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Dienstag, 10. Dezember 2019
Start Rott­weil Nach dem töd­li­chen Ter­ror­an­schlag von Hal­le: Poli­zei sichert Rott­wei­ler Syn­ago­ge

Nach dem tödlichen Terroranschlag von Halle: Polizei sichert Rottweiler Synagoge

”Erschüt­te­rung, Trau­er” bei der jüdi­schen Gemein­de / Gedan­ken zur Sicher­heits­la­ge im Land

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Offen­bar unmit­tel­bar nach den Angrif­fen von Hal­le, dem am gest­ri­gen Mitt­woch zwei Men­schen zum Opfer gefal­len sind, hat das Lan­­des-Innen­­mi­­nis­­te­­ri­um Baden-Wür­t­­te­m­berg die Siche­rung der Syn­ago­gen im Land ange­ord­net. Vor der Rott­wei­ler Syn­ago­ge steht seit­her ein Strei­fen­wa­gen, ist zudem Kri­mi­nal­po­li­zei im Ein­satz. Unter­des­sen hat die jüdi­sche Gemein­de des Lan­des reagiert.

Die Beam­ten sind wach­sam. Wer foto­gra­fiert, wird direkt ange­spro­chen. Sie wol­le ein­fach wis­sen, wer hier Inter­es­se an der Syn­ago­ge habe, so die Beam­tin zum Repor­ter. Des­sen Ant­wort, sie sei nach sei­nem Wis­sen ja auch nicht zum Spaß da, erwi­dert sie mit einem Lächeln.

Seit dem Angriff auf die Syn­ago­ge in Hal­le (Saa­le), bei dem am höchs­ten jüdi­schen Fei­er­tag Jom Kip­pur vom Täter zwei Men­schen erschos­sen wor­den sind, wird auch die Rott­wei­ler Syn­ago­ge bewacht. ”Das hat das Lan­­des-Innen­­mi­­nis­­te­­ri­um ange­ord­net”, so ein Spre­cher des Tutt­lin­ger Poli­zei­prä­si­di­ums auf Nach­fra­ge der NRWZ. Es sei ihm ganz recht, dass die Pres­se das foto­gra­fie­re, ergänzt er, so wür­den die getrof­fe­nen Maß­nah­men im Rah­men der Sicher­heits­ab­wä­gun­gen der Behör­den den Men­schen im Land trans­pa­ren­ter.

Nach dem töd­li­chen Angriff auf die Syn­ago­ge in Hal­le herrscht der­weil Ent­set­zen bei den jüdi­schen Gemein­den in Baden und Würt­tem­berg. „Wir sind erschüt­tert und trau­ern mit den Ange­hö­ri­gen und Freun­den der Opfer. Der Jüdi­schen Gemein­de Hal­le gilt unse­re Soli­da­ri­tät. Damit sind unse­re Befürch­tun­gen wahr gewor­den“, sagt Rami Suli­man, der Vor­sit­zen­de der Israe­li­ti­schen Reli­gi­ons­ge­mein­schaft Baden (IRG Baden), „auch in Deutsch­land sind Anschlä­ge mög­lich: Die mör­de­ri­sche Gewalt hat uns erreicht“.

Die IRG Baden ist mit dem Land Baden-Wür­t­­te­m­berg und den Lan­des­po­li­zei­kräf­ten im Gespräch. Not­wen­di­ge Ände­run­gen in der Sicher­heits­struk­tur der jüdi­schen Ein­rich­tun­gen im Land – per­so­nell und bau­lich – sei­en ana­ly­siert, teilt die Glau­bens­ge­mein­schaft mit. Baden-Wür­t­­te­m­berg hat hin­sicht­lich der Bekämp­fung des Anti­se­mi­tis­mus eine Vor­rei­ter­stel­lung ein­ge­nom­men. Mit Dr. Micha­el Blu­me wur­de im Früh­jahr 2018 der ers­te Beauf­trag­te gegen Anti­se­mi­tis­mus in Baden-Wür­t­­te­m­berg beru­fen, ande­re Bun­des­län­der und der Bund folg­ten mit ent­spre­chen­den Beru­fun­gen. Seit 2. Juli die­ses Jah­res liegt dem Land­tag von Baden-Wür­t­­te­m­berg nun der 1. Bericht des Beauf­trag­ten gegen Anti­se­mi­tis­mus vor. „Der Land­tag wird in der kom­men­den Woche, am 17. Okto­ber, über die Fest­stel­lun­gen des Berichts und die Umset­zung der Hand­lungs­emp­feh­lun­gen beschlie­ßen“ teilt Thors­ten Orgo­nas, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der IRG Baden mit.

Die zehn jüdi­schen Gemein­den in Baden ver­tre­ten das Leit­bild des offe­nen Hau­ses. Jeder ist will­kom­men, der in Kon­takt mit den Gemein­den tre­ten will, Syn­ago­gen­füh­run­gen gibt es an jedem Ort. „Lei­der müs­sen wir unse­re Gebäu­de aber auch schüt­zen, wie der Anschlag in Hal­le und ande­ren euro­päi­schen Städ­ten gezeigt hat,“ so Suli­man.

Das Lan­des­kri­mi­nal­amt habe Gut­ach­ten erstellt zu der Fra­ge, in wel­chen Berei­chen in den ein­zel­nen Ein­rich­tun­gen Ver­bes­se­run­gen an Sicher­heits­aus­stat­tung und Sicher­heits­tech­nik ange­zeigt sind. Die­se Gut­ach­ten hat sich auch der Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­te in sei­nem Bericht zu eigen gemacht. Rami Suli­man erklärt: „Die LKA-Gut­ach­­ten lie­gen auf dem Tisch, sie müs­sen jetzt rasch umge­setzt wer­den. Ich bin mir sicher, dass die Abge­ord­ne­ten die rich­ti­gen Schlüs­se zie­hen wer­den. Die Signa­le, die wir aus Poli­tik, Ver­wal­tung und Gesell­schaft erhal­ten, las­sen kei­nen Zwei­fel dar­an zu, dass die ele­men­ta­re Bedeu­tung des The­mas Sicher­heit jüdi­scher Ein­rich­tun­gen und Kampf gegen Anti­se­mi­tis­mus und Men­schen­feind­lich­keit ver­stan­den wur­den. Wir wer­den gemein­sam für den Erhalt unse­rer offe­nen, frei­en und viel­sei­ti­gen Gesell­schaft ein­tre­ten.“

Die IRG Baden ist als Reli­gi­ons­ge­mein­schaft der Dach­ver­band der Juden im Lan­des­teil Baden mit etwa 5000 Mit­glie­dern. Ihr unter­glie­dert sind die zehn jüdi­schen Gemein­den in Baden-Baden, Emmen­din­gen, Frei­burg, Hei­del­berg, Karls­ru­he, Kon­stanz, Lör­rach, Mann­heim, Pforz­heim und Rott­weil.

 

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