Donnerstag, 18. April 2024

Omikron: Zahlen steigen drastisch, Folgen wohl milder

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Kreis Rottweil. Mit schlechten und guten Nachrichten wartete Landrat Wolf-Rüdiger Michel bei der heutigen Pressekonferenz zu Corona auf. Einerseits habe „die Pandemie an Fahrt gewonnen“. Die Inzidenz habe sich innerhalb einer Woche von 320 auf 630 nahe zu verdoppelt. Andererseits sei die Zahl der mit oder an Corona verstorbenen Menschen stark zurückgegangen.

Der starke Anstieg sei auf die hoch ansteckende Omikron-Variante zurückzuführen, ist Michel überzeugt. Der Anstieg sei „so stark wie noch nie in der Pandemie“. Deshalb komme auf viele Beschäftigte im Krankenwesen erheblich mehr Arbeit zu. Michel dankte in diesem Zusammenhang allen in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Artpraxen und Gesundheitsamt Tätigen. Er riet allen, ob geimpft oder nicht: „Vermeiden Sie nicht notwendige Kontakte.“ Er riet, im privaten oder auch politischen Bereich zu digitalen Treffen.

Sterbezahlen gehen deutlich zurück

Bei den Todeszahlen beobachte das Gesundheitsamt eine rückläufige Tendenz: Zählte man von der Kalenderwoche  45 bis 49 noch 45 Todesfälle im Kreis, so ging die Zahl von der 50.  bis zur 1. Kalenderwoche (KW) auf nur noch zehn Fälle zurück. „Das ist hoffentlich von Dauer“, so Michel. Man wisse es aber bisher einfach noch nicht.

Bei der Altersstruktur der Infizierten überwiegen jetzt die jungen Jahrgänge. Die Hauptgruppe seit Jahresbeginn seien die 20- bis 29-Jährigen, gefolgt von den 30- bis 39-Jährigen und den 11- bis 19-Jährigen. Erfreulich sei, dass die über 70-Jährigen inzwischen die mit Abstand kleinste Gruppe bildeten.

Impfquote weiter niedrig

Beim Impfen sei „deutlich Luft nach oben“, so der Landrat. Zwar liege der Landkreis inzwischen bei der Impfquote leicht über dem Landesdurchschnitt.  Bei 67,8 Prozent sei der Abstand zu Bremen mit  mehr als 80 Prozent noch sehr groß. „Wir hoffen, noch mehr Menschen für das Impfen interessieren zu können.“

In der ersten Januarwoche hätten die drei  Impfstützpunkte fast 1200 Personen geimpft, knapp fünf Prozent waren Erstimpfungen. In der zweiten KW waren es nur noch knapp 700, von denen knapp neun Prozent eine Erstimpfung erhielten.

Der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Heinz Joachim Adam sieht ebenfalls, dass die Omikronvariante wohl  eher moderate Erkrankungen auslöse. Dennoch seien Geruchs- und Geschmacksverlust zu befürchten, da das Virus die Blut-Hirnschranke überwinde. Fieber, Abgeschlagenheit und andere Symptome träten ebenfalls auf. Wegen der hohen Infiziertenzahlen konzentriere sich das Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung auf die vulnerablen Gruppen, also in Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern.

In den beiden Krankenhäusern in Oberndorf und Rottweil seien die Belegungszahlen zurückgegangen und wieder mehr Betten frei. Auf den Intensivstationen lägen in Oberndorf vier Patienten mit Covid 19, davon einer beatmet. In Rottweil sei kein Intensivbett frei, vier seien mit Covid-Patienten belegt.

Neue Quarantäneregeln

Adam  berichtete, dass die PCR-Teststellen angewiesen seien, positiv-getesteten Personen die aktuellen Quarantäneregeln mitzuteilen. Was gelte und was  diese Personen machen müssen, sei auch  in einer App oder die Homepage des Landratsamtes zu erfahren. Auch die Hotline des Gesundheitsamtes könnten Betroffene anrufen.

Adam berichtete, dass 60 Prozent der Infizierten auch Krankheitssymptome entwickelten, 40 Prozent blieben asymptomatisch, also beschwerdefrei. Bei denen, die sich mit Omikron infiziert haben, seien etwa 30 Prozent nicht geimpft, weitere 26 Prozent nicht ausreichend geimpft.

Ungeimpften im Gesundheitswesen droht Betretungsverbot

Wenn ab 15. März die Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen gelte, werde das Gesundheitsamt diese Pflicht umsetzen und gegebenenfalls auch Betretungsverbote für nicht immunisierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aussprechen, kündigte der Leiter des Gesundheitsamtes an.

Er erinnerte daran, dass schon bisher in solchen Einrichtungen eine Impfpflicht gegen Masern und Hepatitis B für einzelne Altersgruppen bestehe.

Zahlreiche Teststellen

Im Kreis arbeiten bis heute schon 105 Teststellen, so Stephan Vilgis vom Gesundheitsamt Es gebe auch noch weitere Anfragen. Das Gesundheitsamt versuche mit den Betreibern zu erreichen, dass auch bisher weniger gut versorgte Gemeinden und Gegenden eine Teststelle erhalten. Auch wegen PCR-Tests sei man im Kontakt mit Anbietern. Vilgis betonte aber, dass PCR-Tests an den Teststellen nur für nicht symptomatische Personen möglich seien. Wer also Fieber, Gliederschmerzen, oder Halsweh habe, müsse sich an einen Hausarzt oder eine Corona-Schwerpunktpraxis wenden.

Martine Hielscher kündigte drei spezielle Kinderimpftermine in den Impfstützpunkten in Rottweil, Schramberg und Sulz an. Da könne man sich am heutigen Montag noch unter der Telefonnummer 0741 244-8470 von 14 bis 16 Uhr  anmelden. Insgesamt gehe aber die Impfnachfrage zurück. Deshalb werde das Gesundheitsamt ab Februar die Zeiten in den Stützpunkten wieder verringern.

Neue Regeln

Der Leiter des Ordnungsamtes Thomas Seeger berichtete über neue Regelungen. So sei die Sperrzeit in der Gastronomie nun  auf 22.30 bis 6 Uhr festgelegt. Dann gelte in der Alarmstufe 2 die FFP-2-Maskenpflicht für alle über 18 in geschlossenen Räumen. Neue Regeln zur Quarantäne gebe es ebenfalls. So gilt die Absonderung nun für zehn Tage, ein Freitesten sei nach sieben Tagen möglich. Näheres findet sich auf der Homepage des Landratsamtes (Link siehe oben).

Besondere Probleme in Schulen gebe es bisher nicht, so Adam auf Nachfrage. „Wir haben bisher keine ganze Klasse nach Hause schicken müssen.“

Bei „Spaziergängen“ Ansteckungsrisiko

Zum Ansteckungsrisiko bei den sogenannten Spaziergängen meinte Adam, das lasse sich in Zahlen schlecht ausdrücken. Es sei aber klar, dass  bei etwa 2000 neu Infizierten im Kreis innerhalb einer Woche auch bei solchen Spaziergängen Personen darunter seien, die hoch ansteckend seien.

Es komme drauf an, wie nah und wie lange die Kontakte seien, ergänzte Landrat Michel. Maske tragen und Abstand halten seien beides wichtige Möglichkeiten, wenn man eine Ansteckung vermeiden wolle.

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Martin Himmelheber (him)
... begann in den späten 70er Jahren als freier Mitarbeiter unter anderem bei der „Schwäbischen Zeitung“ in Schramberg. Mehr über ihn hier.

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