OneCoin-Prozess in Münster: Frank R.: „Ich habe nichts vom Betrug geahnt“ +++ aktualisiert

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Münster.  Ausgerechnet am 43. Geburtstag der OneCoin-Erfinderin Ruja Ignatova hat in Münster nun auch der letzte der drei Angeklagten eine umfangreiche Aussage gemacht. Anderthalb Stunden hat Frank R. dem Gericht klar zu machen versucht, dass er nicht habe ahnen können, dass OneCoin ein groß angelegter Schwindel war.

R. muss sich gemeinsam mit Manon H. unter anderem wegen unerlaubter Finanzdienstleistungsgeschäfte verantworten. Über seine in Greven bei Münster ansässige International Marketing Service, kurz IMS sollen R. und H. etwa 320 Millionen Euro von OneCoin-Bildungspakete Käufern eingenommen und auf verschiedene andere OneCoin Konten weitergeleitet haben. Dafür hätten sie ein Prozent als Provision kassiert, so die Anklage.

Nach nunmehr 23 Verhandlungstagen im zweiten Anlauf des Münsterschen Verfahrens hat sich Frank R. umfangreich zu den Vorwürfen geäußert. Er schilderte in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung zunächst lang und breit seine früheren Erfolge im Multi-Level-Marketing MLM oder Systemvertrieb, berichten die „Westfälischen Nachrichten“ (WN). Er ließ wissen, dass die „Akteure von OneCoin“ auf ihn zugekommen seien, um eine Geschäftsbeziehung aufzubauen, „nicht umgekehrt“. Sie hätten sein Netzwerk und seine Kontakte zu Wirtschaftsgrößen nutzen wollen.

Frank R. warb vor OneCoin für seine Firma Sitetalk. Screenshot: him

„Ich war erfolgreicher Geschäftsmann“

Frank R. hat sich als einen erfolgreichen Geschäftsmann dargestellt, der schon vor OneCoin wohlhabend gewesen sei. Damals betrieb er zwei miteinander verbundene Firmen: OPN und SiteTalk. SiteTalk war ein angebliches „soziales Medium“, über das man an Rabatte und Sonderangebote kommen sollte.  Einer der anderen SiteTalk -Bosse war Sebastian Greenwood. Der hat 2014 gemeinsam mit Ruja Ignatova das OneCoin-Verkaufssystem mit Bildungspaketen und Token entwickelt. Greenwood hat bekanntlich im Dezember 22 gestanden, das OneCoin von Anfang an ein Schwindel war.

Frank R. und …
Sebastian Greenwood waren beide bei Sitetalk in führender Position. Screenshot: him

Drei Banken machen Millionenumsätze – und werden misstrauisch. Oder sind sie überfordert?

Frank R. und Manon H. hatten für OneCoin-Kunden über ihre Firma IMS zunächst Ende 2015 ein Konto bei der Kreissparkasse Steinfurt eingerichtet. Dort gingen innerhalb kürzester Zeit hohe Summen ein. Die Sparkasse habe deshalb Verdacht geschöpft und daraufhin das Konto gekündigt, hieß es bislang. Frank R.  hat es in seiner vom Verteidiger verlesenen Erklärung nun so dargestellt, dass die Sparkasse auf ihn zugekommen sei, weil der Aufwand für sie zu groß sei. Man habe besprochen das Konto zu kündigen.

Die Presssprecherin des Landgerichts Münster bestätigt auf Nachfrage der NRWZ weiter, dass R. erklären ließ, die nächste Bank, die Commerzbank Münster habe eine Homepage der IMS sehen wollen. Da diese aber keine hatte, habe er „die Homepage der SiteTalk vorgeführt“. Bei der Commerzbank blieb die IMS, bis auch sie das Konto kündigte und die IMS zur Deutschen Bank wechselte. Mehr als 88.000 Kontobewegungen im Zusammenhang mit OneCoin-Geschäften gab es auf den drei Konten der IMS bis zum August 2016.

Verstehe maßlose Enttäuschung

In Münster nun ließ Frank R. seinen Anwalt erklären, er hätte „sich einen anderen Verlauf gewünscht“. Mit dem „Wissen von heute“ hätte er die Kontakte nicht hergegeben, erklärte der Verteidiger laut WN.

Dass OneCoin ein betrügerisches Schneeballsystem sei, habe er nicht geahnt. Er sei im MLM-Bereich ein Fachmann, mit den technischen Voraussetzungen für eine Kryptowährung habe er sich nicht so ausgekannt. Er sei davon ausgegangen, dass OneCoin selbstverständlich über eine Blockchain verfüge.

Seinen Anwalt ließ er darlegen, dass er erst heute „die maßlose Enttäuschung jener, die in ,OneCoin’ vertraut und investiert haben, sehr gut nachvollziehen“ könne, so die WN. Der Grevener habe erklären lassen, dass „die Erfolge von, OneCoin’ ihn mitgerissen“ hätten.

Zu seiner Rechtfertigung verwies er auch darauf, dass ja Verfahren gegen OneCoin etwa in Großbritannien wieder eingestellt worden seien. Er selbst sei für seine Geschäfte ja ebenfalls nie juristisch belangt worden. Das zeige doch, dass er ein seriöser Geschäftsmann sei, habe R. grob zusammengefasst sinngemäß erklären lassen, bestätigt die Gerichtssprecherin.

Frank R. bei einem OneCoin-Auftritt zusammen mit den Steinkeller Brothers. Aus dem ArteFilm „Die Kryptoqueen“

Seine beiden Firmen OPN und SiteTalk mit ihren „umfangreichen Wirtschaftskontakten“ habe er an OneCoin verkauft. Seine Aufgabe sei dabei das Multilevel Marketing gewesen. Er habe nie zum inneren Zirkel von OneCoin gehört. Ruja Ignatova habe ihn „als Sprecher und Trainer zu Großveranstaltungen eingeladen“, zitiert die WN seine Erklärung.

Tatsächlich ist R. bei verschiedenen OneCoin-Großereignissen als Redner aufgetreten und hat gemeinsam mit Ignatova und Greenwood für OneCoin geworben. Durch den Verkauf seiner beiden Firmen und deren Mitgliedern stieg er in der OneCoin Hierarchie auch direkt in einen der höchsten Ränge nämlich Black Diamond auf.

Frank R. seit Jahrzehnten im Multi-Level-Marketing-Geschäft

SiteTalk, so hat es BehindMLM schon 2013 recherchiert, funktionierte nach einem Pyramidensystem, bei dem Werber für neue Mitglieder Bonusse kassierten. Irgendwelche vernünftigen Produkte seien nie angeboten worden.

Frank R. beim nächsten MLM-Geschäft dabei (unten rechts). Screenshot: him

Nachdem Frank R. bei OneCoin ausgestiegen ist – auch weil inzwischen die Staatsanwaltschaft gegen seine IMS ermittelt hat, hat sich der Grevener ein neues Geschäftsfeld gesucht.  Mit Cloud Horizon startete er das nächste Multilevel Marketing Projekt. Aus Plastikmüll sollte in Thailand Benzin gemacht werden. Das Projekt ist inzwischen wieder vom Markt verschwunden.

Wie geht es weiter?

Das Gericht hat vorsorglich bereits mehrere Dutzend weitere Termine bis zum 21. Dezember festgesetzt. „alles andere bleibt abzuwarten“, so die Sprecherin des Landgerichts abschließend. „Es kann derzeit noch keine Aussage zum weiteren zeitlichen Verlauf getroffen werden.“

 

 

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.