In fast der Hälfte der Landkreise in Deutschland gibt es nur noch eine Zeitung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Hamburg Media School (der Deutschlandfunk berichtet hier). Der Kreis Rottweil steht demnach überdurchschnittlich gut versorgt da. Eine Einschätzung.
Das Jahr 2004 – es bedeutete eine Zäsur in der Rottweiler Medienlandschaft. Denn damals erschien die letzte Lokalausgabe der „Schwäbischen Zeitung“, ein Stück Rottweiler Zeitungsgeschichte endete. „Für viele Menschen in unserer Stadt stellte die Neugründung der NRWZ daher einen wichtigen Beitrag zur Medienvielfalt dar.“ Das sagte der damalige Rottweiler Oberbürgermeister Ralf Broß anlässlich eines Rückblicks auf fünf Jahre Neue Rottweiler Zeitung, NRWZ, im Jahre 2009. Dass es dem NRWZ-Verlag als Neuling im hart umkämpften Medienmarkt gelungen ist, Fuß zu fassen, verdiene großen Respekt, fügte er an.
15 Jahre später sind deutschlandweit weitere Lokalzeitungen verschwunden – die NRWZ gibt es weiterhin. Man könnte auch sagen: Rottweil stellt sich hier gegen den Trend, denn die verbliebene Tageszeitung wird in einer Lokalredaktion in Rottweil produziert. Und einer weiteren in Schramberg.
Wenn es keinen Lokaljournalismus mehr gebe, leide darunter die demokratische Gesellschaft, warnen die Macher der Studie unter dem Namen „Wüstenradar“ – der offenbar gewählt wurde, um aufzuzeigen, dass es zwar auf Landkreisebene noch keine „Nachrichtenwüsten“ gebe, wohl aber eine Tendenz zur Versteppung. Ohne eine fundierte journalistische Berichterstattung vor Ort breche eine wichtige Säule der Demokratie weg, hieß es während der Vorstellung der Studie. Das müsse als eine dringende Warnung an die Medienpolitik und als ein Auftrag verstanden werden, die Bedingungen des Journalismus vor Ort zu verbessern.
Allerdings stehen die Verlage vor wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen bei der physischen Zustellung von Zeitungen, wie die Hamburg Media School ebenfalls in diesem Jahr festhielt. So träfe eine geringere Zustelldichte wegen des stetigen Rückgangs der Abonnentenzahlen auf steigende Personal- und Energiekosten für die Zustellung. Die Umstellung von Print auf Digital scheint die Lösung zu sein. Weiterhin unbeantwortet aber sind Fragen wie: Welche Folgen sind bei der Transition von Print zu Digital zu erwarten und wie kann sie bestmöglich gelingen?
Die Neue Rottweiler Zeitung NRWZ ist hier nur ein winziges Projekt innerhalb der bundesdeutschen Medienlandschaft. Ein Projekt, das die Transformation von Print zu Online gezwungenermaßen anging. Bei aller Kritik, die uns nach der Einstellung der Druckausgabe im März 2020 erreichte: Aus heutiger Sicht, aus der aus dem Jahre 2024, haben wir es richtig gemacht. Dank des Schritts hin zu einer reinen digital erscheinenden Lokalzeitung kann festgehalten werden: Rottweil ist medial gut versorgt. Auch heute noch.
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