OneCoin: Konstantin Ignatov in Psycho-Behandlung? +++ aktualisiert

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Schramberg.  Konstantin Ignatov, der Bruder und Nachfolger der „Krypto-Queen“ Ruja Ignatova, ist offenbar gegen Kaution auf freiem Fuß. Das belegt ein gestern von Richter Edgardo Ramos in New York unterzeichnetes Dokument.

Seit anderthalb Jahren war Konstantin Ignatov verschwunden. Seine letzte Botschaft am 10. November 2021 an eine Freundin in Deutschland war: „Morgen gehe ich wieder in den Knast.“ Alle Nachfragen von Journalisten, auch der NRWZ, beim Gericht, bei der Staatsanwaltschaft und seinem Verteidiger zu Ignatovs Aufenthalt blieben unbeantwortet.

Kaution erlaubt psychiatrische Behandlung

Doch gestern hat Richter Ramos angeordnet, dass die Kaution gegen den Angeklagten (defendant‘s bail)  dahingehend geändert werde, dass auch Untersuchungen und Behandlungen  zur seelischen Gesundheit möglich sein sollen. (mental health evaluation/treatment). Demnach befindet sich Ignatov wohl unter strengen Auflagen nicht mehr in einem Gefängnis. Wo er sich aufhält, geht allerdings aus Ramos‘ Anordnung nicht hervor.

Richter Edgardo Ramos Anordnung.

In einer anderen Anordnung hatte Ramos vor einigen Tagen auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Gerichtstermin für Konstantin Ignatov erneut verschoben und nun auf den 29. August festgesetzt. Die Begründung lautete, wie schon mehrfach in den letzten Jahren, dass die Zusammenarbeit Ignatovs mit der Anklagebehörde noch nicht abgeschlossen sei. Ignatov, der wie seine Schwester in den 90er Jahren in Schramberg aufgewachsen ist, befindet sich seit März 2019 in US-Gewahrsam. seine Freunde in Schramberg nannten ihn “Konsti Keks”.

Ignatov hatte bekanntlich 2019 als Zeuge der Anklage umfangreich gegen den Rechtsanwalt Mark Scott aus Florida ausgesagt. Dieser soll etwa 400 Millionen US-Dollar für OneCoin „gewaschen“ haben. In diesem Verfahren allerdings soll Ignatov zwei Mal die Unwahrheit gesagt haben. Er hatte behauptet, einen Laptop in Las Vegas weggeworfen zu haben. Der tauchte aber in Sofia wieder auf. Außerdem sei er mit Scott und Irina Dilkinska in Sofia zusammen gewesen. Dilkinska war zu dem Zeitpunkt aber in Indien. Seit März sitzt sie übrigens ebenfalls in den USA in Haft.

Wegen dieser beiden Falschaussagen hatte Scotts Verteidigung beantragt, dass das Verfahren neu aufgerollt werden soll. Weil Ignatov gegen seine Kautionsauflage, immer die Wahrheit zu sagen, verstoßen hatte, drohte ihm wieder der Knast. Ob das dann tatsächlich der Fall war, daran lässt die gestrige Richteranordnung nun zweifeln. Möglicherweise haben die US-Behörden nur die Auflagen verschärft. Seit November 2021 hatte sich Ignatov auf den sozialen Medien nicht mehr gemeldet.

Bitterer Spott im Netz

Dass sich Ignatov nun auf seien Psychozustand untersuchen und behandeln lassen darf, führt auf Twitter zu bitterem Spott. Tim Tayshun meint, Ignatov habe vielleicht einen Nervenzusammenbruch, weil ihm die Konsequenzen seines Handelns klar geworden sind, und er wohl hinter Gittern bleibe, bis er ein alter Mann ist.

Jen McAdam fragt sich, ob er sich die vielen Nervenzusammenbrüche der Opfer seiner Schwester, seiner Familie und ihm selbst vorstellen könne, die sie ohne alle Skrupel so grausam betrogen hätten.  „Tief in mein Gedächtnis eingeprägt hat sich bei mir sein Gauner-Grinsen, als er in Uganda die Ärmsten der Armen bestohlen hat.“

Ignatov in Uganda. Frage Staatsanwalt: “Und Sie wussten, dass Sie die Leute da ausnehmen?” Ignatov: “Ja.”

 

 Vierfachmord in Kapstadt mit Bezug zu Onecoin

In Südafrika haben bisher unbekannte Täter in einem Vorort von Kapstadt vier Menschen ermordet. Das an sich ist leider in Südafrika Alltag. Es würde uns weiter wohl auch nicht wirklich interessieren. Aber bei den vier in Constantia Ermordeten handelt es sich um Bulgaren, zwei Männer und zwei Frauen. Es soll sich nach verschiedenen Medienberichten um Krasimir Nikolaev Kamenov, genannt Kuro, und seine Frau Gergana handeln. Bei den beiden anderen Getöteten ist die Identität noch nicht eindeutig klar. Die Kamenovs lebten in einem der wohlhabenden Viertel von Kapstadt.

Interpol nahm Kamenov im April auf seine Fahndungsliste. Screenshot: him
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Wusste Kamenov zu viel?

Interpol suchte Kuro wegen Mordes. Er soll den Mord an Lyubmir Ivanov angeordnet haben. Ivanov war ein früherer Mitarbeiter des bulgarischen Innenministeriums und ehemaliger Leiter der Kriminalpolizei der zweiten Wache in Sofia.  Er war Anfang 2022 in Sofia erschossen worden. Auf Anweisung von Kuro, so die bulgarische Staatsanwaltschaft. Und im Safe des Ermordeten fand die Polizei angebliche Agentenberichte, die belegen sollten, dass Ruja Ignatova auf einer Jacht im Ionischen Meer ermordet und zerstückelt ins Meer geworfen wurde. Darüber berichtete das bulgarische Online-Magazin BIRD im Februar.

Kamenov – Kuro war lange Zeit ein Partner von Hristophoros Amanatidis, kurz Taki, ein mächtiger Drogenbaron in Bulgarien, der wiederum mit Ignatova in geschäftlichen Beziehungen gestanden haben soll. Beide waren gerne in Dubai. Taki besitzt dort eine Villa in einem abgeschlossenen Wohnviertel. Der BBC-Podcaster Jamie Bartlett vermutet, die “Kryptoqueen” könnte dort untergetaucht sein. Laut Konstantin Ignatov besaß seine Schwester ebenfalls eine Villa und ein Penthouse in Dubai.

Kamenov und Taki: zwei bulgarische Unterweltgrößen mit besten Verbindungen

Der bulgarische Journalist Dimitar Stoyanov von BIRD.bg weist darauf hin, dass der bulgarische Präsident erst kürzlich Südafrika besucht hat. Kamenov sei in einem kriminellen Netzwerk,  VIS 2, mit Taki aktiv gewesen und habe dabei die eher legalen Dinge betreut, während Taki sich um den Drogenhandel kümmerte.

Kamenov – Kuro soll ein großer Obst- und Gemüsemarkt in Sofia gehört haben, dort seien in den letzten Jahren immer wieder größere Mengen Drogen gefunden worden, berichtet „Euractiv“. Auch im Parkplatzgeschäft und an der Grenze von Bulgarien zur Türkei war Kuro aktiv.

Stoyanov hat in einem Radiointerview berichtet, Kamenev habe in den letzten sechs Monaten gegenüber einer ausländischen Justizbehörde wegen wichtiger krimineller internationaler Aktivitäten als Zeuge ausgesagt. Offen blieb dabei, ob es sich dabei um OneCoin gehandelt hat.

Stoyanov vermutet, dass der hoch umstrittene bulgarische Generalstaatsanwalt Ivan Geshev von dem Mord an Karo profitiere. Geshev hatte vor zwei Monaten Kuro vorgeworfen, er sei Teil einer Verschwörung gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin Anklage gegen ihn erhoben. Und Kuro kam auf die Interpol Fahndungsliste.

Geshev habe vermutet, dass Kuro sich gegenüber US-Behörden über ihn geäußert habe und diese Sanktionen gegen ihn erwägen könnten. Insofern könne Kuros Tod dem Generalstaatsanwalt nützen. Geshev selbst hat sich in Bulgarien zur Ermordung von Karo so geäußert: „Wir kehren in die Zeiten der Gangster zurück.“

Generalstaatsanwalt Geshev droht Amtsverlust

Nach den jüngsten Wahlen in Bulgarien wollen gerade zwei Parteien eine Koalition bilden. Die GERB des langjährigen Regierungschefs Boyko Borissov und eine Anti-Korruptionspartei, die beiden waren bisher erbitterte Gegner. Ein Opfer dieser Koalition könnte Geshev werden, der immer wieder mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen hat. Geshev hatte im April Kamenov – Kuro als seinen Hauptfeind bezeichnet, der ihn und seinen Stellvertreter zu diskreditieren versuche. Zwei Wochen später gab es einen Bombenanschlag auf Geshevs Auto, der aber wohl fingiert war.

Inzwischen haben in Bulgarien die Mitglieder des Obersten Justizrats getagt, weil sechs Mitglieder die Amtsenthebung Geshevs gefordert hatte, Geshev hatte angekündigt, nicht zurücktreten zu wollen.  Mit 14 Ja und vier Nein-Stimmen hat der Rat den Antrag angenommen, zu prüfen, ob Geshevs Verhalten dem Ansehen der Justiz geschadet hätte. Das Gremium wird am 1. Juni erneut zusammen kommen.

Tatort in Capetown. Foto aus BNT.bg

Oder war vielleicht alles ganz anders?

Ob der Mord in Kapstadt etwas mit den bulgarischen Verhältnissen zu tun hat, ist allerdings nicht sicher. Der bulgarische Sicherheitsexperte Tihomir Bezlov meint, es könne auch damit zu tun haben, dass Kuro auch in Capetown im Drogengeschäft tätig war und es Gerüchte gab, dass er mit der südafrikanischen Polizei zusammenarbeitete.

Die Zeitung The Citizen aus Südafrika berichtet, dass Bulgaren tatsächlich in der Unterwelt von Capetown eine Rolle spielen. So wurden drei Bulgaren im Jahr 2021 zu 60 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie mit großen Mengen Kokain gehandelt hatten.

 

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.