Schramberg – „Wir haben gekämpft wie die Löwen“, berichtet ein Mitglied der evangelischen Kantorei, „aber es hat nichts genutzt.“ Der Kirchengemeinderat blieb bei seiner Entscheidung, dem Kantor Jan-Piet Knijff während seiner Probezeit zu kündigen. Wie berichtet, hatte das Gremium vor gut einer Woche Knijff ohne Angabe von Gründen mitgeteilt, dass sein Vertrag nicht verlängert werde.
Das Gespräch am Dienstag mit der Kantorei brachte keine Meinungsänderung. Vorschläge wie eine Verlängerung der Probezeit habe der Kirchengemeinderat nicht diskutiert. Die Frage nach den Gründen habe der alte und der neue Kirchengemeinderat nicht beantwortet. Es habe nicht an Knijffs Arbeit mit der Kantorei gelegen, berichtet ein Kantoreimitglied.
Knijff versichert im Gespräch mit der NRWZ, es habe nie ein Gespräch mit Mitgliedern des Kirchengemeinderats und ihm gegeben, bei dem man ein Fehlverhalten seinerseits angesprochen hätte.
Dass die Kantorei geschlossen hinter Knijff und seiner Arbeit als Chorleiter stehe, habe den Kirchengemeinderat nicht beeindruckt. Auch das Argument der Nächstenliebe sei abgeprallt, so das Mitglied der Kantorei. Zum Vorschlag aus der Kantorei, Knijffs Probezeit zu verlängern, habe der Kirchengemeinderat geantwortet: „Das wollen wir nicht.“

Keine Gespräche, keine Begründung
Die Entscheidung sei „außergewöhnlich traurig“, sagt Knijff am Telefon zur NRWZ. Er frage sich, wer gewinnt dabei? Wohl niemand. Es komme ihm vor, als ob es manchen lieber sei, „die Kirche leer laufen zu lassen, als mit Musik – und damit mit Leben – zu füllen“. Es habe keinen konkreten Anlass für die Entlassung gegeben. „Niemand hat vorher ernsthaft versucht, mit mir ins Gespräch zu kommen.“
Er habe (mit seiner halben Stelle) in Schramberg Möglichkeiten geschaffen, mehr mit Musik zu machen. Die Anschaffung eines Konzertflügels mache die Stadtkirche auch zu einem „Top-Platz für Konzerte“.
Gern in Schramberg
Es tue ihm leid um die Menschen in der Kantorei, um die jungen Leute aus dem Gymnasium und Profi-Musiker aus der Region, die mit ihm in der Kirche musiziert haben. Auch mit der Musikschule habe es eine sehr schöne Zusammenarbeit gegeben. „Aber wenn sie nicht wollen, wollen sie nicht“, meint Knijff.
Er habe die Kirchengemeinderäte explizit gefragt, was man ihm vorwerfe. Die Rätinnen und Räte seien darauf nicht eingegangen. Trotzdem bereut Knijff „keine Sekunde, nach Schramberg gekommen zu sein“.
Wie es für ihn weitergeht? „Ich habe keine konkreten Pläne, aus Schramberg wegzugehen“, so Knijff. Was er beruflich machen möchte, sei offen.
Kantorei will weitermachen
Und in der Kantorei? Auch nach der enttäuschenden Entlassung ihres Kantors sei die Kantorei entschlossen, weiter zu singen, so das Kantoreimitglied. Man hoffe auf eine Übergangslösung.
Die Kantorei sei von Knijffs Arbeit als Chorleiter begeistert gewesen. Auch die vielen Aktivitäten, die Knijff entwickelt habe, wie gemeinsame Auftritte mit dem katholischen Kirchenchor oder der Stadtmusik hätten für frischen Wind gesorgt. „Das ist jetzt alles weg.“ Besonders grotesk: Knijff habe es geschafft, dass für die evangelische Kirche ein hochwertiger Steinway-Flügel angeschafft werden konnte. „Und jetzt ist niemand da, der ihn spielen kann.“
Kirchengemeinderatsvorsitzende bisher nicht zu erreichen
Die NRWZ hat auch versucht, mit dem Kirchengemeinderat zu sprechen. Ein an den Gesprächen führend beteiligtes Mitglied meinte: „Ich kann etwas sagen, will aber nicht.“ Er verwies auf die Vorsitzende Tanja Gerger. Diese war am Mittwochvormittag telefonisch nicht zu erreichen. Auch im Pfarrbüro ist niemand ans Telefon gegangen.
Kirchengemeinderat bleibt stumm
Nachtrag: Nach mehreren Versuchen hat die NRWZ am frühen Mittwochabend die Vorsitzende des Kirchengemeinderats telefonisch erreicht. Gefragt, wie der Kirchengemeinderat die Entlassung des Kantors begründe, erwiderte Gerger, es handle sich um eine Personalangelegenheit, da habe sie Schweigepflicht, das sei nichtöffentlich.
Ich solle mich mit Pfarrerin Marie-Luise Karle in Tuttlingen in Verbindung setzen, wenn ich wegen des gestrigen Termins etwas wissen wolle. „Ich hoffe, Sie akzeptieren das“, so Gerger. Als ich einwenden wollte, der Kirchengemeinderat habe die Kündigung ausgesprochen, wurde es kurz laut und der Hörer aufgelegt.
Pfarrerin Karle war am Abend über die Telefonnummer der evangelischen Kirchengemeinde Tuttlingen nicht zu erreichen.



