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Ein warmes Essen für alle: Das Suppenstüble in der Suppengasse, oder: „Obdachlosigkeit ist weniger sichtbar geworden“

Seit fast 30 Jahren bietet das Suppenstüble in Rottweil warmes Essen, Hilfe im Alltag und einen Treffpunkt für Menschen in schwierigen Lebenslagen.

Im Suppenstüble in der Rottweiler Suppengasse kommen Menschen unterschiedlichster Lebenssituationen zusammen. Ehrenamtliche sorgen hier fast täglich für ein warmes Mittagessen und einen Ort der Begegnung. Foto: Moni Marcel
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Rottweil – Seit fast 30 Jahren gibt es das Suppenstüble in der Suppengasse 2. Hier kochen Ehrenamtliche an sechs Tagen die Woche ein warmes Mittagessen, und dazu eingeladen ist jeder. Bedürftige bezahlen dafür einen Euro, wer es sich leisten kann, drei Euro oder mehr.

Gegründet wurde das Suppenstüble, auch Wärmestube genannt, 1997. Die Idee hatte der damalige evangelische Pfarrer Wilhelm Dilger, der in Großbritannien die dortigen „Soup Kitchens“ kennenlernte und beschloss, dass man so etwas auch in Rottweil brauche. Oft genug standen Obdachlose vor seiner Pfarrhaustür – für sie sollte ein dauerhaftes Angebot geschaffen werden. Zusammen mit den katholischen Gemeinden und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) wurde zunächst im Gemeindehaus gekocht, später dann in der Suppengasse, wo vermutlich schon im Mittelalter Armenspeisungen stattfanden. Darauf lässt zumindest der Name schließen.

Dietmar „Didi“ Greuter betreute das Projekt Wärmestube bis zu seinem frühen Tod im April 2025 gemeinsam mit Verena Gaiffi. Daraus entstand ein Treffpunkt, an dem es nicht nur Frühstück und Mittagessen ermöglicht, sondern auch, zu duschen oder Wäsche zu waschen. Auch in der Pandemie gelang es, den Menschen zu helfen: Im Lockdown wurde das Essen durchs Fenster gereicht, zudem sammelte man Lebensmittelspenden von Supermärkten und gab sie weiter.

Inzwischen kümmert sich Hélène Marcel um die Wärmestube, auch um die große Gruppe der ehrenamtlichen Köchinnen und Köche. Und natürlich um die Menschen, die hier Hilfe suchen. Gerade psychische Probleme seien in den vergangenen Jahren häufiger geworden, die Ratsuchenden zudem immer jünger.

Nahezu verschwunden sei hingegen der klassische „Berber“, der Obdachlose mit Schlafsack und Hund. „Obdachlosigkeit ist weniger sichtbar geworden“, betont Hélène Marcel. Viele nächtigten heute bei Bekannten, machten „Couchsurfing“, mal hier, mal da, solange es eben gut gehe.

In der Suppengasse finden sie ein „Wohnzimmer auf Zeit“, wo man reden, Zeitung lesen oder an Spielenachmittagen teilnehmen kann. Hélène Marcel hat aber auch schon Getränkegutscheine für den Ferienzauber organisiert oder Freikarten für einen Abend mit Heinrich del Core. Denn auch darum soll es im Suppenstüble gehen: um Teilhabe. „Wer wenig Geld hat, kann eben auch kaum am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.“

Und genau deshalb ist es der Sozialarbeiterin wichtig, zu betonen, dass hier jeder willkommen ist – nicht nur Menschen ohne Geld. Mittagessen gibt es immer um 12 Uhr, anmelden muss man sich nicht. Das ist auch für die Köchinnen und Köche eine Herausforderung, doch bislang wurden immer alle Gäste satt. Dann wird eben noch schnell ein zusätzlicher Topf Nudeln aufgesetzt oder zwei Päckchen Pudding gekocht, wenn mehr Menschen kommen und das Essen sonst nicht reichen würde.

Das gilt auch für das monatliche „königliche Frühstück“ am zweiten Samstag im Monat, bei dem es neben dem Buffet auch frische Crêpes gibt. Immer wieder engagieren sich zudem Gruppen oder Unternehmen, etwa wenn Mitglieder des Round Table oder das Team des El Greco kochen. Einer der vermutlich prominentesten Köche war übrigens Karl Lambrecht, der leidenschaftlich gerne in der kleinen Suppenstüble-Küche den Kochlöffel schwang.

Finanziert wird die Wärmestube hauptsächlich durch Spenden. Dazu kommen Zuschüsse vom Landkreis und der Stadt – letztere sollten eigentlich gestrichen werden. Nach Leserbriefen und dem Verweis von Stadträtin Anne Hecht auf den Martinstag gab es kurz vor der Abstimmung im November 2025 doch eine knappe Mehrheit für den Zuschuss. Die SPD-Rätin legte ihren Kollegen nahe, die Mantelteilung nicht nur auf dem Münsterplatz zu feiern, sondern auch in der heutigen Zeit an die Armen zu denken.

An Menschen, deren Zahl nach Einschätzung der Verantwortlichen weiter zunimmt. Menschen, denen steigende Preise zunehmend zu schaffen machen und die sich mitunter selbst den einen Euro für das Mittagessen nicht leisten können. Umso mehr freut man sich in der Suppengasse über Spenden. Auch originalverpackte und nicht abgelaufene Lebensmittel werden gerne angenommen.

Spendenkonto:

Kreissparkasse Rottweil, IBAN: DE17 6425 0040 0000 0574 00, BIC: SOLADES1RWL

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