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Dienstag, 10. Dezember 2019
Start Schram­berg Bau 64 in Schram­berg: Nach­schlag bean­tragt

Bau 64 in Schramberg: Nachschlag beantragt

Ver­ein braucht 200.000 Euro / Stadt will 130.000 Euro gewäh­ren

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SCHRAMBERG –  Vor knapp zwei Mona­ten fei­er­ten die Macher des Bau-64-Pro­­jekts an der Geiß­hal­de ein fröh­li­ches Open-Wee­kend. Das alte Fabrik­ge­bäu­de, das der Ver­ein für einen sym­bo­li­schen Euro erwor­ben hat­te ist fast kom­plett fer­tig umge­baut. Fest­re­den, Musik am Abend, Tria-Lauf. Die Sze­ne 64 kam her­vor­ra­gend zur Gel­tung. Mehr als 2000 Gäs­te zähl­ten die Macher. Das war Mit­te Sep­tem­ber.

Nun zwei Mona­te spä­ter muss der Ver­eins­vor­sit­zen­de Ulrich Bauknecht um einen Nach­schlag bit­ten – und  das nicht zu knapp. In einem Schrei­ben an die Stadt berich­tet er, dass „sich bereits 2018 durch im Bau­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren nicht im ursprüng­li­chen Kon­zept ent­hal­te­ne und nicht im Vor­aus erkenn­ba­re Maß­nah­men eine Finan­zie­rungs­lü­cke in Höhe von 220.000 Euro auf­ge­tan“ habe: “Die finan­zi­el­le Lage des Ver­eins hat sich dadurch noch­mal deut­lich ver­schärft.“

Mehr Besucher – strengere Auflagen

Das Haupt­pro­blem sei, so Bauknecht, dass das Haus nicht wie ursprüng­lich vor­ge­se­hen, nur für 200 Besu­cher zuge­las­sen wer­de. Nach einer neu­er­dings gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Qua­drat­me­ter­zahl­be­rech­nung sei das Haus für 680 Per­so­nen zuge­las­sen. Des­halb müss­ten zusätz­li­che Sani­tär­räu­me aber auch Ret­tungs­we­ge  ein­ge­baut wer­den.

Vor­schrift ist Vor­schrift: 130.000 Euro für einen weit­ge­hend unge­nutz­ten Park­platz

Ande­rer­seits gebe dies „dem Haus einen viel­fa­chen Nut­zungs-Spiel­­raum, durch den wir der enor­men Nach­fra­ge nach die­sen Räu­men ent­spre­chen“. Bauknecht weist außer­dem dar­auf hin, dass ledig­lich 70.000 Euro für „ech­te“ Mehr­kos­ten von der Stadt gefor­dert wür­den, wenn man die Park­plät­ze mit 130.000 Kos­ten sepa­rat betrach­te. Wäh­rend der Umbau­zeit war näm­lich die Auf­la­ge gekom­men, dass der Ver­ein auch noch 80 Park­plät­ze aus­wei­sen müs­se.

So sah der Bau 64 im Jahr 2015 vor der Sanie­rung aus. Archiv-Foto: him
Der Bau 64 heu­te: Das Dach und die Fens­ter sind erneu­ert und ersetzt. Im Inne­ren sind zwei gro­ße Ver­an­stal­tungs­räu­me ent­stan­den. Foto: him

In einer Vor­la­ge für den Ver­wal­tungs­aus­schuss des Gemein­de­ra­tes schlägt die Ver­wal­tung nun vor, dem Ver­ein die­se 130.000 Euro als Zuschuss zu gewäh­ren und als außer­plan­mä­ßi­ge Aus­ga­be zu ver­bu­chen.

Zur Begrün­dung heißt es, die Sze­ne 64 wer­de „zwi­schen­zeit­lich sehr gut durch kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen, aber auch durch pri­va­te Fei­ern und Fir­men­fes­te genutzt“.

Stadt hat 850.000 Euro bereits gezahlt

Die Stadt habe den 2015 zuge­sag­ten Zuschuss in Höhe von 850.000 Euro bereits aus­ge­zahlt. Archi­tekt Jür­gen Bihl­mai­er hat­te 2015 die Gesamt­kos­ten auf knapp 950.000 Euro geschätzt . Inzwi­schen  sei man bei 1,1 Mil­lio­nen Euro ange­langt. Der Ver­ein habe der­zeit ein Dar­le­hen in Höhe von 90.000 Euro auf­ge­nom­men, um den Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen nach­kom­men zu kön­nen.

„Die Mehr­kos­ten ent­stan­den durch die Bereit­stel­lung der Stell­plät­ze, die Anfor­de­rung einer zusätz­li­chen Flucht­trep­pe im zwei­ten Ober­ge­schoss, die Brand­mel­de­an­la­ge und die Ein­rich­tung von Gas­tro­no­mie­kü­chen“, heißt es in der Vor­la­ge dazu.

Auf­wän­dig muss­te der Ver­ein 80 Park­plät­ze errich­ten las­sen. Archiv-Foto: him

Weil die Kos­ten für den Park­platz in der dama­li­gen Kos­ten­schät­zung nicht ent­hal­ten waren, schlägt die Ver­wal­tung vor, dem Ver­ein „Sze­ne 64“ letzt­mals einen wei­te­ren Zuschuss in Höhe von 130.000 Euro zu gewäh­ren. Dafür müs­se der Ver­ein ein Betriebs­kon­zepts erstellen.“Das Betriebs­kon­zept muss ins­be­son­de­re Aus­sa­gen über Ver­an­stal­tungs­ar­ten, Nut­zer­kreis, Koope­ra­tio­nen, Aus­las­tung,  Miet­kos­ten und Ver­ga­be­kri­te­ri­en ent­hal­ten.“

Heftige Diskussionen im Rat

Wenn der Ver­wal­tungs­aus­schuss am Don­ners­tag über den Antrag berät, wer­den eini­ge alt­ge­dien­te Rats­mit­glie­der ungu­te Erin­ne­run­gen an eine denk­wür­di­ge Gemein­de­rats­sit­zung vor fast genau vier Jah­ren haben. Damals bat die Frak­ti­on SPD/Buntspecht, einen Zuschuss­an­trag zunächst noch­mals im Ver­wal­tungs­aus­schuss zu bera­ten. Das wur­de von allen ande­ren Frak­tio­nen abge­lehnt.

Der dama­li­ge Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de von SPD/Buntspecht Hans Jörg Fahr­ner hat­te moniert, beim Bau 64 sei „noch vie­les in der Schwe­be und das Vor­ha­ben nicht voll­stän­dig aus­de­fi­niert“. Er war mit die­ser Aus­sa­ge auf hef­ti­gen Wider­spruch gesto­ßen.

 

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