Die ersten warmen Tage fühlen sich an wie eine Befreiung. Straßencafés füllen sich, Jacken verschwinden über Stuhllehnen und die Sonne scheint endlich wieder eine Rolle zu spielen. Was dabei leicht übersehen wird, ist ihre stille Konsequenz auf der Haut. Kühl bedeutet nämlich nicht automatisch harmlos.
Warum die Frühlingssonne alles andere als harmlos ist
Im Frühling täuscht das Thermometer regelmäßig. Zehn oder fünfzehn Grad wirken nicht bedrohlich, schon gar nicht im Vergleich zu einem Hochsommertag mit über dreißig Grad. Doch die Haut reagiert nicht auf das Wärmegefühl, sie reagiert auf ultraviolette Strahlung. Diese ist unsichtbar und nicht spürbar, sie arbeitet im Hintergrund.
Bereits im März erreicht der UV-Index an klaren Tagen Werte um 3 und darüber. Ab diesem Bereich empfehlen Fachleute Schutzmaßnahmen wie Sonnenschutzmittel, weil die Strahlung ausreicht, um Hautzellen zu schädigen. Auch eine geschlossene Wolkendecke bietet keine vollständige Sicherheit, ein großer Teil der UV-Strahlung dringt hindurch. Das kühle Lüftchen im Park ist also kein verlässlicher Indikator für Entwarnung.
Nach dem Winter ist die Haut ohne Eigenschutz
Nach Monaten mit wenig Sonne befindet sich die Haut in einer Art Winterschlaf. Die Melaninproduktion ist reduziert, der natürliche Pigmentschutz entsprechend gering. Gleichzeitig fehlt die sogenannte Lichtschwiele, also jene leichte Verdickung der obersten Hautschicht, die sich im Laufe eines sonnigen Sommers entwickelt.
Trifft nun die erste intensivere Strahlung auf diese unvorbereitete Oberfläche, reagiert sie empfindlicher als erwartet. Sonnenbrände entstehen im Frühling häufig nicht am Strand, vielmehr beim ausgedehnten Spaziergang oder beim ersten Kaffee im Freien. Die Dauer wird unterschätzt, die Intensität ebenfalls. Die Quittung zeigt sich oft erst am Abend.
Sobald der UV-Index regelmäßig Werte ab 3 erreicht, lohnt sich eine feste Schutzroutine. Das ist in Mitteleuropa meist ab März der Fall. Betroffen sind vor allem Gesicht, Hals, Hände und Dekolleté, also jene Bereiche, die kaum durch Kleidung bedeckt sind.
Auch Alltagssituationen summieren sich. Eine halbe Stunde in der Mittagssonne, der Arbeitsweg zu Fuß oder eine Trainingseinheit im Freien ergeben schnell eine relevante Gesamtdosis. Es braucht keinen Strandtag mit Liegestuhl, um die Haut zu fordern.
Welcher Lichtschutzfaktor passt zu Hauttyp und Aufenthaltsdauer?
Der Lichtschutzfaktor, kurz LSF, gibt an, um welchen Faktor sich die Eigenschutzzeit der Haut verlängert. Er bezieht sich in erster Linie auf UVB-Strahlung, die für Sonnenbrand verantwortlich ist. Ein zeitgemäßer Sonnenschutz sollte zusätzlich vor UVA-Strahlung schützen, weil diese tiefer in die Haut eindringt und zur vorzeitigen Hautalterung beiträgt.
Für kürzere Aufenthalte im Alltag genügt häufig ein LSF von 20 bis 30. Bei längerer Exposition im Freien oder bei sehr heller und empfindlicher Haut empfiehlt sich ein Bereich von 30 bis 50. Kinderhaut reagiert empfindlich, deshalb wird auch in diesem Fall zu höheren Schutzfaktoren geraten. Entscheidend ist zudem die aufgetragene Menge, denn eine zu sparsame Anwendung reduziert die tatsächliche Schutzwirkung deutlich.
Beeinträchtig der Sonnenschutz die Vitamin-D-Bildung?
Die Meinung, durch konsequenten Schutz zu wenig Vitamin D zu bilden, hält sich hartnäckig. Tatsächlich reicht bereits eine kurze tägliche Exposition von zehn bis fünfzehn Minuten an Gesicht und Händen aus, um die körpereigene Produktion anzuregen. Zudem wird Sonnenschutz in der Praxis selten lückenlos und in der exakt empfohlenen Menge aufgetragen, sodass ein Rest an UVB-Strahlung fast immer die Haut erreicht.
Die erste Sonne im Frühling ist also kein harmloser Vorgeschmack, vielmehr eine ernstzunehmende Belastung für unvorbereitete Haut. Ein bewusster Umgang mit Lichtschutz sorgt dafür, dass die warmen Tage ohne böse Überraschungen genossen werden können.