Mit „Soundblurbs” an die Spitze

Europäischer Gründerpreis für Schramberger Kreative

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BU: Stuart Simpson vom Europabüro Wien mit den Gewinnern Steffi Knebel und Matz Kastning (von links). Foto: CERIecon

Im Poli­zei­re­vier, ein Poli­zei­be­am­ter  ver­hört einen Beschul­dig­ten: „Herr Mephis­to, Ihnen wird vor­ge­wor­fen, dass Sie sich Herrn Faust genä­hert und ihm unter Vor­spie­ge­lung fal­scher Tat­sa­chen fal­sche Ver­spre­chun­gen gemacht haben.“ Ein klei­nes Hör­spiel macht Lust aufs Lesen eines Klas­si­kers.

Mit die­ser Geschäfts­idee, Hör­trai­ler für Bücher zu erstel­len, den „Sound­blurbs”, haben Stef­fi Kne­bel und Matz Kast­ning aus Schram­berg beim „CERIe­con Play­park“- Fina­le in Wien den ers­ten Preis in der Kate­go­rie „Eco­no­mic Inno­va­ti­on” gewon­nen.

Um an dem Wett­be­werb teil­neh­men zu kön­nen, hat­ten Kne­bel und Kast­ning, die Grün­der von Audio­tex­tour in Schram­berg, einen Bewer­bungs­film mit Play­mo­bil­fi­gu­ren gedreht, der ihre Idee erläu­tert hat (wir haben berich­tet). Ihre Sound­blurbs sei­en so ähn­lich wie ein „Film­trai­ler für Bücher“, so Kne­bel, “nur dass wir die bes­ten Stel­len nicht ver­ra­ten.“  Blurb ist der eng­li­sche Slang-Aus­druck für Klap­pen­text, der Kurz­text auf dem Schutz­um­schlag, der den Buch­in­halt zusam­men­fasst.

Erar­bei­tet hat­ten die bei­den ihren Wett­be­werbs­bei­trag in der „Sand­box“, dem „Acce­le­ra­tor­pro­gramm für die Krea­tiv­wirt­schaft” an der Hoch­schu­le der Medi­en in Stutt­gart. Die ande­ren Wett­be­werbs­teil­neh­mer hat­ten sich in ähn­li­chen Pro­jek­ten in Polen, Kroa­ti­en, Ita­li­en Tsche­chi­en, Öster­reich und Slo­wa­kei vor­be­rei­tet.

Überzeugender Wettbewerbsauftritt

Ihr Trick­film mit eng­li­schen Unter­ti­teln habe die Jury über­zeugt, und so sei­en sie für das Wett­be­werbs­fi­na­le aus­ge­wählt wor­den, erzählt Kast­ning. In zwei Kate­go­ri­en, Sozia­les und wirt­schaft­li­che Inno­va­tio­nen„ sei­en jeweils acht Exis­tenz­grün­der aus sie­ben euro­päi­schen Län­dern ange­tre­ten.

In drei Run­den hät­ten sie sich gegen die Kon­kur­renz durch­ge­setzt:  Zunächst prä­sen­tier­ten sie ihre Idee an einem Stand. Dann kamen ande­re Juro­ren, denen sie ihr Pro­jekt in weni­gen Minu­ten pitch­ten, zu deutsch erklär­ten, und schließ­lich kamen die bei­den bes­ten jeder Kate­go­rie auf die gro­ße Büh­ne und stell­ten ihre Geschäfts­idee der inter­na­tio­na­len Jury und dem Publi­kum vor.

Für uns war sehr wich­tig, dass alles auf eng­lisch statt­fand“, berich­tet Kast­ning. So hät­ten sie gelernt, sich auch auf der inter­na­tio­na­len Büh­ne zu bewe­gen. „Das ist schon eine grö­ße­re Her­aus­for­de­rung.“ Kne­bel ergänzt: „Wider Erwar­ten sind wir beim pit­chen auf eng­lisch zu Höchst­form auf­ge­lau­fen, von Run­de zu Run­de wur­de es bei uns run­der.“ Ihre Idee, den Buch­markt über ihre Sound­blurbs zu „ret­ten“, sei bei allen sehr gut ange­kom­men.

Außer­dem hät­ten sie in Wien wich­ti­ge Kon­tak­te geknüpft und schon wei­te­re Pro­jek­te auf den Weg gebracht. Mit den 1000 Euro  Preis­geld wol­len sie eine wei­te­re Idee finan­zie­ren und ihre Sound­blurbs auch als Pod­casts anbie­ten. Noch wüss­ten vie­le Ver­la­ge näm­lich nicht, wie sie mit den Sound­blurbs umge­hen sol­len.

Erfolgreiche Audioguide-Touren

Durch­ge­setzt haben sich dage­gen die Audio­gui­de-Tou­ren, die die bei­den seit eini­gen Jah­ren ent­wi­ckeln. Nach den bei­den Schram­ber­ger Tou­ren für Kin­der und Jugend­li­che sind schon etli­che wei­te­re Tou­ren mit klei­nen Hör­spie­len und Rät­seln hin­zu gekom­men. Jüngs­te Bei­spie­le: Seit eini­gen Tagen gibt es eine Audio­gui­de-Tour in Die­tin­gen in der Welt der Kris­tal­le, und am 18. Mai wird eine sol­che Tour in Stef­fi Kne­bels Hei­mat vor­ge­stellt: Auf der Hohen­schram­berg.

Und hier das Video zu den Sound­blurbs:

Info: Der Start-up-Wett­be­werb ist laut Eigen­dar­stel­lung „Teil des INTER­REG-Pro­jekts CERIe­con (Cen­tral Euro­pe Regio­nal Inno­va­ti­on Eco­sys­tems Net­work), das in sie­ben euro­päi­schen Regio­nen in spe­zi­el­len Co-Working-Spaces – soge­nann­ten Play­parks – die Entre­pre­neurship-Kennt­nis­se und ‑Fähig­kei­ten von Grün­dern ver­bes­sert.“ Das Pro­jekt wird mit 3,2 Mil­lio­nen Euro geför­dert und hat eine Lauf­zeit von drei Jah­ren. Pro­jekt­start war am 1. Juni 2016.

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