SCHRAMBERG – Die IG Metall hat in einem Flug­blatt die Beleg­schaft dar­über infor­miert, dass die Geschäfts­lei­tung Ent­las­sun­gen pla­ne. Das habe die Geschäfts­füh­rung in einem Gespräch mit dem Betriebs­rat mit­ge­teilt. Dem­nach gebe es zwei Sze­na­ri­en: „Mit Ver­zicht auf tarif­li­che Son­der­zah­lun­gen soll die Beleg­schafts­stär­ke auf 1200 bis 1250 Beschäf­tig­te sin­ken, d.h. ca. 170 Ent­las­sun­gen! Ohne Ver­zicht auf tarif­li­che Son­der­zah­lun­gen soll eine Redu­zie­rung der Beleg­schaft auf unter 1000 Beschäf­tig­te erfol­gen, d.h. 370 Ent­las­sun­gen.“

Bei einer Offe­nen Mit­glie­der­ver­samm­lung hät­ten etwa 70 Beschäf­tig­te über die Lage im Unter­neh­men dis­ku­tiert. Das Signal, so der zwei­te Bevoll­mäch­tig­te der IG Metall, Georg Fai­gle, sei deut­lich: Man sei bereit über Son­der­zah­lun­gen für 2020 zu ver­han­deln „mit dem Schwer­punkt Beschäf­ti­gungs­si­che­rung“.

Aus­schnitt aus dem IG-Metall-Flug­blatt

Die ers­te Bevoll­mäch­tig­te Doro­thee Diehm betont im Gespräch mit der NRWZ, es sei schon lan­ge klar gewe­sen, das die Geschäfts­lei­tung Per­so­nal abbau­en wol­le. Dar­über wer­de die IG-Metall  ver­han­deln, wenn die Mit­glie­der bei einer Mit­glie­der­ver­samm­lung am 12. Novem­ber das beschlie­ßen.  „Über Per­so­nal­ab­bau trotz Ver­zicht auf Son­der­zah­lun­gen wird  hart dis­ku­tiert wer­den“, kün­digt sie an.

Diehm weist dar­auf­hin, dass die Kern-Lie­bers-Beschäf­tig­ten durch  unbe­zahl­te Mehr­ar­beit in den ver­gan­ge­nen Jah­ren schon einen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag geleis­tet hät­ten.

Dr. Schnell: „Wir fahren auf Sicht“

Der Vor­sit­zen­de der Geschäfts­lei­tung von Kern-Lie­bers, Dr. Udo Schnell möch­te die Aus­sa­gen im IG-Metall-Flug­blatt „so und in die­ser Dik­ti­on aus Unter­neh­mens­sicht“ nicht bestä­ti­gen. „Tat­sa­che ist, dass wir der IG Metall in einem Hin­ter­grund­ge­spräch erläu­tert haben, dass die Geschwin­dig­keit und die Stär­ke der Anpas­sung des Stand­orts Schram­berg auch von der Ent­wick­lung der Kos­ten­struk­tu­ren abhängt und an die­ser Stel­le die Tarif­ele­men­te Son­der­zah­lun­gen und T‑Zug natür­lich eine Rol­le spie­len“, erläu­tert Schnell auf Nach­fra­ge der NRWZ. Mit bevor­ste­hen­den Ent­las­sun­gen habe dies zunächst ein­mal nichts zu tun.

Aller­dings habe er auf der Beleg­schafts­ver­samm­lung Ende Okto­ber den Mit­ar­bei­tern gesagt, dass das Unter­neh­men „auf Sicht“ fah­re. Er kön­ne des­halb vor dem Hin­ter­grund der kon­junk­tu­rel­len Unsi­cher­hei­ten heu­te nicht garan­tie­ren, „dass wir das Beschäf­ti­gungs­ni­veau hal­ten kön­nen“. Schnell weist dar­auf hin, dass die Auf­trags­ein­gän­ge im Okto­ber immer noch nied­ri­ger als der Umsatz sei­en. „Wir kön­nen erst in den nächs­ten Wochen abschät­zen, ob es ein Kor­rek­tur- oder Kon­junk­tur­ef­fekt ist“.