Heckler und Koch: Belegschaft soll Mehrarbeit leisten

 IG-Metaller „total wütend“/ Waffenhersteller "Kurz vor der Insolvenz?"

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IG Metall Flugblatt

OBERNDORF – Wegen der schwie­ri­gen Wirt­schafts­la­ge for­dert die Geschäfts­lei­tung von der Beleg­schaft des Obern­dor­fer Waf­fen­her­stel­lers nun unbe­zahl­te Mehr­ar­beit. „Unse­re Mit­glie­der sind total wütend“, so die IG-Metall­be­voll­mäch­tig­te Doro­thee Diehm zur NRWZ.

Die Mit­ar­bei­ter sähen nicht ein, wes­halb sie dafür gera­de ste­hen sol­len, was die Geschäfts­lei­tung und der Mehr­heits­ak­tio­när Andre­as Heeschen ver­bockt hät­ten. Aus Beleg­schaft­krei­sen war ein Jour­na­list der „Welt“ über die Plä­ne zur Mehr­ar­beit  infor­miert wor­den. Inzwi­schen haben etli­che ande­re Medi­en berich­tet, dass trotz neu­er Auf­trä­ge für Sturm­ge­weh­re und Pis­to­len „die Finanz­si­tua­ti­on von Heck­ler & Koch (H&K) immer wie­der für Spe­ku­la­tio­nen“ sor­ge, schrieb bei­spiels­wei­se Finanznachrichten.de. Dazu trü­gen die hohe Ver­schul­dung, Ver­lust­er­geb­nis­se und die unge­klär­te Eigen­tü­mer­si­tua­ti­on bei.

Laut Merkur.de hat ein HK-Spre­cher gesagt: „Der­zeit arbei­ten wir an einem umfang­rei­chen Inno­va­tions- und Wachs­tums­pakt unter Ein­bin­dung aller Sta­ke­hol­der von Heck­ler & Koch.”

Investitionsstau

Die IG-Metall habe im Dezem­ber auf Wunsch der neu­en Füh­rung mit Jens Bodo Koch und des neu­en Finanz­chefs Björn Krö­nert Ver­hand­lun­gen auf­ge­nom­men. „Krö­nert soll die Bude auf Vor­der­mann brin­gen“, so Diehm. Es gebe einen gro­ßen Inves­ti­ti­ons­stau. „Außer der Kan­ti­ne sei alles über­ho­lungs­be­dürf­tig, erzäh­len die Mit­ar­bei­ter.“ Die Beschäf­tig­ten hät­ten den Ein­druck, dass der Haupt­ak­tio­när Geld aus der Fir­ma gezo­gen habe. Sie for­der­ten, dass die­je­ni­gen, die die Schief­la­ge ver­ur­sacht hät­ten, nun dafür sor­gen müss­ten, dass der Laden wie­der flott wird.

Die For­de­rung nach unbe­zahl­ten zwei­ein­halb Stun­den Mehr­ar­beit und der Ver­zicht auf 400 Euro sei ange­sichts der Lage des Unter­neh­mens „eher ein sym­bo­li­scher Betrag“, fürch­tet Diehm. Bei einer Betriebs­ver­samm­lung am 14. März habe sie die Beleg­schaft infor­miert. In den nächs­ten zwei Wochen wer­de die Beleg­schaft ent­schei­den, ob sie den Vor­schlag der Geschäfts­lei­tung annimmt. Ange­sichts der Stim­mung in der Beleg­schaft habe sie „kei­ne Ahnung, ob das durch­geht“, so die IG-Metall­be­voll­mäch­tig­te.

Kurz vor der Insolvenz?”

Das IMU-Insti­tut hat­te im Auf­trag der IG-Metall die HK-Bilanz ana­ly­siert und war zu dem Schluss gekom­men, HK befin­de sich „kurz vor der letz­ten Stu­fe einer Kri­sen­ent­wick­lung“, näm­lich der Insol­venz. Für die Geschäfts­lei­tung aller­dings sei die Insol­venz „kein The­ma“, heißt es in einem Flug­blatt der IG-Metall.  Das Manage­ment sieht in den Mehr­ar­beits­stun­den und dem Ver­zicht auf 400 Euro als „Bei­trag“ der Beschäf­tig­ten „eine wesent­li­che und auch in der Außen­wir­kung enorm wich­ti­ge Kom­po­nen­te“, zitiert die IG-Metall aus einem Schrei­ben der Geschäfts­lei­tung.

Die Beschäf­tig­ten trü­gen kei­ne Ver­ant­wor­tung für die aktu­el­le Ertrags­kri­se und bis jetzt sei dar­auf ver­zich­tet wor­den, den Beschäf­tig­ten „finan­zi­el­le Opfer” abzu­ver­lan­gen. Dann wird das neue HK- Füh­rungs­team deut­lich: „Soll­te es zu kei­ner Eini­gung kom­men, dürf­ten sich unse­re Geld­ge­ber die berech­tig­te Fra­ge stel­len, ob die Beschäf­tig­ten über­haupt an dem Erhalt der Arbeits­plät­ze inter­es­siert sind.“

Die IG-Metall­be­voll­mäch­tig­te Diehm sieht das anders. Viel wich­ti­ger für die Sanie­rung des Unter­neh­mens als die Zuge­ständ­nis­se der Beschäf­tig­ten sei ein Schul­den­schnitt, „um HK über­haupt wie­der zukunfts­fä­hig zu machen“. Das sei über­haupt die Bedin­gung für den Abschluss eines Sanie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges.

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