Färbeversuch an der Schiltach nach dem Farbeintrag im Gully.

Ich mag nicht die Gro­ßen lau­fen las­sen und die Klei­nen hän­gen.“ Mit die­ser Begrün­dung hat Amts­ge­richts­di­rek­tor Wolf­gang Heu­er am Mitt­woch­vor­mit­tag ein Straf­ver­fah­ren wegen „fahr­läs­si­ger Gewäs­ser­ver­un­rei­ni­gung“ gegen einen bis­her unbe­schol­te­nen Maler gegen eine Geld­bu­ße von 500 Euro ein­ge­stellt.

Ange­klagt war ein 57-Jäh­ri­ger, der in einem regio­na­len Maler­be­trieb beschäf­tigt ist. Am 27. Juli 2018 habe er an der St. Maria Kir­che in Schram­berg nach Maler­ar­bei­ten Farb­pin­sel aus­ge­wa­schen und das Wasch­was­ser in einen Gul­ly gelei­tet, so der Vor­wurf der Staats­an­walt­schaft. Und das obwohl sei­ne Fir­ma eine Vor­schrift habe, wonach die Pin­sel in der Fir­ma auf einer spe­zi­el­len Anla­ge aus­ge­wa­schen wer­den müs­sen.

Hier hat­ten die bei­den Maler das Pin­sel­wasch­was­ser weg­ge­schüt­tet. Archiv-Foto: him

Rich­ter Heu­er hat­te nach einer Ein­las­sung des Ver­tei­di­gers im Vor­feld des Ver­fah­rens wei­te­re Ermitt­lun­gen anstel­len las­sen. Es hieß näm­lich, es könn­te auch an einer ande­ren Bau­stel­le Far­be in die Kana­li­sa­ti­on gelangt sein. Doch der Ange­klag­te räum­te gleich ein, sein Kol­le­ge und er hät­ten die Pin­sel aus­ge­wa­schen, er sei dann zum Auto gegan­gen um ande­re Pin­sel zu holen und in der Zeit habe der Kol­le­ge  „die drei oder vier Liter“  in den Gul­ly gekippt.

Nie­mand hat uns gesagt, dass wir da kein Was­ser rein lee­ren dür­fen.“ Das ler­ne man doch wohl in der Aus­bil­dung, dass Far­be nicht in die Kana­li­sa­ti­on gehö­re, mein­te Heu­er. Sie hät­ten nicht gewusst, dass der Kanal direkt in die Schiltach mün­de, beteu­er­te der Ange­klag­te. Er arbei­te nun schon fast 29 Jah­re bei der Fir­ma und es sei nie etwas pas­siert. Seit dem Vor­fall ent­sorg­ten sie das Farb­was­ser in der Fir­ma.

Kanal am Burg­weg: Kei­ne Farb­res­te zu erken­nen.

Der Umwelt­be­auf­trag­te der Stadt Schram­berg Karl Pröbst­le berich­te­te als Zeu­ge, dass man den Burg­weg nach einem mög­li­chen Ver­ur­sa­cher abge­sucht habe. Es habe zwar eine wei­te­re Bau­stel­le gege­ben, aber beim Blick in die Kanal­schäch­te fan­den sich kei­ne Farb­spu­ren. Anders bei der St. Maria­kir­che. Da sei­en die Farb­spu­ren an einem Gul­ly gut zu sehen.  Weil es kei­ne Anzei­chen für ein Fisch­ster­ben gab, habe man nur Was­ser­pro­ben genom­men. „Das Ergeb­nis ist mir nicht bekannt.“ Weil laut Aus­kunft der Fir­ma die Far­be schwach was­ser­ge­fähr­dend war, habe die Stadt die Kanä­le rei­ni­gen las­sen. Kos­ten: etwa 600 Euro.

Ein Poli­zei­ober­kom­mis­sar bestä­tig­te Pröbst­les Aus­sa­gen und  berich­te­te von einem Ver­such mit grün gefärb­tem Was­ser: „Da war der Fall klar.“ Die Far­be stamm­te von der St. Maria Reno­vie­rung. Auf der Bau­stel­le habe er nie­man­den mehr ange­trof­fen, bei der Fir­ma eini­ge Tage spä­ter die Namen der für die Bau­stel­le Ver­ant­wort­li­chen erfah­ren.

Anschlie­ßend über­nah­men Spe­zia­lis­ten vom Poli­zei­prä­si­di­um Tutt­lin­gen die Ermitt­lun­gen – mit eher mäßi­gem Erfolg. Ein Daten­blatt zur ver­wen­de­ten Far­be for­der­te der Beam­te an. Ob die Far­be, die die Fir­ma angab, auch wirk­lich die Far­be war, die in die Schiltach gelangt war, habe er nicht geprüft, sag­te der Sach­be­ar­bei­ter als Zeu­ge.

Vom Meis­ter habe er auch die Namen der bei­den Maler auf der Bau­stel­le erfah­ren. „Die Staats­an­walt­schaft hat das nicht gefor­dert.“ Halb im Scherz meint der Ver­tei­di­ger: „Es hät­te ja auch Milch sein kön­nen.“

Im Zeu­gen­stand ver­si­chert der Meis­ter, „schon lan­ge“ gel­te die Anwei­sung, dass Pin­sel im Lager des Unter­neh­mens aus­ge­wa­schen wer­den müss­ten. „Die Mit­ar­bei­ter wis­sen es und sind ange­wie­sen, es so zu tun.“  Die bei­den Mit­ar­bei­ter hät­ten ihm berich­tet, sie hät­ten „die Pin­sel aus­ge­wa­schen und da rein gekippt“.

Wir haben das immer so gemacht

Schließ­lich kommt der Kol­le­ge, Maler­käp­pi auf dem Kopf. „Man hat Sie von der Bau­stel­le geholt“, begrüßt ihn Rich­ter Heu­er, „aber hier set­zen Sie die Müt­ze ab.“  Der 32-Jäh­ri­ge berich­tet: „Wir haben paar Pin­sel aus­ge­wa­schen und sechs bis sie­ben Liter da rein geleert.“ Es war Frei­tag­mit­tag, und die bei­den woll­ten Fei­er­abend machen. „Wir haben das immer so gemacht“, erzählt er frei­mü­tig, „wir haben das Was­ser in die Kana­li­sa­ti­on oder in die Bau­gru­be gekippt. Wir fah­ren sel­ten raus ins Lager.“

Er habe kei­ne Anwei­sung bekom­men, dass die Pin­sel nur im Lager gewa­schen wer­den dürf­ten. Seit dem Vor­fall sei das anders. Jetzt sei auch die Wasch­an­la­ge neu gerich­tet.

Die Kleinen sollen es nicht allein ausbaden

Heu­er schlägt dem Staats­an­walt und dem Ver­tei­di­ger vor, das Ver­fah­ren gegen eine Geld­bu­ße vor­läu­fig ein­zu­stel­len. Dass die Maler das Pin­sel­wasch­was­ser weg­schüt­ten, sei im Betrieb all­ge­mein bekannt gewe­sen: „Es spart der Fir­ma Geld – und jetzt sol­len die bei­den das aus­ba­den.“ Er sei sicher, dem Ange­klag­ten wer­de das nie mehr pas­sie­ren, er sei ein anstän­di­ger Arbei­ter.

Die Betei­lig­ten stim­men zu, und der Staats­an­walt stellt noch fest, das Weg­schüt­ten des Pin­sel­wasch­was­sers „war gedul­det bis ganz oben“. Heu­er ergänzt mit Blick zum Staats­an­walt: Auf den 32-Jäh­ri­gen Kol­le­gen wer­de nun wohl eben­falls etwas zukom­men, aber „auch auf die höher in der Fir­ma Ange­sie­del­ten.“