absau­gen“, so  Rees. Als letz­te Schicht wer­den andert­halb Meter „kul­tur­fä­hi­ger Boden“ auf die Folie auf­ge­bracht. „Dann kann  nichts mehr raus­kom­men aus der Depo­nie“, ver­si­chert Rees.

Doch wäh­rend der  Sanie­rungs­ar­bei­ten gel­ten schar­fe Sicher­heits­vor­schrif­ten. Meh­re­re Wind­an­zei­ger hat Fran­ces­co Cot­tit­to übers Gelän­de ver­teilt auf­ge­stellt. Cot­tit­to ist Polier bei der Tutt­lin­ger Fir­ma Storz, die die Erd­ar­bei­ten über­nom­men hat. „Wir arbei­ten immer gegen den Wind“, erläu­tert er. Dann sei man siche­rer vor aus­strö­men­den Depo­nie­ga­sen. Die Fah­rer­ka­bi­nen der Rau­pen sind außer­dem voll kli­ma­ti­siert. Cot­tit­to weiß, wovon er spricht, er hat schon vie­le alte Müll­de­po­ni­en saniert. „Ich mache das seit fast 40 Jah­ren.“

Fran­cis­co Cot­tit­to auf sei­ner Bau­stel­le im Fins­ter­bach­tal.

Das Fins­ter­bach­ge­län­de ist in eine wei­ße und eine schwar­ze Sei­te ein­ge­teilt. Der schwar­ze Bereich  ist der kon­ta­mi­nier­te Bereich, da dür­fen nur die Spe­zia­lis­ten rein und die sind mit Fil­ter­mas­ken und Ein­weg-Over­alls aus­ge­stat­tet. Aller­dings: in der Luft gibt es kei­ne Absper­run­gen. Ob das mit der Abtren­nung so sinn­voll ist? Auch Polier Cot­tit­to schmun­zelt und zuckt mit den Schul­tern: „Die Luft ist immer die Glei­che.“

Rees betont, dass das Abbruch­ma­te­ri­al  für die Drain­schicht, das von Bau­stel­len im gesam­ten Süd­wes­ten stammt, genau auf Schad­stof­fe kon­trol­liert wird. Es sei Mate­ri­al, das eh auf Depo­ni­en abge­la­den wer­de, weil es „gewis­se Belas­tun­gen“ ent­hal­te. Polier Cot­tit­to nimmt von allen Bau­schutt­lie­fe­run­gen Pro­ben und lässt sie im Labor unter­su­chen. Erst wenn von da das OK kommt, wird das Mate­ri­al ver­baut.

Genau doku­men­tiert: Her­kunft des Bau­schutts.

Aber eines sei auch klar, ver­si­chert Rees: „Der Bau­schutt ist viel weni­ger gefähr­lich,  als das Zeug, was eh schon in der Depo­nie steckt.“  Als die Depo­nie betrie­ben wur­de, sei alles ohne wei­te­re Kon­trol­le auf der Depo­nie gelan­det: „Res­te aus der Gal­va­nik…“ heu­te unvor­stell­bar. Seit 2005 gibt es in Deutsch­land kei­ne  klas­si­schen Müll­de­po­ni­en mehr. Aber mit der Sanie­rung der alten bleibt noch auf Jahr­zehn­te genug Arbeit für Cot­tit­to und sei­ne Kol­le­gen.

Rees, der im Okto­ber in Ruhe­stand geht, beschäf­tigt sich sein hal­bes Berufs­le­ben schon mit der Fins­ter­bach­de­po­nie.  „Seit 1991 bin ich an der Sanie­rung dran“, berich­tet er, „da steckt viel Herz­blut drin.“ Der Land­kreis hat schon vie­le Mil­lio­nen, erst DM und dann Euro, in die Siche­rung der Depo­nie gesteckt. Zunächst galt es, den Was­ser­ein­trag in den rie­si­gen Depo­nie­kör­per zu  been­den. Dafür ließ der Kreis den Fins­ter­bach ver­le­gen.

Plan der Sanie­rungs­flä­che im Bau­con­tai­ner.

Anschlie­ßend ging es um die Stand­si­cher­heit des Abfall­ma­te­ri­als, das in dem Steil­hang abzu­rut­schen droh­te. Ent­wäs­se­rungs­ka­nä­le im gesam­ten Depo­nie­kör­per sorg­ten dafür, dass die Depo­nie ober­halb der Klär­an­la­ge stand­si­cher wur­de. Nun soll also als letz­ter Schritt die Ober­flä­che der Natur zurück­ge­ge­ben wer­den. Cot­tit­to schätzt, er und sei­ne Kol­le­gen wer­den ins­ge­samt zwei Jah­re in Schram­berg arbei­ten.

Info: Die­ser letz­te Sanie­rungs­schritt wird etwa zwei­ein­halb Mil­lio­nen Euro kos­ten. Der Land­kreis war ursprüng­lich von knapp 4,8 Mil­lio­nen Euro aus­ge­gan­gen. Der güns­ti­ge­re Preis kommt wegen der Ver­wen­dung des Bau­schutts zustan­de.