In den vergangenen Wochen fuhren zahlreiche Schwertransporter im Raum Schramberg – St. Georgen. Meistens waren sie in der Nacht unterwegs, um die Teile für eine vierte Windkraftanlage auf die Falkenhöhe zu bringen. Dieser Tage kamen aber auch Kranteile auf einem Tieflader durch Schramberg. Bei einer Baustellenbesichtigung im kommunalen Dreieck Lauterbach, Schramberg-Tennenbronn und Hornberg auf der Falkenhöhe erklärten Vertreter der Herstellerfirma Vestas, des Projektierers RES und der Teckwerke Bürgerenergiegenossenschaft, wie der Aufbau vonstattengeht. Sie erläuterten auch, welche Leistung die Anlage bringen wird.
Schramberg/Hornberg. Ein nasskalter Winternachmittag. Ausgestattet mit Warnwesten, Sicherheitsschuhen und Schutzhelm stapfen einige Journalisten mit den Fachleuten Richtung Baustelle. Gekommen ist auch Hornbergs Bürgermeister Marc Winzer. Auf seiner Gemarkung wird die vierte Anlage gebaut. Neben uns drehen sich die drei seit 2021 bestehenden Anlagen leise im Höhenwind.

Aufbau ist gut vorbereitet
Drei 68 Meter lange Rotorblätter liegen bei einer der bestehenden Vestas-Anlagen bereit für die Montage. An den Kanten sind sie gezackt, das wird die Windgeräusche dämpfen. Sie liegen auf der frei gehaltenen Kranaufstellfläche der bestehenden Anlage Nummer 2. Ringsum wachsen die frisch angepflanzten Bäumchen in die Höhe.
Schon lange habe man diese vierte Anlage geplant, so Olaf Essig vom Vorstand der Teckwerke. „Aber mit der Genehmigung hat es gedauert. Jetzt dürfen wir loslegen.“ Weil seine Genossenschaft vor Jahren eine Anlage diesen Typs beantragt habe, errichte man nun die V 136 von Vestas mit einer Leistung von 4,2 Megawatt. Die Teckwerke investieren gemeinsam mit anderen Energiegenossenschaften und Stadtwerken in die Anlage.

Essig zieht sein Smartphone aus der Tasche, ein paar Wischer und er zeigt uns, was eine Kamera oben an der Gondel der Anlage gerade aufnimmt: Die Rotorblätter huschen vorbei. So kann das Team der Teckwerke von überall her beobachten, wie die Anlage läuft.
Nach ein paar Minuten geht es weiter zur eigentlichen Baustelle. Mit Schotter hat eine Firma aus Steinach den bestehenden Zufahrtsweg befestigt, damit die tonnenschweren Teile auf die Baustelle kommen, ohne im wintermatschigen Boden einzusinken.

Drei Schalen zusammenschrauben
Laura Huber von Vestas leitet das Aufbauteam. Der Stahlturm wird 149 Meter hoch. Er besteht aus fünf Segmenten. Die beiden unteren werden auf der Baustelle aus jeweils drei Schalen zusammengeschraubt: „Etwa 1000 Schrauben braucht es jeweils“, berichtet Huber. Da sich der Turm nach oben verjüngt, können die Spediteure die drei oberen Segmente „am Stück“ auf die Baustelle transportieren.

Vestas baut solche komplett aus Stahl bestehenden Türme, andere Hersteller setzen auf Hybridtürme, der untere Teil besteht aus Betonelementen, der obere aus Stahl.

Wenn die Teile parat sind, hievt ein riesiger Schwerlastkran sie auf das Fundament. Das hat einen Durchmesser von gut 22 Metern. 85 LKWs brachten dafür etwa 650 Kubikmeter Beton auf die Baustelle. Logistisch eine große Herausforderung, so Essig, denn der Beton musste innerhalb eines Tages auf die Baustelle kommen.

Aufbau Schritt für Schritt
Beim Vor-Ort-Termin waren die Bauleute gerade dabei, die drei Schalen für das untere Turmteil zusammenzusetzen und zu verschrauben. Bei dem nasskalten Wetter kein leichter Job. „Erst werden die Turmteile aufeinandergesetzt und verschraubt“, erläutert Huber den Aufbauvorgang, „dann kommt das leere Maschinenhaus drauf.“
Mit dem Kran wird die Maschine mit dem Generator und dem Getriebe von oben ins Maschinenhaus hinabgelassen, ergänzt ihr Kollege Jan Schwarzweller vom Projektierer RES Deutschland aus Vöhrstetten. Dann folgt die Nabe, ab der schließlich ein Rotorblatt nach dem anderen verschraubt wird.

Dafür errichten die Spezialisten einen Hauptkran und mehrere Hilfskräne auf der Baustelle. Im März, rechnet Huber, werde die Anlage betriebsbereit sein.
10 Millionen Kilowattstunden pro Jahr
Dann wird sie umweltfreundlichen Strom erzeugen, etwa zehn Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Ein Durchschnittshaushalt verbraucht etwa 3500 Kilowattstunden. Mit einer Umdrehung erzeuge die Anlage etwa vier Kilowattstunden Strom – „so viel wie ein Handy im Jahr verbraucht“, rechnet Essig vor.
Lohnt sich der Aufwand an Stahl, Beton und Energie denn für die Umwelt und das Klima? „Eindeutig ja“, versichert Essig, „der Verbrauch von klimaschädlichem CO₂ für Stahl und Beton ist nach zwei bis vier Monaten ausgeglichen.“ Rechne man noch Transport, Aufbau, Wartung und später den Rückbau und das Recycling hinzu, komme man auf sechs bis neun Monate – bei einer Laufzeit von mindestens 20 Jahren.

Schließlich gibt es noch ein Gruppenbild mit allen Beteiligten, und wir stapfen in den schweren Sicherheitsschuhen zurück zur Baubude. Dort tuckert ein Dieselgenerator, um die Baustellenbüros mit Strom zu versorgen. Olaf Essig runzelt die Stirn.



